Benedikt XVI.: Christus offenbart Berufung und Sendung der Familie

Angelus am Hochfest der Heiligen Familie

| 1520 klicks

ROM, 1. Januar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag, dem 30. Dezember 2007 gehalten hat.



Der Heilige Vater rief am Fest der Heiligen Familie zur Förderung der Familie auf. Das Wohl des einzelnen und der ganzen Gesellschaft hingen davon ab, dass es um die Familie gut bestellte ist.

* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiern wir das Fest der Heiligen Familie. Während wir dem Matthäus- und Lukasevangelium folgen, heften wir den Blick auf Jesus, Maria und Josef und beten das Geheimnis eines Gottes an, der aus einer Frau, der Heiligen Jungfrau, geboren werden und in diese Welt auf dem allen Menschen gemeinsamen Weg eintreten wollte. So heiligte er die Wirklichkeit der Familie: Er erfüllte sie mit der göttlichen Gnade und offenbarte ganz ihre Berufung und Sendung. Der Familie widmete das II. Vatikanische Konzil große Aufmerksamkeit. Die Eheleute, so heißt es dort, sind füreinander und für die Kinder Zeugen des Glaubens und der Liebe Christi (vgl. Lumen gentium, 35). Die christliche Familie nimmt demgemäß an der prophetischen Berufung der Kirche teil: Mit ihrer Lebensart „verkündet (sie) mit lauter Stimme die gegenwärtige Wirkkraft des Gottesreiches, besonders aber auch die Hoffnung auf das selige Leben“ (ebd.). Wie dann mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. unermüdlich wiederholt hat, ist das Wohl der Person sowie der Gesellschaft zuinnerst mit dem „Wohlergehen“ der Familien verbunden (vgl. Gaudium et spes, 47). Deshalb setzt sich die Kirche dafür ein, „die ursprüngliche Würde und den hohen und heiligen Wert“ – so die Worte des Konzils – der Ehe und der Familie zu schützen und zu fördern (ebd.). Mit dieser Zielsetzung findet gerade heute eine wichtige Initiative in Madrid statt, an deren Teilnehmer ich mich jetzt auf Spanisch wenden werde.

[Der Heilige Vater setzte seine Ansprache in spanischer Sprache fort:]

Ich grüße die Teilnehmer des Treffens der Familien, das an diesem Sonntag in Madrid zu seinem Abschluss kommt, wie auch die Herren Kardinäle, Bischöfe und Priester, die sie begleiten. In Betrachtung des Geheimnisses des Sohnes Gottes, der umgeben von der Liebe Mariens und Josefs auf die Welt gekommen ist, lade ich die christlichen Familien ein, in ihrem Leben die liebende Gegenwart des Herrn zu erfahren. Ebenso ermutige ich sie, sich an der Liebe Christi zu den Menschen zu inspirieren und vor der Welt Zeugnis für die Schönheit der menschlichen Liebe, der Ehe und der Familie abzulegen. Diese ist auf der unauflöslichen Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau gegründet und bildet so den bevorzugten Raum, in dem das menschliche Leben aufgenommen und geschützt wird, von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende. Deshalb haben die Eltern das Recht und die grundlegende Pflicht, ihre Kinder im Glauben und in den Werten zu erziehen, die dem menschlichen Dasein Würde verleihen. Es lohnt sich, für die Familie und die Ehe zu arbeiten, da es sich lohnt, für den Menschen zu arbeiten, das wertvollste von Gott geschaffene Wesen.

Ich wende mich besonders an die Kinder: dass sie ihre Eltern und Geschwister lieben und für sie beten; an die Jugendlichen: dass sie sich durch die Liebe ihrer Eltern anregen lassen und so großherzig ihrer Berufung zu Ehe, Priestertum oder Ordensleben folgen; an die alten und kranken Menschen: dass sie die nötige Hilfe und das nötige Verständnis finden. Und ihr, liebe Brautleute, zählt immer auf die Gnade Gottes: dass eure Liebe immer fruchtbarer und treuer ist. In die Hände Mariens, „die mit ihrem Ja Gott selbst die Tür geöffnet hat in unsere Welt“ (Spe salvi, 49), lege ich die Früchte dieser Feier. Vielen Dank und schöne Festtage.

[Anschließend sagte der Heilige Vater auf Italienisch:]

Wir wenden uns jetzt an die Heilige Jungfrau und beten für das Wohl der Familie und für alle Familien der Welt.

[Nach dem Angelus-Gebet begrüßte der Papst die Pilger aus dem deutschen Sprachraum:]

Ganz herzlich grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher an diesem Sonntag in der Weihnachtsoktav, an dem die Kirche das Fest der Heiligen Familie feiert. Bitten wir Jesus Christus, den Sohn Gottes, der in eine menschliche Familie hineingeboren wurde, dass er alle Eltern und ihre Kinder beschütze und in ihnen das Band der Liebe und der gegenseitigen Fürsorge stärke. Euch allen wünsche ich eine frohe und friedvolle Weihnachtszeit wie auch einen guten Jahreswechsel!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]