Benedikt XVI.: Christen beten für die Staatslenker, die sie verfolgen

Generalaudienz im Zeichen des „Briefs an die Korinther“ vom heiligen Clemens Romnus

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ROM, 7. März 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat die Christen dazu aufgefordert, für die politisch Verantwortlichen zu beten, die sie verfolgen.



Am Ende der Generalaudienz, die am heutigen Mittwochvormittag ganz im Zeichen des heiligen Clemens Romanus und seines „Briefs an die Korinther“ aus dem Jahr 96 n. Chr. stand, bekräftigte der Heilige Vater den Appell, den der dritte Nachfolger des heiligen Apostels Petrus in seinem Schreiben formuliert hatte.

Er ist in der „Anrufung für die Regierenden“ enthalten – nach den Texten des Neuen Testaments „das älteste Gebet für die politischen Institutionen“, unterstrich der Papst vor Zehntausenden von Gläubigen in der Audienzhalle Pauls VI. im Vatikan. Clemens I. habe sie am Ende der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian verfasst, die in den Jahren 81 bis 96 wütete.

„Obwohl die Christen wissen, dass es zu weiteren Verfolgungen kommen würde, hören sie also kurz nach der Verfolgung nicht auf, für jene selbigen Autoritäten zu beten, die sie ungerechterweise verurteilt hatten. Der Grund dafür ist vor allem ein christologischer: Man muss für die Verfolger beten, wie es Jesus auf dem Kreuz tat.“

Papst Benedikt wies anschließend auf die Lektion hin, die dieses Gebet für die Autoritäten über die Jahrhunderte hinweg haben sollte: „Indem er für die Autoritäten betet, erkennt Clemens die Legitimität der politischen Institutionen innerhalb der von Gott festgelegten Ordnung an; gleichzeitig äußert er die Sorge, dass die Autoritäten Gott gegenüber fügsam seien und ‚dass sie die Macht, die Gott ihnen verliehen hat, in Frieden und in Milde fromm ausübten‘ (61,2).“

An dieser Stelle merkte Benedikt XVI. an: „Der Kaiser ist nicht alles. Es tritt eine andere Hoheit hervor, deren Ursprung und Wesen nicht von dieser Welt sind, sondern ‚von dort oben‘. Das ist die Wahrheit, die noch vor dem Staat das Recht besitzt, gehört zu werden.“

Zuvor war der Papst auf andere Themen eingegangen, die im „Brief an die Korinther“ von Clemens I. angesprochen werden, unter anderem das Thema der Identität der Kirche.

Der heilige Clemens habe unter anderem hervorgehoben, „dass die Kirche eine sakramentale und keine politische Struktur hat. Das Wirken Gottes, das uns in der Liturgie entgegentritt, geht unseren Entscheidungen und unseren Ideen voraus. Die Kirche ist vor allem Gabe Gottes und nicht unser Geschöpf, und deshalb garantiert diese sakramentale Struktur nicht nur die gemeinsame Ordnung, sondern auch den Vorrang der Gabe Gottes, derer wir alle bedürfen.“

Die Kirche ist nach Worten Benedikts XVI. „nicht Ort der Verwirrung und Anarchie, wo einer in jedem Augenblick tun und lassen kann, was er will“. Jeder führe „in diesem Organismus, der eine klare Struktur besitzt, entsprechend der empfangenen Berufung seinen Dienst aus“.

Clemens Romanus habe auch die Lehre der apostolischen Sukzession klar zum Ausdruck gebracht, die im Letzten von Gott selbst stamme. „Der Vater hat Jesus Christus gesandt, der seinerseits die Apostel gesandt hat. Diese sandten dann die ersten Vorsteher der Gemeinden und legten fest, dass ihnen andere würdige Männer nachfolgen sollten. Alles vollzieht sich also ‚vom Willen Gottes geordnet‘“, so Benedikt XVI.

Die Pilger aus den deutschsprachigen Ländern ermutigte er bei der Verabschiedung zum mutigen Glaubenszeugnis: „Mit dem Beistand des Heiligen Geistes wollen wir die Dienste und Aufgaben verrichten, zu denen uns der Herr berufen hat. So können wir glaubwürdig Gottes Liebe zu den Menschen bezeugen.“