Benedikt XVI. betet zum „Volto Santo“ von Manoppello

„Zeige uns Dein immer neues Antlitz“

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ROM, 13. September 2007 (ZENIT.org).- Ein Jahr nach seinem Besuch beim „Volto Santo“ in Manoppello am 1. September 2006 erinnerte Papst Benedikt XVI. mit einem Gebet an seinen Aufenthalt in diesem Heiligtum.



In seiner damaligen Ansprache hatte der Heilige Vater vor Tausenden von Gläubigen darauf hingewiesen, was es heißt, wahrer Jünger Christi zu sein: die Gesinnung des Herrn zu haben. Und diese Gesinnung offenbare sich dadurch, dass sich das Antlitz Christi ins Herz des Gläubigen einprägt: „Um also in Gemeinschaft zu treten mit Christus und sein Antlitz zu betrachten, um das Antlitz des Herrn zu erkennen in dem der Brüder und in den alltäglichen Begebenheiten, sind ‚reine Hände und ein lauteres Herz‘ vonnöten“, so Papst Benedikt. „Reine Hände, das heißt ein Leben, das erleuchtet ist von der Wahrheit der Liebe, die Gleichgültigkeit, Zweifel, Lüge und Eigensucht besiegt; und darüber hinaus ist ein lauteres Herz notwendig, ein Herz, das ergriffen ist von der göttlichen Schönheit, wie die kleine Theresia von Lisieux in ihrem Gebet an das Heilige Antlitz sagt, ein Herz, dem das Antlitz Christi eingeprägt ist.“

Das nun veröffentlichte „Gebet zum Heiligen Antlitz“, das der Papst persönlich verfasst hat, wurde als Geschenk des Heiligen Vaters an die Erzdiözese Chieti-Vasto und die Basilika des Heiligen Antlitzes übersandt. Es wurde am Abend des 1. September in der Basilika verlesen. Zeitgleich feierte Benedikt XVI. in Loreto die Gebetsvigil mit 400.000 Jugendlichen aus ganz Italien.

Das „Gebet des Volto Santo“ weist nach Angaben der diözesanen Pressestelle eine „Tiefe und Schönheit auf, die den betenden Stil der Kirche zum Ausdruck bringt, die in Pilgerschaft auf dem Weg der Schönheit unterwegs ist, hingerissen von der Betrachtung und der immer neuen Suche nach dem Antlitz des Herrn“.

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Gebet von Papst Benedikt XVI. für Manoppello

Herr Jesus,
wie schon die ersten Apostel,
zu denen du sagtest: „Wen sucht ihr?“
und die dann deine Einladung annahmen: „Kommt und seht!“,
da sie Dich als Sohn Gottes erkannten,
den erwarteten und verheißenen Messias zur Erlösung der Welt,
so wollen auch wir, Deine Jünger in dieser schwierigen Zeit,
Dir nachfolgen und Dir Freunde sein,
angezogen vom Glanz Deines ersehnten und verborgenen Antlitzes.

Zeige uns, so bitten wir Dich, Dein immer neues Antlitz,
geheimnisvoller Spiegel der unendlichen Barmherzigkeit Gottes.
Lass es uns mit den Augen des Geistes und des Herzens betrachten:
Antlitz des Sohnes, Abglanz der Herrlichkeit des Vaters und Abbild seines Wesens (vgl. Hebr. 1,3),
menschliches Gesicht Gottes, der in die Geschichte eingetreten ist,
um die Horizonte des Ewigen zu enthüllen.
Stilles Antlitz des leidenden und auferstandenen Jesus,
geliebt und angenommen verwandelt es Herz und Leben.
„Dein Gesicht, Herr, will ich suchen.
Verbirg nicht Dein Gesicht vor mir“ (Psalm 27,8f).
Wie oft hallte dieses sich verzehrende Flehen des Psalmisten
im Lauf von Jahrhunderten und Jahrtausenden unter den Gläubigen wider!
Herr, auch wir wiederholen es im Glauben:
„Ein Mann voller Schmerzen, vor dem man das Gesicht verhüllt“ (Jes 53,3),
verbirg vor uns nicht Dein Angesicht!
Deine Augen blicken auf uns voller Zärtlichkeit und Erbarmen.
Wir wollen aus ihnen die Kraft der Liebe und des Friedens schöpfen,
die uns den Weg des Lebens weist und jenen Mut,
Dir ohne Furcht und kompromisslos zu folgen,
um Zeugen Deines Evangeliums zu werden
mit tätigen Zeichen der Annahme, der Liebe und der Vergebung.

Heiliges Antlitz Christi,
Licht, das die Finsternis des Zweifels und der Trauer lichtet,
Leben, das die Macht des Bösen und des Todes für immer gebrochen hat,
geheimnisvoller Blick,
der nicht aufhört, sich auf die Menschen und Völker zu senken,
in den eucharistischen Zeichen verborgenes Antlitz
und in den Blicken derer, die uns nahe leben,
mach uns zu Pilgern Gottes in dieser Welt,
dürstend nach dem Unendlichen und bereit für die Begegnung des jüngsten Tages,
wenn wir Dich, Herr, von „Angesicht zu Angesicht“ (1 Kor 13,12) sehen werden
und in Ewigkeit in der Herrlichkeit des Himmels schauen dürfen.

Maria, Mutter des Heiligen Antlitzes,
hilf uns, „reine Hände und ein lauteres Herz“ zu haben:
Hände, erleuchtet durch die Wahrheit der Liebe,
Herzen, hingerissen von der göttlichen Schönheit,
damit wir uns – verwandelt durch die Begegnung mit Christus –
vorbehaltlos den Brüdern schenken,
besonders den Armen und Leidenden,
in deren Gesichtern das Geheimnis der Gegenwart
Deines Sohnes Jesus erglänzt,
der lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

1. September 2007
Benedikt XVI.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen; Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]