Benedikt XVI.: Der Glaube macht gerecht, muss jedoch in den Werken Fleisch annehmen

Eine Generalaudienz unter ökumenischem Vorzeichen

| 1057 klicks

ROM, 26. November 2008 (ZENIT.org).- Die Folgen eines Glaubens, der nicht in der Liebe Fleisch annehme, seien katastrophal, da er so nichts anderes werde als Willkür und Subjektivismus. Somit sei eine Gegenüberstellung der Theologie des heiligen Paulus, die die Erlangung des Heils durch den Glauben betont, mit der des heiligen Jakobus, der die Werke einfordert, unbegründet. Eine derartige Gegenüberstellung, die im Mittelpunkt der theologischen Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten gestanden habe, sei nichts anderes als ein „Missverständnis" und eine „Verwechslung" von Denkebenen.

Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. während der Katechese zur heutigen Generalaudienz an die ungefähr 9000 Pilger und Besucher in der Audienzhalle Paolo VI. Hoher Gast der Audienz war auch der Katholikos von Kilikien der Armenier, Aram I., der vom Papst zusammen mit einer Delegation von zehn orthodoxen Erzbischöfen und Bischöfen begrüßt wurde.

Benedikt XVI. und Aram I. betraten die Audienzaula Seite an Seite. In seinem Grußwort betonte der Papst, dass „der brüderliche Besuch eine Gelegenheit darstellt, die bestehenden Bande zu stärken". Dieser sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Einheit, die das Ziel aller Christen sei und ein Geschenk des Herrn bilde. Erneut erinnerte der Papst an die vielen Märtyrer, die die armenische Gemeinde in ihrer Treue zum Christentum zu verzeichnen hat. Der Heilige Vater dankte Aram I. für sein Engagement in den Einrichtungen, die um den Dialog bemüht seien, dabei an erster Stelle in der gemischten Kommission für den theologischen Dialog.

Auch Aram I., der wie Benedikt XVI. auf englisch sprach, hob in seinem frei gesprochenen Grußwort die Bande hervor, die die beiden apostolischen Kirchen miteinander verbänden, sowie die Gemeinschaft der Überlieferungen und Werte. Diese ließen auf ein Fortschreiten zur vollen Einheit hoffen. Aram I. hob abschließend die Wichtigkeit des gemeinsamen Einsatzes für die Evangelisierung in Europa, im Mittleren Osten und in der Welt hervor, um einer von Kriegen und Hass gequälten Welt den Frieden zu bringen.

Der Heilige Vater setzte dann seine Katechesenreihe zur Theologie des heiligen Apostels Paulus fort und vertiefte die Beziehung zwischen der Lehre des Völkerapostels und der des heiligen Jakobus über den Zusammenhang von Glaube und Werken. Wenn es auch richtig sei, dass der Glaube ausreichend ist, um die Menschen zu rechtfertigen, das heißt sie vor Gott gerecht zu machen, so müsse dieser Glaube jedoch in den Werken Fleisch annehmen.

Es sei festzuhalten, dass „ein Mensch vor Gott gerecht wird, allein weil Gott uns seine Gerechtigkeit gibt, indem er uns mit seinem Sohn vereint". Das Heil komme nicht aus unseren Werken , sondern aus dem Glauben.

Der Glaube jedoch sei keine „Meinung", sondern die Gemeinschaft mit Christus und werde deshalb Leben. Das heißt für den Papst: „Er wird ein Gleichförmigsein mit Jesus, er wird Liebe, die zum Ausdruck kommt". Ohne diese Frucht „ist der Glaube tot".

Katastrophal also seien die Folgen eines Glaubens, der nicht in der Liebe Fleisch annimmt. Eine Gegenüberstellung der „Theologie des Heils durch den Glauben" (Paulus) und einer „Theologie des Heils durch die Werke" (Jakobus) ergebe sich aus der Verwechslung zweier Ebenen.

Während Paulus sage, dass der Glaube „notwendig und ausreichend" sei, hebe Jakobus dessen Folgen im Leben hervor, wenn er sage: „Ein Glaube ohne Leben ist tot". Paulus selbst, so erinnerte der Papst, hebe im Brief an die Galater die Beziehung zwischen dem Glauben und der Liebe und dem Glauben und den Werken hervor, wenn er sage: Der Glaube werde durch die Nächstenliebe wirksam.

„Was wäre eine allein auf den Herrn ausgerichtete Liturgie, ohne gleichzeitig Dienst an den Brüdern zu werden?", fragte sich der Papst. Paulus bekräftige, dass alle vor dem Richterstuhl Christi erscheinen müssten, um ihren Lohn für das zu erhalten, was sie getan haben, als sie „im Leib" waren - im Guten wie im Schlechten. Diese Haltung müsse den Christen Tag für Tag begleiten.

Die heutige Generalaudienz war auch die erste „ökologische" Audienz: Zum ersten Mal wurde die neue Solarstromanlage (ZENIT berichtete) benutzt, die auf dem Dach der Audienzhalle Paolo VI. installiert worden ist. Sie dient der Klimatisierung der Audienzhalle, die der größte Stromverbraucher des Vatikanstaates ist.

Das Solarkraftwerk auf dem Dach der Audienzhalle Paolo VI. hat eine Gesamtspitzenleistung von 221,59 Kilowatt. Mit der sauberen Stromproduktion sollen pro Jahr 225 Tausend Kilogramm Kohlendioxid vermieden werden. Die ästhetisch anspruchsvolle Anlage wurde mit hohem technischem und architektonischem Aufwand in das historische Ensemble der Vatikanstadt eingepasst. Sie ist eine Schenkung der SolarWorld AG.

Die erste Idee zur Errichtung der Solaranlage im Vatikan entstand bereits 2002. Der damalige Papst Johannes Paul II hatte Dipl.-Ing. Frank H. Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG, der ihm im Rahmen einer Generalaudienz eine Solarzelle übergeben hatte, ermutigt, in seinem Engagement für eine weltweite solare Energieversorgung fortzufahren.

Seit Übernahme des Pontifikats setzt sich Papst Benedikt XVI für Belange des Umwelt- und Ressourcenschutzes ein und verweist auf „die dringende Notwendigkeit, alternative Energiequellen zu entdecken, die sicher und allen zugänglich sind."