Benedikt XVI.: Das Gebet des Christen gilt der ganzen Kirche

Generalaudienz im Zeichen des heiligen Märtyrerbischofs Cyprian mit Zwischenfall

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ROM, 6. Juni 2007 (ZENIT.org).- Der heilige Bischof Cyprian, der im dritten Jahrhundert nach Christus als Märtyrer starb, lehre alle, dass ein Christ nicht nur für sich selbst bete, sondern immer auch für alle anderen Glieder des einen mystischen Leibes, den die Kirche bildet, erläuterte Benedikt XVI. am Mittwoch bei seiner allwöchentlichen Katechese.



Ein 27-jähriger deutscher Staatsbürger hatte zu Beginn der Generalaudienz für Verwirrung gesorgt: Während der Heilige Vater die Menge begrüßte – rund 40.000 Gläubige und Pilger waren aus verschiedenen Teilen der Welt auf den Petersplatz gekommen -, kletterte er über die Absperrungen und versuchte, den Papst im weißen Jeep zu erreichen. Der Eindringling wurde von den Sicherheitsleuten aufgehalten und, wie P. Lombardo SJ, der Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls, später erklärte, einem Verhör unterzogen.

„Das Verhör durch den einzigen Richter [des Vatikans, Anm. d. Red.], Gianluigi Marrone, förderte zutage, dass der junge Mann nicht die Absicht hatte, ein Attentat auf den Papst zu verüben, sondern dass er einen demonstrativen Akt setzen wollte, um die Aufmerksamkeit auf seine Person zu lenken“, so der Jesuitenpater vor einigen Journalisten, die sich im vatikanischen Pressesaal aufhielten. Aufgrund „eindeutiger Anzeichen von geistiger Verwirrung“ sei die betroffene Person schließlich in eine Sonderheilanstalt eingeliefert worden, äußerte P. Lombardi, der den Fall damit für abgeschlossen erklärte.

Papst Benedikt, der von dem Zwischenfall, der nur wenige Sekunden dauerte, möglicherweise nichts mitbekommen hat, weil er mit dem Rücken zum Ort des Geschehens stand, widmete die Katechese des heutigen Tages dem Leben und der Lehre des heiligen Märtyrers Cyprian, dem die Einheit der Gläubigen untereinander ein besonderes Anliegen gewesen sei.

Seine Lehre über das Gebet schätzt Benedikt XVI: „Ich liebe insbesondere sein Buch über das Vaterunser, das mir sehr geholfen hat, das Gebet des Herrn besser zu verstehen und zu beten: Cyprian lehrt, dass dem Christen gerade im Vaterunser die rechte Art des Betens geschenkt ist; und er hebt hervor, dass dieses Gebet im Plural steht‚ damit einer, wenn er betet, nicht nur für sich allein betet. Unser Gebet‘ – so schreibt er – ‚ist öffentlich und gemeinschaftlich, und wenn wir beten, so beten wir nicht für einen einzigen, sondern für das ganze Volk, weil wir mit dem ganzen Volk eins sind‘.“

Benedikt XVI. wies darauf hin, dass der Christ nicht „mein Vater“ sage, sondern eben „Vater unser“. Und das tue er, weil ihm auch im hintersten Winkel seiner Kammer stets klar vor Augen stehe, „dass er an jedem Ort, in jeder Lebenslage Glied desselben Leibes ist“.

Der Bischof von Rom ermutigte alle, so zu beten, wie es der Bischof von Karthago seinen Gläubigen ans Herz gelegt hatte: „Ein trautes und inniges Gebet ist es, wenn man zu Gott mit dem flehen kann, was sein ist, wenn Christi Gebet zu seinen Ohren emporsteigt. Der Vater möge seines Sohnes Worte wieder erkennen, wenn wir unser Gebet verrichten: Er, der in unserer Seele wohnt, soll auch auf unseren Lippen gegenwärtig sein.“ Das Gebet bestehe allerdings nicht in Worten, sondern es sei eine Sache des Herzens, hob Benedikt XVI. hervor. Gott schaue nicht auf die Worte, „sondern auf das Herz des Betenden“.

Abschließend ermutigte er die Pilger aus dem deutschsprachigen Raum, Gott um die Gnade zu bitten, „dass er uns ein hörendes Herz gebe, dass wir seinen Willen erkennen und verstehen lernen, dass Gott unser Vater und die Kirche, die Braut Christi, wirklich unsere Mutter ist“.