Benedikt XVI. an die Priester: Seid heilig, werdet Jünger der Wahrheit und Liebhaber des Wortes

Chrisammesse im Petersdom

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ROM, 9. April 2009 (ZENIT.org).- „Christus bittet für die Jünger um eine Heiligung, die nicht in ritueller Form erstarrt, sondern zur Übereignung des ganzen Seins wird.“ In einer sehr persönlichen Weise richtete sich Papst Benedikt XVI. heute Vormittag während der Feier der Chrisammesse im Petersdom in seiner Predigt an die anwesenden Priester.

Der Priester sei in Jesus Christus zur Heiligung in der Wahrheit Gottes berufen, erklärte der Bischof von Rom. Sich zu heiligen im Wort, so der Heilige Vater, heiße eintauchen in das Wort: Die Priester sollten „Diener aller in der Wahrheit und der Liebe“ sein.

In seinem Eingangsgruß in der Petersbasilika rief Benedikt XVI. die Gottesdienstteilnehmer dazu auf, Gott für das Geschenk des Priestertums zu danken. Es sei dies ein Tag, um für „die Geschenke, die der himmlische Vater uns macht, zu danken“. Vor allem diene er dazu, „das allgemeine Priestertum und das Amtspriestertum“ neu schätzen zu lernen.

Mit der Chrisammesse des Bistums Rom nahmen die Riten und liturgischen Feiern der Heiligen Drei Tage im Vatikan ihren Anfang. Von allen in Rom ansässigen Geistlichen waren heute Morgen rund 1.600 Priester im Petersdom zusammengekommen. Während des Wortgottesdienstes wurden alle Lesungen auf Latein vorgetragen.

Benedikt XVI. rief die Priester dazu auf, über die Berufung zur Heiligkeit im Priestertum nachzudenken. Der Ruf zur Heiligkeit richte sich an die Jüngerschar aller Zeiten, hob der Papst hervor.

„Am Abend vor seinem Leiden hat der Herr für seine mit ihm im Abendmahl versammelten Jünger gebetet. Im Gebet für die Jünger aller Zeiten hat er auch für uns gebetet: ‚Heilige sie in der Wahrheit, dein Wort ist Wahrheit’, und ‚Ich heilige mich für sie, damit auch sie in Wahrheit geheiligt sind’.“ Jesus sende uns zur Fortführung seiner eigenen Sendung, so Papst Benedikt XVI. „ Jesus sagt: ‚Ich heilige mich für sie’. Ist Jesus nicht in sich der Heilige Gottes? Wie kann er sich nun selbst heiligen?“, fragte Papst Benedikt XVI. die anwesenden Priester.

„Um dies zu begreifen, müssen wir verstehen, was die Worte 'heiligen' und 'geheiligt' in der Bibel meinen. Er allein ist der ursprünglich Heilige“, fuhr der Heilige Vater fort. „Alle andere Heiligkeit leitet sich von ihm ab. Er ist das reine Licht und das Gute ohne Makel. Etwas oder jemanden zu heiligen heißt, etwas Gott zueignen und es in seine Atmosphäre übertragen, so dass es nicht mehr zum Unsrigen gehört, sondern ganz Gottes ist. Es ist Übergabe an Gott. Die Sache oder die Person gehört nicht mehr sich selbst, sondern ist in Gott eingetaucht. Weggabe nennen wir aber auch Opfer. Weggabe einer Person, Heiligung einer Person ist im Alten Testament gleichgesetzt mit Priesterweihe. Übereignung aus der Welt heraus und Zueignung zu Gott.“ Jemand sei herausgetreten aus den Zusammenhängen des weltlichen Lebens und lebe in Aussonderung für Gott. „Übergabe an Gott bedeutet Stellvertretung für die anderen.“ Der Priester werde somit aus den weltlichen Zusammenhängen weggegeben für Gott.

„Und Rudolf Bultmann hat deshalb Recht, wenn er das Wort ‚Ich heilige mich’, übersetzt mit ‚Ich opfere mich’!“, erklärte Papst Benedikt XVI. „Dies abgründige Wort, das uns zutiefst in das Herz Jesu Christi blicken lässt, ist das Zentrum unserer Überlegungen.“ Nur so könne man die Bitte verstehen, die Jesus für die Menschheit an seinen Vater gerichtet habe: „Heilige sie in der Wahrheit! Das ist das eigentliche Weihegebet der Apostel. Der Herr bittet darum, dass der Vater sie aus dem Eigenen wegnimmt und sich ihm zueignet. Diese Bitte Jesu erscheint zweimal in abgewandelter Form. Heilige sie in der Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit.“ Die Priester würden „in Gott hineingezogen, indem sie in das Wort Gottes hineingezogen werden. Das Wort ist die schöpferische Macht.“

Benedikt XVI. fragte die Priester: „Kennen wir dieses Wort wirklich? Lieben wir es? Gehen wir wirklich so damit um, dass es unser Denken formt? Sind nicht oft die herrschenden Meinungen das, was uns prägt?“

Der Heilige Vater kam in seiner Predigt auch auf die grundlegende Dimension des Gehorsams zu sprechen: Friedrich Nietzsche habe für den aufgeklärten Menschen Demut und Gehorsam als Knechtstum bezeichnet. „Er setzte deshalb den Stolz und den Hochmut an seine Stelle.“ Aber die daraus erwachsende „Selbstherrlichkeit zerstört jede Gemeinschaft“, mahnte Benedikt XVI.

„Lernen wir von Jesus jenen Gehorsam, der sich dem Willen Gottes beugt“, riet er. „Er leuchte in unserem Leben als Priester. Er erleuchte unser Leben und mache uns zu Jüngern.“

In diesem Sinn meine der Satz „Heilige sie in der Wahrheit!“ auch: „Einige sie mit mir! Binde sie an mich! Ziehe sie hinein in mich!“

Im Letzten gebe es nur einen einzigen Priester - Jesus Christus selbst. „Unser Priestertum ist nichts anderes als eine neue Einigung mit Christus.“ Wenn man sich nicht darauf ausrichte, Jesus Christus ähnlich zu werden, könne einem dieses „neue Siegel des Seins“ zum Gericht werden.

„Das Einswerden mit Christus setzt Verzicht voraus“, hob Benedikt XVI. in seiner Predigt hervor. „Wir überlassen uns ihm, wo und wie er uns brauchen will.“ Insofern könne man mit Paulus sagen: „Ich lebe, aber nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Das Ja zu Christus „musss in vielen kleine Jas und Verzichten eingelöst werden“, betonte Papst Benedikt XVI. „Dann leben wir inmitten von Verzichten die wachsenden Zeichen der Freundschaften mit ihm.“ Wer sich verliere, der finde sich. Wern sich für den Herrn verlieren, erlebe die Großartigkeit eines Lebens in ihm.

„Beten ist Weggemeinschaft mit Jesus Christus“, fuhr Papst Benedikt XVI. fort. Er warnte in diesem Zusammenhang vor der Versuchung von Selbstbespiegelung durch allzu subjektiver Spiritualität und schlug deshalb vor, jedes persönliche Gebet einzubetten in das Gebet der Kirche. Im Zentrum des Gebets der Kirche stehe die Feier der Eucharistie. „Vergessen wir nicht, dass in Jesus Christus Wahrheit und Liebe eins sind“, erklärt Benedikt XVI. „Wahre Liebe ist nicht billig. Sie kann auch herb sein.“

Am Ende seiner Ausführungen gab Benedikt XVI. eine ganz persönliche Erfahrung vom Vorabend seiner Priesterweihe preis: Er habe die Bibel aufgeschlagen, um ein Wort zu finden, das ihn anspreche. Und Gott habe ihn ganz persönlich mit dem folgenden Satz angesprochen: „Heilige sie in der Wahrheit. Mein Wort ist Wahrheit“.

Nach der Predigt des Heiligen Vaters wurden die heiligen Öle gesegnet. An der Feier im Petersdom wirkten auch 32 Diakone mit, die iihren Dienst am Altar versahen und insbesondere die heiligen Öle zum Altar trugen, damit Papst Benedikt XVI. sie als Oberhirte der Diözese Rom weihen konnte: das Chrisam für die Salbung nach der Taufe, für die Firmung, die Priester- und Bischofsweihe sowie für die Weihe von Kirchen und Altären; das Katechumenenöl für die Salbung vor der Taufe und schließlich das Krankenöl für das Sakrament der Krankensalbung.