Benedikt XVI.: Der Sinn für Gott und den Sieg Christi macht frei

„Ist der Mensch wirklich glücklich, wenn er Gott aus seinem Horizont beseitigt?“

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ROM, 6. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Am gestrigen Sonntag eröffnete Papst Benedikt XVI. mit einem Gottesdienst in der Päpstlichen Basilika St. Paul vor den Mauern die 12. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche.



In seiner Predigt über die Lesungen vom 27. Sonntag im Jahreskreis erklärte der Heilige Vater, dass das „Bild vom Weinberg“ zusammen mit jenem der Hochzeit den göttlichen Heilsplan beschreibe. Es sei dies eine „bewegende Allegorie des Bundes Gottes mit seinem Volk“.

Das Evangelium von den mörderischen Winzern mache deutlich, dass das treulose Handeln der Winzer, die auch den Sohn des Weinbergbesitzers töten, um zu seinem Erbe zu gelangen, nicht mehr nur Ungehorsam darstelle, sondern eine „richtiggehende Verwerfung Gottes“.

Dieser Abschnitt aus dem Evangelium frage gerade die Art zu denken und zu handeln der Völker an, die die Verkündigung des Evangeliums erhalten haben. Oft sei bei den Gläubigen eine gewisse Kälte festzustellen. Infolgedessen habe Gott, auch wenn er niemals seiner Heilsverheißung entsagt habe, oft auf Züchtigung zurückgreifen müssen.

Viele christliche Gemeinden der Vergangenheit seien erloschen und fänden nur mehr in den Geschichtsbüchern Erwähnung. Für den Papst wirft das die Frage auf, ob dasselbe nicht auch in unserem Zeitalter geschehen könne.

„Nationen, die einst reich an Glauben und Berufungen waren, verlieren unter dem gefährlichen und zerstörerischen Einfluss einer bestimmten Art moderner Kultur immer mehr ihre Identität. Es gibt Menschen, die beschließen, dass ‚Gott tot ist’, und sich selbst zum ‚Gott’ erklären, und glauben, die einzigen Schöpfer ihres Schicksals und die Herren der Welt zu sein.“ Indem der Mensch sich Gottes entledige und nicht von ihm das Heil erwarte, glaube er, das tun zu können, was ihm gefalle, beziehungsweise selbst das Maß aller Dinge und der Maßstab allen Tuns zu sein.

„Ist aber der Mensch wirklich glücklich, wenn er Gott aus seinem Horizont beseitigt?“, fragte der Papst. „Wird der Mensch dann wirklich glücklich, wenn er Gott aus seinem Horizont fernhält, Gott für ‚tot’ erklärt? Wird er dadurch wirklich freier? Wenn die Menschen um jeden Preis ihr eigener Herr sein wollen und sich zu den einzigen Herren über die Schöpfung erheben, können sie dann wirklich eine Gesellschaft aufbauen, in der Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden herrschen? Ist es dann nicht eher so – wie es ja die täglichen Nachrichten zeigen –, dass sich die Willkür der Macht, egoistische Interessen, das Unrecht, die Ausbeutung, die Gewalt in all ihren Ausdrucksformen ausbreiten?“

Jesus verheiße: „Der Weinberg wird nicht zerstört werden.“ Sein Tod, der eine völlige Niederlage zu sein scheine, bezeichne den Anfang eines endgültigen Sieges. Auf sein schmerzvolles Leiden und seinen Tod am Kreuz folge die Herrlichkeit der Auferstehung. Die trostreiche Botschaft bestehe somit in der Gewissheit, dass das Böse und der Tod nicht das letzte Wort haben, sondern dass am Ende Christus siegen werde. Und die Kirche verkünde unermüdlich diese Frohe Botschaft.

Das Wort Gottes, so Papst Benedikt, fordere immer zu einer Antwort heraus; es erfordere die Mitarbeit des Menschen. Nur das Wort Gottes könne das Herz des Menschen in der Tiefe ändern. Daher sei es entscheidend, dass die Einzelnen und die kirchliche Gemeinschaft mit ihm in eine immer mehr anwachsende Vertrautheit einträten.

Der Papst betonte, dass man gerade im Paulus-Jahr mit besonderer Dringlichkeit den Ruf des Völkerapostels erschallen höre: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1 Kor 9,16).

Viele Menschen seien Christus noch nicht begegnet und warteten auf die erste Verkündigung seines Evangeliums. Andere seien, obwohl sie eine christliche Erziehung oder Bildung erhalten haben, lau geworden in ihrer Begeisterung. Sie hätten zum Wort Gottes nur mehr einen oberflächlichen Kontakt. Andere wiederum hätten sich von der Glaubenspraxis entfernt und bedürften einer Neuevangelisierung. Und zahlreiche Menschen guten Willens stellten sich grundlegende Fragen über den Sinn des Lebens und des Todes - Fragen, auf die nur Christus befriedigende Antworten geben könne.

Die Bischofssynode stelle besonders ins Licht, wie notwendig es ist, das Wort Gottes in den Mittelpunkt unseres Lebens zu setzen, Christus als unseren einzigen Erlöser, als das Reich Gottes in Person anzunehmen. Durch die Eucharistiefeier werde die enge Verbindung immer bewusster, die zwischen der Verkündigung des Wortes Gottes und dem eucharistischen Opfer bestehe: „Es ist dasselbe Geheimnis, das unserer Betrachtung dargeboten wird.“