Benedikt XVI.: Bischöfe sollen nicht nach Macht und Einfluss streben

Die drei Eigenschaften des Dieners Christi sind Treue, Klugheit und Güte

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ROM, 14. September 2009 (ZENIT.org).- Am Samstag, dem 12. September, weihte Papst Benedikt XVI. im Petersdom fünf neue Erzbischöfe und Bischöfe. Alle neuen Hirten sind Italiener und stammen aus dem engsten Umkreis der Mitarbeiter des Papstes. Benedikt XVI. forderte sie auf, nicht für sich selbst zu arbeiten, sondern für die Gemeinschaft.



Drei der neu geweihten Bischöfe arbeiteten im Staatsekretariat und werden als Nuntien in verschiedenen Ländern arbeiten. Es handelt sich um Gabriele Giordano Caccia (1958 in Mailand geboren, Nuntius im Libanon), Franco Coppola (1957 in Maglie geboren, Nuntius in Burundi), und Pietro Parolin (1955 in Schiavon geboren, Nuntius in Venezuela).

Raffaello Martinelli (1948 in Villa d'Almé geboren) war einer der engsten Mitarbeiter Kardinal Ratzingers in der Kongregation für die Glaubenslehre. Er setzt seinen Dienst als Bischof der suburbikarischen Diözese Frascati fort. Giorgio Corbellini (1947 in Travo geboren) war Vizesekretär des Governatorats des Staates der Vatikanstadt. Nun wird er als Präsident des Arbeitsamtes des Heiligen Stuhles tätig sein.

Benedikt XVI. hob in seiner Predigt zum Weihegottesdienst die Haupteigenschaften eines Dieners Gottes und im Besonderen des Bischofs heraus.

Zunächst betonte der Papst, dass bei der Weihe, die durch Handauflegung in Schweigen geschieht, sich die Seele Gott öffne und Gott den Mensch ganz zu sich nehme. Das zweite Element der Weihehandlung sei das Gebet: „Die Bischofsweihe ist ein Gebetsereignis“, so der Papst. „ Kein Mensch kann einen anderen zum Priester, zum Bischof machen. Der Herr selbst ist es, der durch das Wort des Gebets und die Geste der Handauflegung diesen Menschen ganz in seinen Dienst nimmt, ihn in sein eigenes Priestertum hineinzieht.“

Wesensmerkmal und tiefster Kern des Priestertums sei das Dienen. Christus habe das Wort „Diener“ beziehungsweise „Knecht“ zu seinem höchsten Würdetitel gemacht. „Er hat darin eine Umwertung der Werte vollzogen, uns ein neues Gottes- und Menschenbild geschenkt. Jesus kommt nicht als einer der Herren dieser Welt, sondern er, der wahre Herr, kommt als Knecht. Sein Priestertum ist nicht Herrschaft, sondern Dienst.“

Anschließend stellte Papst Benedikt die drei Eigenschaften des rechten Dienens vor: „Die erste Eigenschaft, die der Herr vom Knecht verlangt, ist die Treue.“ Dem Diener Gottes sei ein großes Gut anvertraut, das ihm nicht gehöre. „Die Kirche ist nicht unsere Kirche, sondern seine Kirche, die Kirche Gottes.“ Vor diesem Hintergrund erklärte der Papst: „Wir binden die Menschen nicht an uns; wir suchen nicht Macht, Einfluss, Ansehen für uns selber. Wir führen die Menschen zu Jesus Christus und so zum lebendigen Gott.“ Die Treue sei somit Selbstlosigkeit und gerade deshalb so befreiend für den Diener selbst und für die ihm Anvertrauten.

„Wir wissen, wie die Dinge in der weltlichen Gesellschaft und nicht ganz selten auch in der Kirche darunter leiden, dass viele, denen Verantwortung übertragen ist, für sich selbst statt für das Ganze, für das Gemeinwohl arbeiten.“ Dem gegenüber betonte der Papst, dass die Treue Jesu auch gerade darin bestehe, „dass er nicht versucht, den Glauben nach den Moden der Zeit zurechtzuschneiden“. Allerdings gehe es um eine „schöpferische Treue“, die sich von der Liebe und ihrer Dynamik inspirieren lasse.

Die zweite Eigenschaft, die Jesus von seinem Diener verlange, ist nach Worten des Papstes die Klugheit. Klugheit als die erste der „Kardinaltugenden“ bedeute den Primat der Wahrheit, die durch die „Klugheit“ zum Maßstab des Handelns werde. „Klugheit verlangt die demütige, zuchtvolle und wache Vernunft, die sich nicht von Vorurteilen blenden lässt; nicht nach Wünschen und Leidenschaften urteilt, sondern die Wahrheit sucht, auch die unbequeme Wahrheit. Klugheit bedeutet, nach der Wahrheit zu suchen und zu handeln.“

Die dritte Eigenschaft des Dieners Christi, die Benedikt XVI. hervorhob, ist die Güte. Gut im Vollsinn des Wortes sei nur Gott. „Er ist das Gute, der Gute schlechthin, die Güte selbst. Gutsein beruht daher bei einem Geschöpf, beim Menschen notwendig auf einer tiefen inneren Zugewandtheit zu Gott.“ Zu guten Knecht werde der Diener Gottes durch die lebendige Beziehung zu Christus: „Nur wenn unser Leben sich im Dialog mit ihm abspielt, nur wenn sein Wesen, seine Eigenschaften in uns eindringen, uns formen, können wir wahrhaft gute Knechte werden.“

Abschließend richtete der Papst seinen Blick auf Maria. In der Mutter Jesu „haben die Menschen in den Dunkelheiten und Leiden dieser Welt das Gesicht der Mutter gefunden, das uns Mut gibt weiterzugehen“, hob er hervor.

„Oft mag es scheinen, als ob nur das Böse Macht habe und Gott unendlich weit sei. Das große Licht Jesus Christus, der den Tod und das Böse überwältigt hat, ahnen wir oft nur von ferne. Aber dann sehen wir ganz nahe das Licht, das sich entzündet hat, als Maria sagte: Siehe, ich bin eine Dienerin des Herrn. Wir sehen das helle Licht der Güte, das von ihr ausgeht. In ihrer Güte, in der sie den großen und kleinen Anliegen vieler Menschen immer wieder geholfen hat und hilft, erkennen wir auf ganz menschliche Weise die Güte Gottes selber.“