Benedikt von Nursia (um 480 - 21. März 547)

Vater des abendländischen Mönchtums und Patron Europas

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 408 klicks

Benedikt von Nursia „hat durch sein Leben und Werk einen grundlegenden Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Zivilisation und Kultur ausgeübt“, wie Benedikt XVI. während der Audienz am 9. April 2008 feststellte.

Die wichtigste Quelle über das Leben des Heiligen sei, so Benedikt XVI., das zweite Buch der „Dialoge“ des heiligen Gregor des Großen. Gregor der Große habe allerdings keine Biographie im klassischen Sinn verfasst, sondern habe „ein Modell des menschlichen Lebens als Aufstieg zum Höhepunkt der Vollkommenheit“ aufgezeigt. Nicht nur über biographische Angaben, sondern auch über viele Wunder habe Gregor der Große berichtet, um den Menschen darzulegen, „wie Gott mahnend, helfend und auch strafend in die konkreten Lebenssituationen des Menschen eingreift.“ Die „Dialoge“, die Gregor der Große um 593 verfasste, sollten nicht allein eine Lebensdarstellung Benedikt von Nursias darstellen, vielmehr seien sie vor ihrem geschichtlichen Hintergrund zu betrachten. An der Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert sei die Welt durch den Zusammenbruch des Römischen Reiche erschüttert gewesen und habe eine tiefe Krise erlebt. Die Figur des heiligen Benedikt habe wie ein „leuchtender Stern“ in der dunklen Epoche leuchten und einen Ausweg aufzeigen sollen.

Benedikt wurde um 480 in der Gegend von Nursia geboren. Seine Eltern waren wohlhabend und sandten den Sohn nach Rom, um ihn dort ausbilden zu lassen. Doch Benedikt verweilte nicht lange dort. Wie Gregor der Große erzählt, hat Benedikt der Lebensstil seiner Altersgenossen missfallen und die Flucht in die Einsamkeit ergriffen. Benedikt zog in die Sabiner Berge nach Enfide (heute: Affile) und schloss sich einer Gruppe von Asketen an, bis er sich schließlich in Subiaco niederließ.

Dort lebte drei Jahre lang in vollkommener Abgeschiedenheit und Einsamkeit in einer Höhle. „Die Zeit in Subiaco, eine Zeit der Einsamkeit mit Gott, war für Benedikt eine Zeit der Reifung. Hier musste er die drei Grundversuchungen jedes Menschen ertragen und überwinden: die Versuchung der Selbstbehauptung und des Wunsches, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, die Versuchung der Sinnlichkeit und schließlich die Versuchung des Zornes und der Rache“, so Benedikt XVI. . Erst nach der erfolgreichen Überwindung der Versuchungen glaubte Benedikt in der Lage zu sein, seinen Mitmenschen helfen und ein Friedensstifter sein zu können.

529 begab sich Benedikt von Subiaco, wo sich zwölf kleine Mönchsgemeinschaften unter der Leitung des Heiligen gebildet hatten, nach Montecassino. In Subiaco befinden sich heute noch zwei Klöster: das „Monastero di Santa Scholastica“ und das „Monastero di San Bendetto“.

In Montecassino verfasste Benedikt die „Regula Benedicti“, die für alle Benediktinerklöster bestimmend wurde. „Im Gegensatz zu einer heute oft gepriesenen leichten und ichbezogenen Selbstverwirklichung ist die erste und unverzichtbare Pflicht des Schülers des hl. Benedikt die aufrichtige Suche nach Gott (58,7) auf dem vom demütigen und gehorsamen Christus vorgezeichneten Weg (5,13), dessen Liebe er nichts vorziehen darf (4,21; 72,11), und gerade auf diese Weise, im Dienst am anderen, wird er ein Mann des Dienstes und des Friedens. … Durch ihr Maß, ihre Menschlichkeit und ihre nüchterne Unterscheidung zwischen dem Wesentlichen und dem Zweitrangigen im geistlichen Leben konnte sie ihre erhellende Kraft bis heute aufrechterhalten“, so Benedikt XVI. .

Benedikt von Nursia starb am 21. März 547 in Montecassino. Er wurde neben seiner Schwester Scholastika bestattet. Es heißt, dass am 11. Juli 703 die Gebeine des Heiligen nach Fleury bzw. Saint-Benoit-sur-Loire überführt worden seien. Anderen Informationen zufolge sollen die Überreste des Heiligen jedoch nie Montecassino verlassen haben. 1944 wurde das Kloster in Montecassino während eines Bombenangriffs völlig zerstört; beim Wiederaufbau wurde sogar die ursprüngliche Grablege Benedikts wiederentdeckt. Weitere Reliquien des heiligen Benedikt befinden sich in EinsiedelnBenediktbeuern und Metten in Niederbayern.

In Rom gab es schon 589 ein Benediktinerkloster. Schon ein Jahr später, 590, wurde Gregor der Große als erster Benediktiner Papst.

Am 24. Oktober 1964 ernannte Paul VI. den heiligen Benedikt von Nursia zum Patron Europas.

„Heute ist Europa – das gerade aus einem Jahrhundert gekommen ist, das von zwei Weltkriegen tief verletzt worden ist, und nach dem Zusammenbruch der großen Ideologien, die sich als tragische Utopien erwiesen haben – auf der Suche nach seiner Identität. Um eine neue und dauerhafte Einheit zu schaffen, sind die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Instrumente sicher wichtig, aber es ist auch notwendig, eine ethische und geistliche Erneuerung zu erwecken, die aus den christlichen Wurzeln des Kontinents schöpft; andernfalls kann man Europa nicht wieder aufbauen. Ohne diesen Lebenssaft bleibt der Mensch der Gefahr ausgesetzt, der alten Versuchung zu erliegen, sich selbst erlösen zu wollen – eine Utopie, die auf verschiedene Weise im Europa des 20. Jahrhunderts, wie Papst Johannes Paul II. festgestellt hat, ‚einen Rückschritt ohnegleichen in der gequälten Geschichte der Menschheit‘ verursacht hat (‚Insegnamenti‘, XIII/1, 1990, S. 58)“, wie Benedikt XVI. abschließend feststellte.