Benedikt XVI.: "Die Liebe Gottes ist die wahre Kraft, die die Welt erneuert"

Ansprache vor dem Angelus-Gebet

| 431 klicks

ROM, 20. Februar 2006 (Zenit.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, am 7. Sonntag im Jahreskreis, vor dem Gebet des "Engel des Herrn" vom Fenstersims seines Arbeitszimmers aus gehalten hat. Vor mehreren Tausenden von Gläubigen betrachtete der Heilige Vater das Tagesevangelium und erinnerte daran, dass der sündige Mensch des Erbamens Gottes bedürfe. "Und Christus ist gekommen, um dem Menschen dieses Erbarmen zu schenken, damit seine ganze Existenz neu erblühen kann, weil er im Herz geheilt worden ist."



* * *



Liebe Brüder und Schwestern!

An diesen Sonntagen führt uns die Liturgie im Evangelium mehrere Heilungen vor Augen, die Christus gewirkt hat. Am vergangenen Sonntag war vom Aussätzigen die Rede, und heute ist ein Gelähmter an der Reihe, den vier Personen auf seiner Tragbahre zu Jesus trugen. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zum Gelähmten: "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben" (Mk 2,5). Durch diese Handlung zeigt Jesus, dass er vor allem den Geist heilen will. Der Gelähmte ist ein Bild für jeden Menschen, den die Sünde daran hindert, sich frei zu bewegen, auf dem Weg des Guten zu gehen und das Beste von sich zu geben. Tatsächlich schnürt das im Geist innewohnende Böse den Menschen mit den Stricken der Lüge, des Zorns, des Neids und der übrigen Sünden zu, und lähmt ihn ganz allmählich. Deshalb sagt Jesus, der damit bei den anwesenden Pharisäern Ärger hervorruft, zunächst: "Deine Sünden sind dir vergeben." Und um zu zeigen, dass ihm von Gott die Autorität verliehen worden ist, die Sünden zu heilen, fügt er erst danach hinzu: "Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause" (Mk 2,11), und heilt ihn vollständig. Die Botschaft ist klar: Der durch die Sünde gelähmte Mensch bedarf des Erbamens Gottes. Und Christus ist gekommen, um ihm dieses Erbarmen zu schenken, damit seine ganze Existenz neu erblühen kann, weil er im Herz geheilt worden ist.

Auch heute trägt die Menschheit Spuren der Sünde, die sie daran hindert, in den Werten der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens, die sie sich in feierlichen Erklärungen selbst zum Ziel genommen hat, weiterzukommen. Warum? Was blockiert ihren Weg? Was lähmt diese ganzheitliche Entwicklung? Wir wissen gut, dass die Ursachen auf historischer Ebene vielfältig und das Problem komplex ist. Aber das Wort Gottes lädt uns ein, einen Blick des Glaubens zu haben und gleich jenen Menschen, die den Gelähmten getragen haben, darauf zu vertrauen, dass nur Jesus wirklich heilen kann. Die grundlegende Entscheidung meiner Vorgänger, insbesondere des geliebten Johannes Paul II., bestand darin, die Menschen unserer Tage zu Christus, dem Erlöser, hinzuführen, damit er sie durch die Fürsprache der Unbefleckten Jungfrau Maria heilen kann. Auch ich wollte auf diesem Weg weitergehen. Mit meiner ersten Enzyklika "Deus caritas est" möchte ich den Gläubigen und der ganzen Welt in besonderer Weise Gott als die Quelle der echten Liebe zeigen. Nur die Liebe Gottes kann das Herz des Menschen erneuern, und nur, wenn diese Liebe die gelähmte Menschheit im Herzen heilt, kann diese aufstehen und gehen. Die Liebe Gottes ist die wahre Kraft, die die Welt erneuert.

Rufen wir gemeinsam die Fürsprache der Jungfrau Maria an, damit sich jeder Mensch der barmherzigen Liebe Gottes öffnet, und damit so die Menschheitsfamilie in ihrem Innersten von den Übeln, die sie quälen, geheilt werden kann.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals. Anschließend begrüßte der Heilige Vater in verschiedenen Sprachen die Pilgergruppen. Auf Deutsch sagte er:]

Gerne grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Gott hat seinen Sohn gesandt, um die Menschen mit sich zu versöhnen. Die Sünde trennt uns von Gott und macht uns krank. Jesus Christus ist der wahre Arzt, der uns an Leib und Seele heil macht. Der Herr schenke euch seine Gnade heute und an allen Tagen dieser Woche!