Benedikt XVI.: Abtreibung und Scheidung sind Wunden, die der Heilung bedürfen

Empfang für die Teilnehmer eines Studienkongresses des Päpstlichen Familieninstituts „Giovanni Paolo II“

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ROM, 7. April 2008 (ZENIT.org).- Das „Evangelium der Barmherzigkeit“ vor den Phänomenen der Abtreibung und der Scheidung: Aufgabe der Kirche ist es, sich liebevoll über jene Menschen zu beugen, die das Drama der Scheidung oder der Abtreibung erfahren mussten; es ist ihre Pflicht, jene Wunden zu heilen, die das Leben oft unauslöschlich zeichnen.



Mit diesen Worte wandte sich Papst Benedikt XVI. am Samstag an die Teilnehmer eines internationalen Studienkongresses des Päpstlichen Familieninstituts „Giovanni Paolo II“ der Lateranuniversität. Die Tagung stand unter dem Thema: „Öl auf die Wunden“. Sie wurde in Zusammenarbeit mit den „Knights of Columbus“ organisiert, den Kolumbusrittern.

Der Heilige Vater nahm die Gelegenheit der Begegnung wahr, um erneut auf die Krise, die die Einrichtung der Familie betrifft, sowie auf die Verteidigung der Würde des Menschen und des Lebens einzugehen.

Angesichts eines kulturellen Kontexts, der oft von Individualismus, Hedonismus sowie oft auch von einer zu geringen sozialen Unterstützung gekennzeichnet sei, erinnerte Benedikt XVI. daran, dass Abtreibung und Scheidung immer schwere Schuld bleiben. Gleichzeitig jedoch dürfe die Kirche nicht vergessen, den Betroffenen immer den Trost des Evangeliums der Barmherzigkeit zukommen zu lassen.

Es sei die Freiheit des Menschen, die angesichts der Schwierigkeiten des Lebens in ihrer Schwäche zu schmerzhaften Entscheidungen geführt wird, die im Gegensatz zur notwendigen Achtung des Lebens oder zur Unauflöslichkeit des Ehebundes stehen. „Die Kirche hat die erstrangige Pflicht“, so der Papst, „ diesen Menschen mit Liebe und Einfühlungsvermögen, mit Fürsorge und mütterlicher Aufmerksamkeit nahe zu sein, um die barmherzige Nähe Gottes in Jesus Christus zu verkünden.“

Christus sei der gute Samariter, der zu unserem Nächsten geworden ist und Öl und Wein auf unsere Wunden gießt. Er führe uns zu jener Herberge, die die Kirche ist, in der er den Menschen pflegt, indem er ihn seinen Dienern anvertraut und persönlich im Vorhinein für unsere Genesung zahlt.

Abtreibung und Scheidung seien Entscheidungen, die oft in schwierigen und dramatischen Umständen gefällt werden und zu Traumata und tiefem Leiden führen. „Diese Wunden betreffen auch unschuldige Opfer: das soeben empfangene und ungeborene Kind; die Kinder, die betroffen sind, wenn familiäre Banden in Brüche gehen.“

Benedikt XVI. verwies eindringlich darauf, dass die Kirche immer mit konkreten Menschen zu tun habe, vor allem mit den Schwachen und Unschuldigen, die Opfer von Ungerechtigkeiten und Sünde werden. Gleiches gelte für die Männer und Frauen, die sich durch derartiges Tun mit Schuld befleckt haben, deren innere Wunden tragen und den Frieden und die Möglichkeit eines Neuanfangs suchen. Die Kirche wisse, dass die menschliche Freiheit mit Hilfe der Gnade zum endgültigen und treuen Geschenk ihrer selbst fähig ist, das die Ehe als unauflöslichen Bund ermöglicht. Und die Kirche wisse auch, dass die menschliche Freiheit immer zu außerordentlichen Gesten des Opfers und der Solidarität fähig ist, um das Leben eines neuen Menschenwesens anzunehmen.

Hinsichtlich der Abtreibung erinnerte Benedikt XVI. an die tröstende Mahnung der Enzyklika Evangelium vitae Johannes Pauls II.: „Lasst euch jedoch nicht von Mutlosigkeit ergreifen und gebt die Hoffnung nicht auf. Sucht vielmehr das Geschehene zu verstehen, und interpretiert es in seiner Wahrheit. Falls ihr es noch nicht getan habt, öffnet euch voll Demut und Vertrauen der Reue: Der Vater allen Erbarmens wartet auf euch, um euch im Sakrament der Versöhnung seine Vergebung und seinen Frieden anzubieten. Euer Kind aber könnt ihr diesem Vater und seiner Barmherzigkeit mit Hoffnung anvertrauen.“

Nur in der Haltung der barmherzigen Liebe sei es möglich, sich den Menschen anzunähern, um ihnen Hilfe zu bringen und es den Opfern zu erlauben, erneut aufzustehen und den Weg des Daseins fortzusetzen.