Benedikt XVI. am Hochfest Peter und Paul: Die Vollständigkeit des christlichen Glaubens ist durch das Bekenntnis des Petrus gegeben

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ROM, 2. Juli 2007 (ZENIT.org).- Am Hochfest der heiligen Petrus und Paulus, dem Patronatsfest Roms, feierte Papst Benedikt XVI. wie jedes Jahr die Eucharistie im Petersdom. Während der Heiligen Messe überreichte er den Metropolitan-Erzbischöfen, die im Lauf dieses Jahres von ihm ernannt worden waren, das Pallium als Symbol für den Guten Hirten und die Verbundenheit mit dem Bischof von Rom.



Unter den Ehrengästen befand sich eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Benedikt XVI. wies deshalb darauf hin, dass jeder Besuch aus Konstantinopel und jeder Gegenbesuch einer entsprechenden Delegation des Heiligen Stuhls zum Andreasfest den Willen des Papstes und des Ökumenischen Patriarchen sichtbar mache, Wege zur vollen Gemeinschaft zu suchen.

Benedikt XVI. konzentrierte sich in seiner Predigt auf das Glaubensbekenntnis des heiligen Petrus, das einen „entscheidenden Moment auf dem Weg der Jünger mit Jesus“ markiere. Aus den Berichten der Evangelisten gehe klar hervor, dass „das Bekenntnis des Petrus untrennbar mit der Hirtenaufgabe verbunden ist, die ihm mit Blick auf die Herde Christi anvertraut worden ist“: der Fels zu sein, auf dem Jesus seine Kirche errichten will.

Auf dem Weg nach Jerusalem binde Jesus die Jünger in seine Entscheidung ein, mit dem Tod am Kreuz und der Auferstehung seine Heilssendung zur Vollendung zu bringen. Die Jünger lernten, sich von der Menschenmenge zu unterscheiden, um die „Familie Jesu“ zu werden: der Anfang der Kirche.

Es gibt nach Worten Benedikts XVI. „zwei Weisen, Jesus zu ‚sehen‘ und zu ‚kennen‘: Eine ist die oberflächlichere Weise der Menge, die andere – die der Jünger – ist durchdringender und echter.“ Viele näherten sich Jesus nur von außen an, ohne dabei in die Eigenart und Einzigartigkeit Jesu vorzudringen, der nicht nur einer der Propheten ist, sondern Gottes Sohn.

Auch heute werde oft die geistliche und moralische Statur Jesu und sein Einfluss auf die Menschheitsgeschichte durch Gelehrte anerkannt: „Dabei vergleichen sie ihn mit Buddha, Konfuzius, Sokrates und anderen Weisen und herausragenden Persönlichkeiten der Geschichte. Sie kommen jedoch nicht dazu, ihn in seiner Einzigartigkeit zu erkennen.“

Jesus werde dann auch als einer „der großen Religionsstifter angesehen, von dem ein jeder etwas nehmen kann, um sich eine eigene Überzeugung zu bilden“. Wesentlich sei jedoch, wofür wir ihn hielten und was die Antwort des Petrus auf diese Frage sei: „Du bist der Messias… Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes…Du bist der Heilige Gottes.“

Benedikt XVI. betonte, dass die Antwort des Petrus sich nicht nur aus einem „nachösterlichen Kontext“ ergebe, dass sie also nicht auf eine Erscheinung Christi zurückzuführen sei, die mit der Erscheinung vor Paulus auf dem Weg nach Damaskus zu vergleichen wäre. „In Wirklichkeit wurzelt der vom Herrn dem Petrus verliehene Auftrag in der persönlichen Beziehung, die der historische Jesus mit dem Fischer Simon seit der ersten Begegnung mit ihm hatte, als er ihm sagte: ‚Du bist Simon… Du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus)‘ (Joh 1,42).“

Petrus und die Apostel seien so zu „Menschenfischern“ geworden, wobei dem Petrus eine besondere Aufgabe zugefallen sei, insofern Christus in ihm eine besondere Gabe des Glaubens durch den Vater erkannt habe. Die Tragweite des geschichtlichen Wegs des Simons mit seinem Meister und Herrn dürfe deshalb nicht herabgemindert werden: Von Anfang an habe Christus ihm den Namen „Fels“ gegeben, „auf dem er seine neue Gemeinschaft gegründet hat: die Kirche“.

Dem Glaubensbekenntnis des Petrus folge nach Worten des Papstes seitens Jesu stets die Ankündigung seines Leidens; das Geheimnis dieses Leidens könne in dem von Petrus bekannten „Sohn des lebendigen Gottes“ erfasst werden. Aber auch das Umgekehrte gelte: „Das Kreuzesgeschehen offenbart seinen vollen Sinn nur, wenn ‚dieser Mensch‘, der auf dem Kreuz gelitten hat und gestorben ist, ‚wahrhaftig Gottes Sohn war‘, um die Worte zu verwenden, die der Hauptmann vor dem Gekreuzigten sprach (vgl. Mk 15,39).“

Die „Vollständigkeit des christlichen Glaubens ist durch das Bekenntnis des Petrus gegeben, das von der Lehre Jesu über seinen ‚Weg‘ hin zur Herrlichkeit erleuchtet wurde, das heißt von der Lehre über die absolut einzigartige Weise, Messias und Sohn Gottes zu sein“. Dieser Weg sei für die Jünger aller Zeiten „Anstoß erregend“ und „skandalös“. Immer wieder neu sei von Christus zu lernen, wie er der Heiland und was der Weg seiner Nachfolge ist. Es sei immer schwierig, das Kreuz anzunehmen: „Der Instinkt treibt dazu an, ihm aus dem Weg zu gehen; der Versucher bringt einen dazu zu denken, dass es weiser wäre, sich um die Rettung seiner selbst zu kümmern als das eigene Leben aus Treue zur Liebe zu verlieren.“

Das schwer Akzeptierbare für „die Leute“ sei der Anspruch Christi, nicht nur einer der Propheten zu sein, sondern der Sohn Gottes, der mit derselben Autorität wie Gott spricht. Diese Wahrheit müsse der Mensch langsam lernen; er sollte die alten Titel des Messias neu entdecken: „Jesus selbst hat mit seinem Leben deren vollen, immer überraschenden, für die herkömmlichen Auffassungen sogar paradoxen Sinn offenbart.“ Schritt für Schritt müsse sich der Glaube der Wahrheit Jesu angleichen.

Benedikt XVI. bestimmte den Glauben als eine Pilgerschaft, „die den Moment ihres Ursprungs in der Erfahrung des historischen Jesus hat, sein Fundament im österlichen Geheimnis findet, dann aber dank des Wirkens des Heiligen Geistes weiter fortschreiten muss“.

Das Glaubensbekenntnis des Petrus, so der Papst zum Abschluss seiner Predigt, einige die Christen trotz aller Spaltungen, zu denen es im Lauf der Geschichte gekommen ist.