Benedikt XVI. begegnet Nuntien: Die Herausforderungen der Kirche in Lateinamerika

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ROM, 19. Februar 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. verlieh am Samstagvormittag seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Religionsfreiheit in ganz Lateinamerika geachtet werde. Zudem forderte der Papst anlässlich einer Audienz für mehrere Apostolische Nuntien, die in Südamerika stationiert sind, dass die Rechte der katholischen Kirche in allen lateinamerikanischen Ländern gesetzlich verankert werden sollten.



Die Begegnung der päpstlichen Vertreter mit dem Bischof von Rom fand im Vorfeld der für Anfang Mai geplanten ersten interkontinentalen Apostolischen Reise des Papstes nach Brasilien statt, wo Benedikt XVI. die V. Generalversammlung des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats feierlich eröffnen wird. Der Heilige Vater sprach deshalb auch die Themen an, mit denen er sich bei seinem Aufenthalt im größten südamerikanischen Land auseinandersetzen wird: den Kampf gegen die Armut; die Vermittlerrolle der Kirche bei nationalen Konflikten; die Herausforderung der Sekten sowie die Problematik der zunehmenden Säkularisierung.

Papst Benedikt erklärte in seiner Ansprache zudem, worin die grundlegende Aufgabe des Apostolischen Nuntius besteht: darin, die Bande der Gemeinschaft zwischen den Ortskirchen und dem Nachfolger Petri zu festigen. Die Apostolischen Nuntien verkörperten den Papst, „der durch sie allen nahe steht, denen er nicht persönlich begegnen kann – besonders denjenigen, die schwierige und leidvolle Situationen durchmachen“.

Die Generalversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, die vom 13. bis zum 31. Mai 2007 in Aparecida (Brasilien) stattfinden wird, zielt nach Worten des Papstes darauf ab, die großen Prioritäten der Kirche festzulegen und ihrer Sendung in der gegenwärtigen Situation Lateinamerikas neuen Schwung zu verleihen. Dabei könne von der „strukturellen kulturellen Prägung“ durch die katholische Tradition ausgegangen werden, die die Identität des Kontinents bis heute nachhaltig bestimme.

Benedikt XVI. ging anschließend auf die Herausforderungen der Kirche in Amerika ein, mit denen sich die Apostolischen Nuntien im Rahmen einer Tagung im Vatikan näher befasst hatten und die immer mehr von den Auswirkungen der Globalisierung betroffen seien. Gerade angesichts dieser Tatsache stimme die Kirche mit dem berechtigten Wunsch der Völker nach größerer Harmonie und Kooperation überein.

Der Papst äußerte den Wunsch, dass in jenen Ländern, wo die Religionsfreiheit verfassungsmäßig nur „zugestanden“ wird, diese auch „anerkannt“ werde und auf dieser Grundlage gegenseitige Beziehungen aufgenommen würden, bei denen die Prinzipien der Autonomie und der gesunden Zusammenarbeit berücksichtigt würden.

Benedikt XVI. ging auch auf die Vorwürfe ein, die der Kirche im Zusammenhang mit der Christianisierung des amerikanischen Kontinents immer wieder gemacht werden. Manche Stimmen behaupteten nämlich, dass es zwischen dem Reichtum beziehungsweise der „Tiefe“ der vorkolumbianischen Kulturen und dem christlichen Glauben einen Gegensatz gäbe, den sie als Zwang von außen und Entfremdung der lateinamerikanischen ansähen. „In Wirklichkeit war die Begegnung zwischen diesen Kulturen und dem Glauben an Christus eine Antwort, die diese Kulturen in ihrem innersten Wesen erwartet hatten“, erklärte Benedikt XVI. „Diese Begegnung ist daher nicht zu verleugnen, sondern zu vertiefen. Sie hat die wahre Identität der lateinamerikanischen Völker geschaffen.“

Der Papst forderte sodann, der Familie mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Angesichts des starken „Drucks von Interessensgruppen, der die Kraft hat, die gesetzgeberischen Prozesse negativ zu beeinflussen“, weise die Familie „Zeichen des Brüchigkeit“ auf. „Scheidungen und freie Partnerschaften nehmen zu, während der Ehebruch mit einer Toleranz betrachtet wird, die nicht zu rechtfertigen ist“, beklagte der Papst. Angesichts dieser Entwicklungen sei es notwendig zu bekräftigen, dass „Ehe und Familie ihren Grund im innersten Kern der Wahrheit über den Menschen und sein Schicksal haben“. Und Benedikt XVI. fügte hinzu: „Nur auf dem Felsen der ehelichen, treuen und dauerhaften Liebe zwischen einem Mann und einer Frau kann eine Gemeinschaft errichtet werden, die dem Sein des Menschen würdig ist.“