Benedikt XVI.: Betet um eine tiefe Freundschaft zu Jesus, um seine Liebe zu bezeugen

Allgemeines Gebetsanliegen des Papstes für Juni – ein großes Thema des Pontifikats

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ROM, 3. Juni 2008 (ZENIT.org).- Für jeden Monat legt der Papst den Katholiken ein besonderes Gebetsanliegen ans Herz. „In der Meinung des Heiligen Vaters beten“ gehört somit nicht nur zu den üblichen Bedingungen zur Erlangung eines vollständigen Ablasses. Der Papst bittet darum, sich ihm im Gebet für ein ganz bestimmtes Anliegen anzuschließen; sein Gebet zu stärken, damit die Weltkirche ganz konkret am Dienst des Nachfolgers Petri teilnehmen kann.



Im Herz-Jesu-Monat Juni lädt Papst Benedikt XVI. die Katholiken dazu ein, darum zu beten, „dass alle Christen eine tiefe persönliche Freundschaft zu Christus pflegen und so seine Liebe zu allen Menschen bezeugen“.

Seit den ersten Tagen seines Pontifikats ist es Benedikt XVI. ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass eine Neugründung des eigenen Christseins und des Selbstverständnisses der Kirche und des Christentums nur geschehen kann, wenn die konkrete und aktuelle Freundschaft mit Christus im Mittelpunkt des eigenen Lebens steht.

Bereits in der Messe zu seiner Amtseinführung am 24. April 2005 bekräftigte Benedikt XVI: „Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht. Es gibt nichts Schöneres, als vom Evangelium, von Christus gefunden zu werden. Es gibt nichts Schöneres, als ihn zu kennen und anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken. Die Arbeit des Hirten, des Menschenfischers mag oft mühsam erscheinen. Aber sie ist schön und groß, weil sie letzten Endes Dienst an der Freude Gottes ist, die in der Welt Einzug halten möchte.“ Damit setzte der Papst den Begriff der Freundschaft mit Jesus an die Spitze seines Wirkens als Menschenfischer und Hirte der universalen Kirche: „Die Kirche als Ganze und die Hirten in ihr müssen sich wie Christus auf den Weg machen, um die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle.“

Papst Johannes Paul II. hatte einst den Menschen zugerufen: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“ Besonders an die jungen Menschen richtete Benedikt XVI. an jenem Tag von Neuem diesen ermutigenden Zuruf: „Wer Christus einlässt, dem geht nichts, nichts, gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist.

So möchte ich heute mit großem Nachdruck und großer Überzeugung aus der Erfahrung eines eigenen langen Lebens euch, liebe junge Menschen, sagen: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Ja, aprite, spalancate le porte per Cristo – dann findet ihr das wirkliche Leben.“

Auch die damals lang erwartete erste Enzyklika Benedikts XVI. Deus caritas est (25. Dezember 2005) greift das Thema der Freundschaft zu Jesus Christus schon im zweiten Absatz auf: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“, die Begegnung mit dem lebendigen Christus, der sich zum Freund des Menschen machen wolle.

Die wahre Freude und das wahre Glück des Menschen ist für Benedikt XVI. allein in der wahren Beziehung mit Christus zu finden – nur mit ihm, „den wir dank einer beständigen Ausrichtung unseres Geistes und Herzens treffen, folgen, kennenlernen und lieben können“, so der Papst vor dem Angelus-Gebet am 15. Januar 2006.

Jünger Christi zu sein, sei für die Christen ausreichend. „Die Freundschaft mit dem Meister gewährleistet der Seele tiefen Frieden und innere Ruhe auch in dunklen Stunden und harten Prüfungen. Wenn der Glaube auf finstere Nächte stößt, in denen man die Gegenwart Gottes weder ‚hört‘ noch ‚sieht‘, versichert uns die Freundschaft Jesu, dass uns in Wirklichkeit nichts jemals von seiner Liebe trennen kann.“

Für den Christen sei es somit geradezu notwendig, Jesus als den ersten und besten Freund zu erkennen. Wenn dem so ist, schließe das auch die Bereitschaft mit ein, sich für ihn hinzugeben. Daran erinnerte der Papst am 7. April 2008 in seiner Predigt während des Wortgottesdienstes in der Basilika San Bartolomeo auf der Tiberinsel anlässlich des Gedenkens an die Märtyrer des 20. Jahrhunderts: „Jesus hat gesagt: ‚Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt‘ (Joh 15,13). Jeder Glaubenszeuge lebt diese ‚größere‘ Liebe und ist nach dem Vorbild des göttlichen Meisters bereit, das Leben für das Reich Gottes hinzugeben. Auf diese Weise wird man ein Freund Jesu; so wird man ihm ähnlich, indem man das Opfer bis zum äußersten annimmt, ohne der hingebungsvollen Liebe und dem Dienst am Glauben Grenzen zu setzen.“

Wer die Freunde Christi sind, wird nach Worten des Heiligen Vaters am Tag des Jüngsten Gerichts offenbar: an jenem Tag, an dem der Mensch nicht aufgrund irgendwelcher Privilegien gerichtet werde, sondern nach seinen Werken. An jenem letzten Tag, so Benedikt XVI. in seiner Ansprache zum Angelus-Gebet am 26. August 2007, trete Folgendes offen zutage: „Diejenigen, ‚die Unrecht tun‘, werden ausgeschlossen sein, während all jene aufgenommen werden, die unter großen Opfern das Gute vollbracht und die Gerechtigkeit gesucht haben. Es wird somit nicht reichen, sich zu einem ‚Freund Gottes‘ zu erklären und dabei mit falschen Verdiensten zu prahlen: ‚Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt‘ (Lk 13,26).“

Die wahre Freundschaft mit Jesus Christus zeigt sich im Lebensstil: „Sie kommt in der Güte des Herzens, in der Demut, der Sanftmut und der Barmherzigkeit, in der Liebe zur Gerechtigkeit und zur Wahrheit, im aufrichtigen und ehrlichen Einsatz für den Frieden und die Versöhnung zum Ausdruck. Das ist, so könnten wir sagen, der ‚Personalausweis‘, der uns als seine echten ‚Freunde‘ ausweist: Das ist der ‚Pass‘, der es uns gestatten wird, in das ewige Leben einzutreten.“

Die Freundschaft mit Christus, dem Antlitz des wahren Gottes, ist die Grundlage aller kleineren und größeren Hoffnungen. Denn, so schreibt Benedikt XVI. in seiner Enzyklika Spe salvi, all diese Hoffnungen reichen nicht aus „ohne die große Hoffnung, die alles andere überschreiten muss. Diese große Hoffnung kann nur Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen. Gerade das Beschenktwerden gehört zur Hoffnung. Gott ist das Fundament der Hoffnung – nicht irgendein Gott, sondern der Gott, der ein menschliches Angesicht hat und der uns geliebt hat bis ans Ende: jeden einzelnen und die Menschheit als ganze. Sein Reich ist kein imaginäres Jenseits einer nie herbeikommenden Zukunft; sein Reich ist da, wo er geliebt wird und wo seine Liebe bei uns ankommt.“