Benedikt von Aniane (um 750-821)

Ordensgründer und Abt

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 333 klicks

Benedikt von Aniane wurde um 750 mit dem Taufnamen Witiza in Septimanien in der Grafschaft Magulone geboren. Er stammte aus westgotischem Adel. Nach der Erziehung am karolingischen Königshof leistete er seinen Militärdienst unter Pippin dem Jüngeren und Karl dem Großen ab. Bei der Rückkehr vom Feldzug Karls des Großen gegen den Langobardenkönig Aistulf 773 ertrank Benedikts Bruder in einem Fluss. Von diesem tragischen Ereignis tief gezeichnet, gab Benedikt seine militärische Karriere auf und gründete 779 auf seinem Erbbesitz in Aniane bei Montpellier ein Kloster. Von dem ursprünglichen Kloster, das Benedikt in Aniane gegründet hatte, ist heute nichts mehr erhalten. Die heute sichtbaren Klostergebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Benedikts Schüler und Biograph*, Ardo Smaragdus, schrieb, dass Benedikt bereits als Soldat einen asketischen Lebensstil geführt habe und ihm schon bald die Regeln des klösterlichen Lebens als zu mild erschienen seien. Benedikt verließ deshalb das Kloster und zog sich in eine Einsiedelei in Aniane bei Montpellier zurück. Im Laufe der Zeit näherte er sich jedoch immer mehr dem Gedankengut Benedikt von Nursias und einer gemäßigten Praxis des asketischen Lebens an. Seine beiden Schriften, der „Codex regularum monasticarum et canonicarum“ und die „Concordia  regularum“ belegen Benedikts Bemühen um eine vermittelnde Linie.

Benedikt konnte auf die Unterstützung Ludwigs zählen, der 814 Kaiser des Gesamtreiches wurde und Benedikt zum Abt von Maursmünster im Elsass ernannte. Der Kaiser zog Benedikt auch als Berater bei den Aachener Reformsynoden (816–818) hinzu. In der Nähe von Aachen gründete Benedikt 815/816 ein weiteres Kloster, das Kloster Inden, die heutige Abtei Kornelimünster. Die Abtei Kornelimünster, die in diesem Jahr ihr 1200-jähriges Jubiläum feiert, war während der Säkularisation aufgehoben und 1906, 104 Jahre nach der Aufhebung des Klosters durch Napoleon, wieder besiedelt worden. Benedikt von Aniane ist gemeinsam mit Papst Kornelius Patron der Abtei.

Benedikt von Aniane starb am 11. Februar 821 in der Abtei Kornelimünster.

Im Kloster Inden (Kornelimünster) verfasste Benedikt am 10. Februar 821, einen Tag vor seinem Tod, einen Abschiedsbrief an den Abt und die Mönche in Aniane:

„Dem im Herrn höchst ehrwürdigen und glückvollen Georg, Abt des Klosters Aniane, und allen unseren Söhnen und Brüdern, die unter der Regel des Vaters Benedikt aufrichtig und wachsam leben, wünscht Benedikt, der letzte aller Äbte und bereits seinem Ende nahe, Heil.

Was mir mehr als alles andere am Herzen liegt und vor allen Dingen meine Aufmerksamkeit beschäftigt, das ist die sehr große Sorge um Euer Leben nach den Vorschriften der Regel. Keineswegs ist mir unbekannt, dass Ihr ehrenhaft ringt, dass Ihr in größter Treue meiner gedenkt und keiner ermahnenden Worte bedürft. Aber dem Ende nahe und in der Ungewissheit, ob ich Euch je wiedersehen werde, drängt die Liebe mein Herz, durch treue Freunde und durch diesen Brief einige Worte an Euch zu richten. Ihr wisst es ja selbst, wie ich mich, so lange es mir möglich war, mit allen meinen Kräften bemüht habe, Euch ein ermutigendes Beispiel des Lebens zu zeigen. Nunmehr aber bitte ich Euch, meine Söhne, und rufe Gott zum Zeugen meines letzten Willens an, dass Ihr einmütig im Band der Liebe einerlei Gesinnung haben möget. Wer von den Meinen immer zu Euch zurückkehren und unter Euch nach der Regel leben will, den nehmt gütig und freundlich als Bruder auf, wie es sich geziemt. Denn an leiblichem Unterhalt wird es Euch, Gott sei Dank, nicht fehlen. Allen insgesamt, am meisten jedoch denen, die durch Freundschaft mit uns verbunden sind, erweist eifrig eure Liebe und spendet den ärmeren Brüdern, soviel Ihr nur immer von Eurem Lebensunterhalt erübrigt. Für dieses und alles andere tragt Sorge wie zu meinen Lebzeiten, mehr aber noch nach meinem Tod. So wie viele seit langem verderbte Klöster dank der Gnade Gottes und unseres Zutuns einige Besserung erlangt zu haben scheinen, so hütet auch Ihr Euch in jeder Weise, vom rechten Weg abzuweichen, was der barmherzige Gott verhindern möge. Mit dem Kloster Inda bleibt in Verbundenheit vereint wie Brüder. Den Helisachar, der von allen auf Erden jederzeit unser treuester Freund war, und dessen Brüder lasset meine Stelle vertreten; zu ihm nehmt immer Eure Zuflucht.

So ermahne ich Euch jetzt, da ich nicht weiß, ob ich Euch im gegenwärtigen Leben noch wiedersehen werde. Denn am 7. Februar wurde ich nach Anordnung der göttlichen Barmherzigkeit von einem sehr heftigen Anfall getroffen; und ich erwarte nichts anderes als den anbrechenden letzten Tag meines Erdenlebens.“

*Eine digitalisierte Fassung der Vita sancti Benedicti Anianensis et Indensis abbatis (lat.-dt.), hrsg. vom Historischen Seminar der Universität Tübingen, ist unter dem angegeben Link abrufbar.