Benedikt XVI. besucht Obdachlose am römischen Hauptbahnhof Termini

Der Valentinstag liebevoller Solidarität

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ROM, 15. Februar 2010 (ZENIT.org).-Obdachlose, Alkoholiker, alte und verlassene Menschen, Immigranten und Arme finden mitten in Rom, am berühmten Bahnhof "Stazione Termini", ein Obdach und einen Raum, wo sie mit ihren Habseligkeiten bleiben können. Gestern, als ganz Italien mit dekorativen rosa Herzen den Valentinstag feierte, besuchte sie der Papst. Als Bischof von Rom hatte er sich in den frühen Morgestunden aufgemacht, um den ehrenamtlichen Mitarbeiter der Caritas zu danken und die Ärmsten seiner Stadt zu treffen.

Bei seiner Ankunft im Heim der diözesanen Caritas am Hauptbahnhof von Rom wurde der Papst von Vertretern der italienischen Regierung, vom Bürgermeister der Stadt Gianni Alemanno sowie vom Kardinalvikar des Bistums Rom Agostino Vallini empfangen.

Das Caritasheim leistet jährlich ca. 1200 Übernachtungen. Tausende von Menschen empfangen jeden Tag Essen und einen Ort, an dem sie sich aufhalten können. Durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise verstärkte sich der Zulauf. Immer öfter kommen unter anderen auch einfache Rentner, denen es aufgrund ihrer Mindestrenten nicht möglich ist, ohne eine weitere Unterstützung zu überleben.

Nach seinem Gang durch die Anlage hielt der Papst in der Mensa eine kurze Ansprache. Besonders dankte Benedikt XVI. dabei für die Worte, die eine Frau als Vertreterin der Gäste des Heims an ihn gerichtet hatte. Gleichen Dank sprach der Papst für das Geschenk eines Kreuzes aus, das unter den Trümmern der am 6. April 2009 vom Erdbeben zerstörten Stadt Onna (Abruzzen) aufgefunden wurde und nun zu einem „leuchtenden Zeichen der Hoffnung“ geworden sei.

Benedikt XVI. versicherte die Gäste der römischen Caritas der Nähe und des Beistandes der Kirche, die „im Antlitz eines jeden Menschen das Antlitz Christ erkennt“. Das Zeugnis der Nächstenliebe gehöre zusammen mit der Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums zur Sendung der Kirche. Der Papst betonte, dass der Mensch nicht allein der Nahrung des Leibes bedürfe. Er müsse auch wissen, wer er sei, und die Wahrheit über sich selbst und seine Würde erkennen. Ohne Wahrheit gleite die Liebe in Sentimentalität ab. Sie werde eine leere Hülse, die man nach Belieben füllen könne (vgl. Caritas in veritate 3)

Viele Menschen könnten im Heim der Caritas direkt erfahren, dass ihr Leben von der Liebe behütet sei, die den Sinn gewährleiste. „Diese tiefe Gewissheit erzeugt im Herzen des Menschen eine starke, feste und helle Hoffnung, eine Hoffnung, die den Mut schenkt, auf dem Weg des Lebens trotz der es begleitenden Niederlagen, Schwierigkeiten und Prüfungen voranzuschreiten.“

Benedikt XVI. rief das Europäische Jahr des Kampfes gegen die Armut und die gesellschaftliche Ausgrenzung in Erinnerung. Als Bischof von Rom, der den „Vorsitz der Liebe“ führe, ermahnte der Papst nicht nur die Katholiken, sondern alle Menschen guten Willens, sich für den Aufbau einer menschenwürdigen Zukunft einzusetzen und die Liebe als vorantreibende Kraft einer echten Entwicklung zu entdecken.

Um ein friedliches Zusammenleben zu fördern, sei es wichtig, dass die Dimensionen des Geschenkes und der Unentgeltlichkeit als „konstitutive Elemente des alltäglichen Zusammenlebens und der Beziehungen unter den Menschen neu entdeckt würden. „All dies wird von Tag zu Tag in einer Welt dringlicher, in der hingegen die Logik des Profits und die Suche nach dem eigenen Vorteil vorzuherrschen scheint.“

Das Heim der Caritas bilde für die Kirche von Rom eine wertvolle Gelegenheit, um zu den Werten des Evangeliums zu erziehen. So arbeite das Heim gut mit den zivilen Instanzen zur Förderung des Gemeinwohls zusammen. Die Kirche sei in ihrer Sendung allein von dem Wunsch geleitet, ihren Glauben an jenen Gott zum Ausdruck zu bringen, der der Verteidiger der Armen sei und jeden Menschen aufgrund dessen liebe, was er ist, und nicht aufgrund dessen, was er besitzt oder zustande bringt.

(AR)