Benedikt XVI. an die Bischöfe von Kamerun: „Verteidigt die Rechte der Armen!“

Erstes offizielles Zusammentreffen mit der Ortskirche

| 1489 klicks

YAOUNDÉ, 18. März 2009 (ZENIT.org).- Bei seiner ersten offiziellen Begegnung mit der Kirche in Kamerun hat Papst Benedikt XVI die Bischöfe des Landes dazu aufgerufen, die Rechte der Armen zu verteidigen.

In der Kirche „Christ-Roi" („Christkönig") in Tsinga, Yaoundé, bat der Papst die afrikanischen Hirten, über die geistlichen Berufungen zu wachen und sich darum zu kümmern, dass Priester und Ordensleute ihren Verpflichtungen treu blieben. Benedikt XVI. schenkte auch dem Thema der Familie seine Aufmerksamkeit, die geschützt werden müsse, um schließlich die Bedeutung der Liturgie zu bekräftigen, deren Würde beachtet werden solle.

In seiner Ansprache rief der Papst den Hirten das „besonderer Interesse" der Kirche für die am meisten bedürftigen Menschen im Kontext der heutigen Globalisierung in Erinnerung. Die bischöfliche Sendung bringe die Verpflichtung mit sich, „der erste Verteidiger der Rechte der Armen zu sein, die Ausübung der Nächstenliebe zu fördern und die Liebe des Herrn zu den Kleinsten zu zeigen". Auf diese Weise würden die Gläubigen dazu gebracht, auf konkrete Weise zu erfassen, dass die Kirche eine wahre Familie Gottes sei, „geeint in der brüderlichen Liebe, die jeden Ethnozentrismus und übertriebenen Partikularismus ausschließt und zu Versöhnung und Zusammenarbeit der Ethnien zum Wohl aller beiträgt".

Andererseits wolle die Kirche durch ihre Soziallehre all jenen Menschen Hoffnung geben, die von der Gesellschaft ausgeschlossen seien. Es sei Pflicht der Christen - insbesondere der Laien, die soziale, wirtschaftliche und politische Verantwortung tragen -, sich von der Soziallehre der Kirche leiten zu lassen, um zum Aufbau einer gerechteren Welt beizutragen, in der jeder würdevoll leben könne.



Besondere Aufmerksamkeit widmete der Heilige Vater dem Thema der Treue der Priester und Ordensleuten gegenüber den bei ihrer Weihe übernommenen Verpflichtungen. Damit ihr Zeugnis authentisch sei, dürfe es „zwischen dem, was sie lehren, und dem, was sie tagtäglich leben", keinen Unterschied geben.

Der Papst forderte die Bischöfe zu einer ernsthaften Prüfung der Priesteramtskandidaten auf. Dabei müsse die Priorität auf die Auswahl und Bildung der Ausbilder und geistlichen Begleiter gelegt werden, so dass den Seminaristen eine „fundierte menschliche, geistliche und pastorale Ausbildung zuteil werden kann, die aus ihnen reife, ausgeglichene und für das priesterliche Leben gut vorbereitete Männer macht".

Es bedürfe außerdem einer „wirksamen Zusammenarbeit" der Diözesen, um zu einer besseren Aufteilung der Priester sowie zu einer „brüderlichen Solidarität mit ärmeren Diözesankirchen" zu gelangen. Benedikt XVI. rief den Bischöfen die Bedeutung ihrer Bande mit den Priestern in Erinnerung und betonte: Wenn die Priester in ihrem Bischof einen Vater und Bruder sehen könnten, der sie liebe, sie anhöre und in Zeiten der Prüfungen stärke und sich darüber hinaus noch um ihr menschliches und materielles Wohlergehen kümmere, würden sie dazu ermutigt werden, sich auf würdige und wirksame Weise ganz ihrem Amt zu widmen.

Die Grundwerte der afrikanischen Familie müssten entschlossen geschützt werden, betonte Benedikt XVI. anschließend. Die Evangelisierung der Familie habe in der Pastoral Vorrang, und Familienpastoral diene immer dazu, ein besseres Verständnis der menschlichen Natur, der Würde und der Rolle der Ehe zu fördern, die eine unauflösliche und treue Liebe erfordere.

Zur afrikanischen Liturgie merkte Benedikt XVI. an, es sei wichtig, dass die zum Ausdruck gebrachte Freude kein Hindernis dafür sein dürfe, mit Gott in ein Gespräch und in Gemeinschaft einzutreten. Dies sollte durch eine wirksame Verinnerlichung des Ablaufs und der Worte geschehen, aus denen sich die Liturgie zusammensetze, so dass diese das, was in den Herzen der Gläubigen geschehe, „in eine wirkliche Einheit aller Teilnehmer umsetzt. Die Würde der Feiern, vor allem wenn sie unter der Teilnahme von zahlreichen Menschen stattfinden, ist ein beredtes Zeichen dafür."

Die Entwicklung von Sekten und esoterischen Bewegungen in Afrika sowie das Anwachsen einer abergläubigen Religiosität und der sich breit machende Relativismus stellen für Benedikt XVI. „eine dringliche Einladung dar, der Ausbildung der jungen Menschen und der Erwachsenen einen neuen Impuls zu geben". Dies gelte insbesondere für die Welt der Universität und der Kultur. Der Heilige Vater lobte diesbezüglich die Bemühungen, die vom katholischen Institut von Yaoundé und den vielen kirchlichen Laien- und Frauenverbänden unternommen werden.

In Kamerun gibt es 24 Diözesen, darunter vier Erzdiözesen. Erzbischof von Yaoundé ist Simon-Victor Tonyé Bakot. Etwas mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Kameruns sind Christen, die Hälfte davon Katholiken. Über 20 Prozent sind Muslime, rund 30 Prozent gehören verschiedenen traditionellen afrikanischen Religionen an.