Benedikt XVI.: Der Evangelist Matthäus verkündet die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes

Generalaudienz in der Audienzhalle Paul VI.

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ROM, 30. August 2006 (ZENIT.org).- Das Leben des Apostels und Evangelisten Matthäus, das Papst Benedikt XVI. am Mittwochvormittag in der Audienzhalle Paul VI. betrachtete, veranschaulicht, dass "Christus keinen von seiner Freundschaft ausschließt. Gerade den sündig gewordenen Menschen will er die Gnade Gottes anbieten."



Vor rund 8.000 Gläubigen wies der Heilige Vater darauf hin, dass Matthäus, dessen Name "Geschenk Gottes" bedeutet, in den Augen der damaligen Zeit ein öffentlicher Sünder gewesen sei. "Matthäus ging nämlich nicht nur mit Geld um, das aufgrund seiner Herkunft von Menschen, die dem Volk Gottes fremd waren, für unrein gehalten wurde; er war auch Kollaborateur der um ihrer Habgier wegen verhassten Fremdherrschaft." Als Jesus diesen Zöllner in seine Nachfolge berief, habe er sein Wort bekräftigt: "Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten" (Mk 2,17). In diesem Ausspruch des Herrn offenbare sich die "frohe Botschaft des Evangeliums", fügte der Papst hinzu: "im Angebot der Gnade Gottes an den Sünder!"

Die erste Lehre aus der Berufungsgeschichte des Matthäus umschrieb Benedikt XVI. mit folgenden Worten: "Wer zunächst dem Anschein nach weit von der Heiligkeit entfernt ist, kann sogar zu einem Vorbild für die Annahme der göttlichen Barmherzigkeit werden und ihre wunderbaren Wirkungen im eigenen Leben sehen lassen."

Zudem werde ersichtlich, dass Jesus nicht auf die soziale Stellung schaue, sondern die Menschen berufe, "während sie ihrer normalen Arbeit nachgehen".

Die dritte Überlegung, die der Heilige Vater an diesem Tag während der Generalaudienz anstellte, betraf die Reaktion des Matthäus auf Jesu Ruf: Er zögerte nicht, sondern stand sofort vom Zoll auf und folgte Jesus (vgl. Mt9,9).

"Offensichtlich hat Matthäus verstanden, dass es ihm der Umgang mit Jesus nicht gestattet, weiterhin Aktivitäten nachzugehen, die Gott missbilligt",kommentierte der Bischof von Rom dieses historische Ereignis. "Auch heute ist es nicht zulässig, bei Dingen zu verharren, die mit der Nachfolge Jesu unvereinbar sind, wie dies bei unehrlichem Reichtum der Fall ist."

Das rasche "Aufstehen", von dem im Evangelium die Rede ist, könne als "Loslösung von einer Situation der Sünde" verstanden werden, erklärte Benedikt XVI. weiter. Diese Loslösung sei beharrlich, weil sie mit einem ganz bewussten Ja "zu einem neuen und gerechten Leben in Gemeinschaft mit Jesus" einhergehe.

Zuletzt erinnerte der Nachfolger des Apostels Petrus daran, "dass die Überlieferung der antiken Kirche einstimmig dem Matthäus die Autorschaft des ersten Evangeliums zuweist". Bis heute vernähmen wir im zeitlich betrachtet ersten der vier kanonischen Evangelium die "überzeugende Stimme des Zöllners Matthäus, der uns als Apostel weiter die Heil bringende Barmherzigkeit Gottes verkündet. Hören wir diese Botschaft des heiligen Matthäus! Betrachten wir sie immer neu, damit auch wir lernen, aufzustehen und Jesus entschlossen nachzufolgen!"