Benedikt XVI. appelliert an Politiker, auf die Stimme des Volkes zu hören und ihr zu folgen

Die Politik, ein Dienst am Menschen

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ROM, 15. Dezember 2006 (ZENIT.org).- Konflikte und Kriege könnten vermieden werden, wenn die politisch Verantwortlichen auf die Zivilgesellschaft hörten und sich ihrer Bedürfnisse annähmen, betonte Papst Benedikt am Donnerstag im Vatikan. Dies sei allerdings nur dann möglich, wenn der politische Auftrag als ein „Dienst an den Menschen“ verstanden werde und nicht als Mittel, um Privilegien und die Machtposition einiger weniger auszubauen.



Beim Empfang der neuen Botschafter aus Dänemark, Kirgisistan, Mozambique, Uganda, Syrien und Lesotho appellierte der Heilige Vater an die Regierungen aller Nationen, sich ernsthaft für den Frieden in der Welt einzusetzen. Er gedachte der zahlreichen Konflikt- und Brandherde, die das Überleben ganzer Völker bedrohten und gerade die Ärmsten mit der schweren „Bürde des Leids“ und dem „Mangel an lebensnotwendigen Gütern“ konfrontierten.

„Damit diese Phänomene in Angriff genommen werden können, müssen die Regierungsmitglieder und alle, die in der Zivilgesellschaft Verantwortung tragen, jedes Mal mehr auf die Stimme ihrer Bevölkerung hören und nach den effizientesten Lösungen suchen, um auf die Situationen von Hilflosigkeit und Armut zu reagieren und eine möglichst gerechte Verteilung des Gewinns vorzunehmen, das sowohl im Schoß der jeweiligen Nation als auch im Rahmen der internationalen Gemeinschaft“, betonte der Bischof von Rom.

Diejenigen, die für die Geschicke einer Gesellschaft verantwortlich sind, hätten die Aufgabe, im jeweiligen Land oder der jeweiligen Region dafür zu sorgen, dass „im politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Bereich keine Situationen großer Unzufriedenheit“ entstünden oder geschaffen würden. Durch sie könne nämlich der Eindruck entstehen, dass es Menschen gebe, die von der Gesellschaft und jenen Stellen, an denen die Entscheidungen getroffen werden, ausgegrenzt seien und nicht das Recht besäßen, die Früchte des wirtschaftlichen Erfolgs zu genießen. Solche Ungerechtigkeiten riefen Gewalt und Unruhen hervor, warnte Benedikt XVI.

„Die Suche nach Frieden, Gerechtigkeit und Eintracht unter allen“ bezeichnete der Papst deshalb als „eine der vorrangigen Aufgaben“ der Staatslenker und Verantwortungsträger. Alles, was sich der Gleichheit des Menschen und der Solidarität widersetze – „insbesondere die Korruption und der Mangel am Teilen der Ressourcen“ –, müsse bekämpft werden.

Um tatsächlich ausschließlich für das Wohl der Menschen zu arbeiten, sei großer Mut erforderlich. Nur so könne man diesem Ziel auch inmitten von Schwierigkeiten treu bleiben. „Allerdings ist die Courage im öffentlichen Leben eine unerlässliche Tugend“, fügte der Heilige Vater hinzu. Sie helfe dem Politiker, sich nicht von Ideologien leiten zu lassen, die nur Teilinteressen ins Auge fassten, und sie verleihe ihm die Kraft, dem Druck bestimmter Gruppen oder dem Streben nach Macht nicht nachzugeben. Das „Wohl der Menschen und der Völker“ sei für jede Entscheidung im öffentlichen Leben das erste Kriterium.