Benedikt XVI.: Die Verkündigung des Herrn und das Ja der Kirche

„Der Gehorsam des Sohnes spiegelt sich im Gehorsam der Mutter wieder“

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ROM, 26. März 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, am fünften Fastensonntag, zum Angelus-Gebet gehalten hat.



Der Heilige Vater betrachtete das Ja der Jungfrau Maria zur Verheißung des Engels Gabriel und wies darauf hin, dass dieses Ja, das sich mit dem Ja ihres Sohnes verbinde, in der Kirche fortlebe.

„Sie, die Missionare und Märtyrer, sind … ‚Hoffnung für die Welt‘, denn sie bezeugen, dass die Liebe Christi stärker ist als Gewalt und Hass. Sie haben das Martyrium nicht gesucht, aber sie waren bereit, ihr Leben hinzugeben, um dem Evangelium treu zu bleiben.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Der 25. März ist der Tag des Hochfests der Verkündigung des Herrn. Dieses Jahr fällt es auf einen Fastensonntag und wird deshalb morgen begangen. Dennoch möchte ich schon jetzt bei diesem wunderbaren Geheimnis des Glaubens innehalten, das wir jeden Tag beim Gebet des Angelus betrachten. Die Verkündigung, die am Beginn des Evangeliums des heiligen Lukas erzählt wird, ist ein demütiges, verborgenes Ereignis – keiner sah es, keiner hatte davon Kenntnis, nur Maria –, gleichzeitig aber ist es für die Geschichte der Menschheit von entscheidender Bedeutung.

Als die Jungfrau zur Verheißung des Engels ihr Ja sagte, wurde Jesus empfangen, und mit ihm begann die neue Ära der Geschichte, die dann am Osterfest als „neuer und ewiger Bund“ bestätigt werden sollte. In Wirklichkeit ist dieses Ja Mariens der vollkommene Abglanz von jenem Ja, das Christus selbst gesprochen hat, als er in die Welt eintrat, wie im Brief an die Hebräer in Form einer Interpretation des Psalm 40 geschrieben steht: „Da sagte ich: Ja, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle –, um deinen Willen, Gott, zu tun“ (Hebr 10,7).

Der Gehorsam des Sohnes spiegelt sich im Gehorsam der Mutter wieder, und so konnte Gott durch die Begegnung dieser beiden Ja das Antlitz eines Menschen annehmen. Das ist der Grund, weshalb die Verkündigung auch ein christologisches Fest ist, da sie ein zentrales Geheimnis Christi feiert: seine Menschwerdung.

„Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Die Antwort, die Maria dem Engel gegeben hat, lebt in der Kirche fort, die dazu berufen ist, Christus in der Geschichte gegenwärtig zu machen, indem sie ihre Verfügbarkeit anbietet, damit Gott weiterhin die Menschheit mit seiner Barmherzigkeit besuchen kann. Das Ja Jesu und Mariens erneuert sich so im Ja der Heiligen, vor allem im Ja der Märtyrer, die um des Evangeliums willen getötet werden.

Dies hebe ich hervor, indem ich daran erinnere, dass gestern, am 24. März, dem Jahrestag der Ermordung von Oscar Romero, des Erzbischofs von San Salvador, der Gebets- und Fasttag für die Missionare und Märtyrer begangen wurde: für Bischöfe, Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien, die bei der Erfüllung ihres Auftrags der Evangelisierung und der Förderung der Menschheit aus dem Leben gerissen wurden.

Sie, die Missionare und Märtyrer, sind – wie das Motto dieses Jahres sagt – „Hoffnung für die Welt“, denn sie bezeugen, dass die Liebe Christi stärker ist als Gewalt und Hass. Sie haben das Martyrium nicht gesucht, aber sie waren bereit, ihr Leben hinzugeben, um dem Evangelium treu zu bleiben. Das christliche Martyrium rechtfertigt sich nur als höchster Akt der Liebe zu Gott und den Brüdern und Schwestern.

In dieser Fastenzeit betrachten wir häufig die selige Jungfrau, die das in Nazareth ausgesprochene Ja auf dem Kalvarienberg besiegelt. Vereint mit Jesus, dem Zeugen der Liebe des Vaters, hat Maria das Martyrium der Seele erfahren. Rufen wir vertrauensvoll ihre Fürsprache an, damit die Kirche in Treue zu ihrer Sendung vor der ganzen Welt ein mutiges Zeugnis für die Liebe Gottes ablegt.

[Auf Deutsch sagte der Heilige Vater:]

Von Herzen heiße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Morgen feiert die Kirche das Hochfest der „Verkündigung des Herrn“. Dieses Fest birgt drei Kernmomente des Heilsmysteriums, die wir jedes Mal betrachten, wenn wir den „Engel des Herrn“ beten: Ein himmlischer Bote verkündet der Jungfrau Maria die Botschaft Gottes. Maria stellt sich ganz in den Dienst dessen, den sie als ihren Herrn erkennt. Und das ewige Wort Gottes wird Mensch.

Bitten wir die selige Jungfrau, dass auch wir uns in dieser Fastenzeit für den Anruf Gottes öffnen, damit Christus unter uns wohnen und wirken kann. Der Herr segne und behüte euch und eure Familien!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]