Benedikt XVI.: Die Liturgie nährt und fördert die "gemeinsame katholische Spiritualität"

Ansprache an den Klerus der Diözese Rom

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ROM, 10. März 2006 (Zenit.org).- Während seines Treffens mit dem Klerus der Diözese Rom rief Benedikt XVI. am 2. März zur Förderung der "gemeinsamen katholischen Spiritualität" auf. Der Schlüssel dazu liege in der Liturgie und ihrer "Geographie des Glaubens", erklärte der Papst in der "Aula delle Benedizioni" des Apostolischen Palastes.




In seiner Zeit als Erzbischof von München sei ihm bewusst geworden, wie sehr sich die Priesterausbildung im Laufe der Zeit verändert habe. "Als wir ins Seminar eintraten, hatten wir alle eine gemeinsame, mehr oder weniger reife katholische Spiritualität. Sagen wir, das geistliche Fundament war gemeinsam. Jetzt kommen [die Priesteramtskandidaten] von sehr verschiedenen geistlichen Erfahrungen her. Ich habe in meinem Seminar festgestellt, dass sie auf verschiedenen spirituellen 'Inseln' lebten, die sich schwer miteinander verbinden ließen. Umso mehr danken wir dem Herrn dafür, dass er der Kirche so viele neue Impulse und so viele neue Formen auch des geistlichen Lebens, der Entdeckung des Reichtums des Glaubens, geschenkt hat."

In diesem Zusammenhang erklärte Benedikt XVI.: "Es darf vor allem nicht die gemeinsame katholische Spiritualität vernachlässigt werden, die sich in der Liturgie und den großen Traditionen des Glaubens ausdrückt. Man darf nicht – wie ich vor Weihnachten vor der römischen Kurie gesagt habe (vgl. Weihnachtsempfang) – die 'Hermeneutik der Diskontinuität' leben. Man muss die 'Hermeneutik der Erneuerung' leben, die 'Spiritualität der Kontinuität', des Vorwärtsgehens in Kontinuität. Dies scheint mir auch hinsichtlich der Liturgie äußerst wichtig."

Um das Gesagte zu veranschaulichen, bezog sich der Papst auf die Stationskirche St. Georg, die für den Donnerstag nach dem Aschermittwoch vorgesehen ist. An diesem Tag seien einst zwei Lesungen vorgesehen gewesen, in denen es um heilige Soldaten ging. "Die erste erzählt von König Hskija, der aufgrund seiner Krankheit zum Tod verurteilt wird und den Herrn unter Tränen anfleht: Schenke mir noch ein bisschen Leben! Und der Herr ist gut und gewährt ihm, weitere siebzehn Jahre zu leben." Für diesen König und Soldaten sei dies eine großartige Genesung gewesen, und er habe seine Tätigkeiten wieder aufnehmen können. "Die zweite Lesung ist das Evangelium, das vom Offizier in Kafarnaum und seinem kranken Dienern handelt. Wir haben somit zwei Bilder: das der Heilung und das der 'militia Christi', des großen Kampfes.

Jetzt, in der heutigen Liturgie, haben wir zwei ganz andere Lesungen", fuhr Benedikt XVI. fort. "Wir haben die aus dem Buch Deuteronomium: "Wähle das Leben!", und das Evangelium: 'Folge Christus und nimm das Kreuz auf dich!', was bedeutet: Suche nicht das eigene Leben, sondern schenke das Leben! Das Evangelium ist somit eine Interpretation der Bedeutung des Wortes 'Wähle das Leben!'.

Der Heilige Vater bekannte vor den zahlreich erschienenen Priestern, dass er die Liturgie "immer sehr geliebt" habe. Mit ihren Lesungen und Gebeten sei sie geradezu eine "Geographie des Glaubens, die zu einer geistlichen Geographie der Pilgerfahrt mit dem Herrn wird". Während er früher über die Auswechslung der Lesungstexte etwas traurig gewesen sei, könne er heute erkennen, "dass gerade diese Lesungen sehr schön sind und das Programm der Fastenzeit zum Ausdruck bringen: das Leben wählen, das heißt das Ja zur Taufe erneuern, was ja gerade eine Wahl des Lebens ist. In diesem Sinn gibt es eine innere Kontinuität (…). Wir müssen die Neuheit akzeptieren, aber auch die Kontinuität lieben und das Konzil in dieser Optik der Kontinuität sehen." Das wird uns auch helfen, zwischen den Generationen in ihrer Art der Kommunikation zu vermitteln."