Benedikt XVI. besucht junge Menschen mit Behinderungen

Das Leiden macht uns menschlicher, so der Papst im Zentrum „Regina Pacis“

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AMMAN, 8. Mai 2009 (ZENIT.org).- Nach seiner Ankunft am Flughafen „Quenn Alia“ besuchte Papst Benedikt XVI. heute, Freitag, zum Auftakt seiner Pilgerreise ins Heilige Land im Zentrum „Regina Pacis“ in Amman junge Menschen mit Behinderung. Der Heilige Vater wurde von Bischof Salim Sayegh, dem Patriarchalvikar für Jordanien des lateinischen Patriarchats von Jerusalem und Gründer des Zentrums, empfangen.

In seiner Ansprache hob Benedikt XVI. hervor, dass das Zentrum für seine Bemühungen um die Förderung des rechten Platzes in der Gesellschaft derer bekannt sei, die besondere Bedürfnisse hätten. Dabei brachte der Papst seine Wertschätzung für die Komboni-Schwestern und alle Mitarbeiter des Behindertenheims zum Ausdruck, das der Jungfrau Maria, Königin des Friedens, geweiht ist.

Wie Abertausenden von Pilgern vor ihm sei es nun auch ihm gegeben, jenen tiefen Wunsch zu stillen, die Orte zu sehen und zu „berühren“, an denen Jesus gelebt hatte. „Seit der apostolischen Zeit ist Jerusalem der Hauptpilgerort für die Christen gewesen“, so der Papst. Und schon vor dieser Zeit hätten die semitischen Völker im alten Orient heilige Orte geschaffen, um einer göttlichen Gegenwart oder Tat zu gedenken. „Liebe Freunde, ein jeder von uns ist ein Pilger!“ Alle seien auf dem Weg Gottes unterwegs.

Die Wege vieler Menschen, die zum Zentrum „Regina Pacis“ gelangten, seien von Leiden und Prüfungen gezeichnet gewesen. Besonders würdigte der Papst diesbezüglich den großen Erfolg des Heims bei der Förderung des „rechten Platzes des Invaliden in der Gesellschaft“ sowie bei der Bereitstellung von Mitteln, die eine derartige Integration erleichtern.

Der Glaube und die Vernunft würden helfen, so Benedikt XVI., trotz aller Prüfungen und Hindernisse einen Horizont zu erkennen, der weiter über uns selbst hinausgehe, um das Leben sichtbar zu machen, wie Gott es sich wünsche. „Die bedingungslose Liebe Gottes, die jedem einzelnen Menschen das Leben schenkt, zielt auf einen Sinn und einen Zweck für jedes menschliche Leben ab.“

„Meine lieben Freunde, ich komme nicht – wie die Pilger von einst – mit Geschenken und Angeboten. Ich komme ganz einfach mit einer Absicht, einer Hoffnung: um für das wertvolle Geschenk der Einheit und des Friedens zu beten, vor allem für den Nahen Osten; Frieden für jeden Einzelnen, für Eltern und Kinder, für Gemeinschaften; Frieden für Jerusalem, für das Heilige Land, für die Region, Frieden für die ganze Menschheitsfamilie. Ein dauernder Friede, der aus Gerechtigkeit, Integrität und Mitgefühl hervorgeht; ein Frieden, der aus Demut, Vergebung und dem tiefen Bedürfnis heraus geboren wird, harmonisch zusammenzuleben.“

Anschließend richtete sich der Papst direkt an die jungen Menschen: „Meine lieben jungen Freunde, euch ganz besonders möchte ich sagen, dass ich in eurer Mitte die Stärke Gottes fühle. Die harten Prüfungen, die ihr erduldet habt, die Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, und eure Entschlossenheit, die Hürden zu überwinden, denen ihr begegnet, bestärken mich in meinem Glauben, dass Leiden Ausgangspunkt für einen Wandel zum Guten sein können.

In unseren eigenen Prüfungen und indem wir anderen in ihren Prüfungen beistehen, erfahren wir das Wesen unserer Menschlichkeit, wir werden dadurch sozusagen menschlicher. Und dabei lernen wir auch, auf einer anderen Ebene, dass auch Herzen, die von Zynismus, Ungerechtigkeit oder Unversöhnlichkeit verhärtet sind, nie jenseits der Reichweite Gottes liegen, sondern dass sie immer wieder für eine neue Lebensweise und Friedensvision geöffnet werden können.“

Abschließend bat Benedikt XVI. die Jugendlichen, für das gute Gelingen seiner Pilgerreise zu beten: „für meine geistliche Erneuerung im Herrn und für die Umkehr der Herzen, um zur Art der Vergebung und Solidarität zu gelangen, die Gott zu Eigen ist, damit meine Hoffnung – unsere Hoffnung – für Einheit und Frieden in der Welt reiche Früchte trage“.

Nach seinem Besuch im Zentrum „Regina Pacis“ begab sich Benedikt XVI. in die Nuntiatur von Amman, um dann dem König und der Königin von Jordanien im „Al-Husseinye“-Palast einen Höflichkeitsbesuch abzustatten.