Benedikt XVI. betont Kontinuität der sakralen Musik

Primat des gregorianischen Chorals, Urteilsfähigkeit gegenüber profanen Einflüssen erwerben

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ROM, Freitag, 3. Juni 2011 (Zenit.org).- Papst Benedikt XVI. hat die Kontinuität in der Kirchenmusik hervorgehoben, die auf die vom hl. Gregor dem Großen begonnene „authentische und ruhmreiche Tradition“ zurückreiche.

In einem an Zenon Kardinal Grocholewski, Großkanzler des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik, adressierten Brief nannte der Papst das hundertjährige Jubiläum der Gründung dieses Instituts, das diese Woche gefeiert wurde, ein „wichtiges Ereignis“ und einen „Grund zur Freude für alle, die die Kirchenmusik kultivieren“.

In diesem Kontext erinnerte der Papst daran, dass Pius X. das Institut im Jahre 1911 gegründet hatte, acht Jahre nach der Veröffentlichung einer Anweisung über die Kirchenmusik durch das „Motu proprio“ mit dem Titel „Tra le Sollcitudini“.

Mit dieser Anweisung, rief Benedikt XVI. in Erinnerung, „führte Papst Pius X. eine tiefgreifende Reform im Bereich der Kirchenmusik durch, dank der Rückkehr zur großen Tradition der Kirche gegen die Einflüsse der profanen Musik, vor allem der Opern“.

Der deutsche Papst fuhr fort: „Dieser meisterhafte Eingriff bedurfte für seine Realisierung in der universalen Kirche ein Studien- und Lehrzentrum, das auf eine treue und qualifizierte Weise die Richtlinien übermitteln konnte, die vom Papst im Einklang mit der auf den hl. Gregor den Großen zurückreichenden authentischen und ruhmreichen Tradition aufgezeigt worden waren.“

„Von da an hat diese Institution in der Zeitspanne der letzten 100 Jahre den lehramtlichen und pastoralen Inhalt der päpstlichen Dokumente sowie des II. Vatikanischen Konzils bezüglich der geistlichen Musik assimiliert, erarbeitet und übermittelt, so dass sie die Arbeit der Komponisten, Kapellenmeister, Liturgen, Musiker und Ausbilder auf diesem Gebiet erhellen und anleiten kann.“

Benedikt XVI. hob sodann die „notwendige Kontinuität der Lehre über die Kirchenmusik in der Liturgie“ hervor.

Selbst moderne Päpste, so der Papst, wie Paul VI. und Johannes Paul II., hätten „im Lichte des Konzilsdokuments ‚Sacrosanctum Concilium‘, [...] als Ziel der Kirchenmusik‚ die Verherrlichung Gottes und die Heiligung der Gläubigen‘ bekräftigt sowie die Tradition als grundlegendes Kriterium.“

Er nannte mehrere Elemente der Tradition der geistlichen Musik, wie „den Sinn des Gebetes, der Würde und der Schönheit“, „den Primat des Gregorianischen Chorals als höchstem Modell der Kirchenmusik“ und „die Bedeutung der ‚Schola Cantorum’“.

Benedikt XVI. bemerkte, die eher traditionellen Formen der Kirchenmusik seien „als Ausdruck einer Konzeption betrachtet wurden, die eher einer zu überwindenden und vernachlässigenden Vergangenheit entsprechen, da sie die Freiheit und Kreativität des Einzelnen und der Gemeinden einschränken.“

„Wir müssen uns jedoch immer wieder fragen: Wer ist das authentische Subjekt der Liturgie?“, setzte der Papst dagegen.

„Die Antwort ist einfach, die Kirche“, betonte Papst Benedikt. „Es ist nicht das Individuum oder die Gruppe, die Liturgie feiert, sondern zuallererst das Handeln Gottes durch die Kirche, die ihre Geschichte, ihre reiche Tradition und ihre Kreativität hat“.

„Die Liturgie und folglich die Kirchenmusik lebt von einer korrekten und konstanten Beziehung zwischen einer gesunden ‚traditio’ und einem legitimen ‚progressio’“.

Benedikt XVI. forderte das Institut dazu auf, „auf der Grundlage dieser soliden und sicheren Elemente, die sich an eine jahrhundertealte Erfahrung anschließt, mit neuem Elan und Engagement den Dienst in der beruflichen Ausbildung der Studenten fortzusetzen, damit sie eine ernsthafte und tiefgreifende Kompetenz in den verschiedenen Disziplinen der Kirchenmusik erwerben.“

„So wird das Päpstliche Institut weiterhin einen wertvollen Beitrag für die Ausbildung der Priester und Laien der verschiedenen Teilkirchen in diesem Bereich bieten und eine ausreichende Urteilskraft für die Qualität der musikalischen Kompositionen fördern, die in den liturgischen Feiern verwendet werden“, schloss der Papst.

[Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Czupy]