Benedikt XVI.: Der Dialog mit dem Islam ist notwendig

Bischöfe aus dem Iran zu Besuch beim Papst im Vatikan

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ROM, 16. Januar 2009 (ZENIT.org).- Ein Dialog auf breiter Ebene mit der Bevölkerung und den Obrigkeiten des Irans, um es der kleinen katholischen Gemeinde des Landes zu ermöglichen, Sauerteig für das Leben der ganzen Nation zu sein: Mit dieser Empfehlung wandte sich Papst Benedikt XVI. am heutigen Vormittag an die Bischöfe des Iran, die zu ihrem Ad-Limina-Besuch nach Rom gekommen waren. Der Papst nannte den Iran die Brücke zwischen dem Nahen Osten und dem südlichen Asien.



Laut kirchlichen Statistiken leben rund 25.000 Katholiken im Iran. Die Angehörigen des chaldäischen, lateinischen und armenischen Ritus stellen gemeinsam weniger als 0,04 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Benedikt XVI. beschrieb in seiner Ansprache an die Bischöfe die Lage der iranischen Katholiken als eine Situation kleiner Gemeinden mit wenigen Gläubigen; Priester und Ordensleute sähen sich oft gezwungen zu reisen, um zu ihnen zu gelangen. Der Papst brachte seine Wertschätzung für die Arbeit der Bischöfe zum Ausdruck, eine „Sendung“, die diese beständig und beharrlich lebten.

Um den vielen Herausforderungen entgegentreten zu können, werde die Einrichtung einer bilateralen Kommission mit den iranischen Obrigkeiten studiert. Dadurch solle auch die Vertiefung der Beziehungen sowie das gegenseitige Verständnis zwischen der Islamischen Republik Iran und der katholischen Kirche besser vorangetrieben werden.

Der Dialog mit den Obrigkeiten des Iran und der 70 Millionen starken muslimischen Bevölkerung bildete den Kern der Ansprache des Heiligen Vaters. Die rund 100.000 Christen des Iran lebten in verschiedenen Kontexten; gleichzeitig hätten sie jedoch einen gemeinsamen Nenner, der in dem Bedürfnis bestehe, harmonische Beziehungen mit den öffentlichen Einrichtungen zu unterhalten. Diese sollten es ihnen gestatten, ihre kirchliche Sendung im gegenseitigen Respekt und zum Wohl aller auf bestmögliche Weise zu verwirklichen.

Der Heilige Vater ermutigte die Bischöfe, alle Initiativen zu verwirklichen, die darauf abzielten, ein besseres gegenseitiges Verständnis zu fördern. Es sei möglich, sowohl die Wege des kulturellen Dialogs zu erkunden, der einen Jahrtausende alten Reichtum des Iran darstelle, als auch die Liebe. „Letztere wird ersteren erleuchten und dessen Antriebskraft sein“, so Benedikt XVI.

Im Übrigen seien die Kirchen im Iran Erben einer edlen und sehr alten Tradition. „Sie haben jede auf ihre Weise zum Leben und zum Aufbau der Nation beigetragen.“ Dieser Beitrag sei nach wie vor feststellbar, wie dies zum Beispiel durch die Tätigkeit der Caritas nach dem verheerenden Erdbeben vom 26. Dezember 2003 der Fall war, das die antike Stadt Bam zerstört und Zehntausende von Opfern gefordert hatte. Die Kirchen „wollen ihre Sendung im Iran fortsetzen und dabei ihre Identität bewahren und in Freiheit ihren Glauben leben“.

Zum Schluss seiner Ansprache analysierte Benedikt XVI. einen Einzelaspekt der iranischen Gesellschaft, der nach Ansicht des Papstes eine besondere pastorale Aufmerksamkeit verdient. Manchmal suchten die Christen im Iran durch Abwanderung nach günstigeren Bedingungen für ihr Berufsleben und die Erziehung ihrer Kinder. Diese Tendenz sei ein Anruf vor allem an die Bischöfe, „die Gläubigen, die im Iran bleiben, dazu zu ermutigen, mit den Familienangehörigen in Kontakt zu bleiben, die ein anderes Los gewählt haben“. So werde es möglich sein, dass diese ihre Identität und ihren ursprünglichen Glauben bewahren.