Benedikt XVI. appelliert an libanesische Politiker, dem Gemeinwohl zu dienen

Von den Präsidentschaftswahlen hängt das „Überleben des Libanons und seiner Institutionen“ ab

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ROM, 12. November 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. ist in großer Sorge über den Libanon, wo sich die Anzeichen für einen neuen Bürgerkrieg häufen. Beim sonntäglichen Angelus-Gebet bekräftigte der Heilige Vater vor Tausenden von Pilgern, die sich auf dem Petersplatz im Vatikan versammelt hatten, dass die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen für das „Überleben des Libanons und seiner Institutionen“ entscheidend seien.



Weil sich die Parteien nicht über einen entsprechenden Kandidaten einigten konnten, wurden die für heute, Montag, angesetzten Wahlen zum insgesamt dritten Mal verschoben. Sie sollen nun am 21. November stattfinden, zwei Tage vor dem Amtsende des jetzigen Präsidenten Emile Lahoud. Nach Worten des Papstes handelt es sich um einen „entscheidenden Übergang“.

Am vergangenen Samstag hieß es von Seiten des Parlamentspräsident Nabih Berri, er wolle mit der zehntätigen Terminverschiebung den rivalisierenden Fraktionen mehr Zeit für die Einigung auf einen Kandidaten geben.

Der erste Wahltermin hatte Ende September aufgrund des Boykotts der pro-syrischen Opposition abgeblasen werden müssen. Sie stößt sich an den verfassungsrechtlichen Grundlagen, wo mit Blick auf einen Machtausgleich wegen der Bevölkerungsverteilung des Landes festgelegt ist, dass der Staatspräsident ein maronitischer Christ sein muss. Die Bischöfe des Landes bemühen sich darum, zwischen den zerstrittenen Parteien zu vermitteln.

Benedikt XVI. betonte, dass er die Sorgen teile, die der maronitische Patriarch, Seine Seligkeit Kardinal Nasrallah Sfeir, vor kurzem zum Ausdruck gebracht habe: dass nämlich die jetzige Lage schlimmer sei als 1975, unmittelbar vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs, der das Land 15 Jahre lang beherrscht hatte. „Ich teile auch seine Bemühungen, damit sich im neuen Präsidenten wirklich alle Libanesen wiedererkennen mögen“, fügte der Papst hinzu.

An die Politiker appellierte er, dass Gemeinwohl in den Blick zu nehmen und Eigeninteressen hintanzustellen. „Bitten wir alle Unsere Liebe Frau vom Libanon, dass sie alle Parteien, die involviert sind, zur notwendigen Loslösung von den eigenen Interessen und zur wirklichen Passion für das Gemeinwohl inspiriere.“