Benedikt XVI.: Die wahre Freiheit besteht darin, sich dem Willen Gottes anzugleichen

Mittwochskatechese über den heiligen Maximus Confessor

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ROM, 25. Juni 2008 (ZENIT.org).- Wahre Freiheit besteht nicht darin, Nein zu sagen und sich in sich selbst zu verschließen; wahre Freiheit ist ein Ja, ein Sich-Öffnen, indem der eigene Wille dem Willen Gottes angeglichen wird. Und das weist auch Werten wie Toleranz, Freiheit und Dialog, die heute zurecht verteidigt werden, ihren wahren Platz zu.



Diese Lehre, die dem Vorbild des heiligen Kirchenvaters Maximus Confessor (* 580; † 662) entnommen ist, stellte Benedikt XVI. während der Generalaudienz heute, Mittwoch, in den Mittelpunkt seiner Katechese. Der Papst hielt seine Ansprache in weiten Teilen in freier Rede.

Der Heilige habe sich seinen Titel – „Confessor“ (Bekenner) – durch seinen unermüdlichen Mut verdient, mit dem er für den Glauben Zeugnis ablegte, ihn „bekannte“. Dies erklärte der Heilige Vater vor den rund 30.000 Pilgern, die trotz der ungewöhnlich hohen Temperaturen, unter denen die Ewige Stadt in diesen Tagen leidet, auf dem Petersplatz zusammengekommen waren.

Maximus wurde im Jahr 580 n. Chr. in Palästina geboren und zu einem monastischen Leben und dem Studium der Heiligen Schrift bestimmt. Von Jerusalem übersiedelte er nach Konstantinopel und später nach Afrika. Dort verteidigte er voller Eifer die Rechtgläubigkeit, um die Menschheit Christi gegen jene zu schützen, die behaupteten, dass in ihm ausschließlich ein göttlicher Wille existierte.

Ein Mensch ohne Willen sei kein wahrer Mensch, betonte der Papst. Auch Jesus wäre ohne Willen kein wahrer Mensch gewesen und hätte das Drama des Menschsein nicht leben können. In Jesus Christus gebe es keinen Dualismus zwischen göttlichem und menschlichem Willen. Der Mensch dürfte nicht „aufgetrennt“ werden, um die Menschwerdung Christi zu erklären.

Für den heiligen Maximus seien diese Fragen keine rein philosophischen Spekulationen gewesen, sondern Wirklichkeiten im Leben Christi, wie dies besonders im Drama von Getsemani ersichtlich werde – „Nicht mein Wille geschehe, sondern der deine“.

Adam stehe für eine Menschheit, die denke, „dass das Nein das Maximum an Freiheit darstellt; dass nur der, der Nein sagen kann, wirklich frei ist“. Diese Neigung habe auch die Natur Christi in sich; er aber überwinde sie, da er sehe, „dass das Maximum der Freiheit nicht das Nein ist, sondern das Ja, die Konformität mit dem Willen Gottes“, die „Vereinigung seines Willens mit dem göttlichen Willen“.

Adam habe wie Gott sein wollen, fuhr Benedikt XVI. fort. Das Nein aber sei nicht der Weg, um das zu erreichen. Der Weg bestehe vielmehr in der Fähigkeit, „aus sich herauszugehen“. Nur so werde der Mensch wahrhaft frei. Der menschliche Wille müsse in den göttlichen Willen „hineingetragen“ werden. „Hier steht wirklich das gesamte Menschsein auf dem Spiel“, so der Papst, „das Ganze unseres Lebens.“

Benedikt XVI. erinnerte die Gläubigen daran, dass Maximus von Papst Martin I. nach Rom gerufen worden war. Dieser hatte gerade zur Verteidigung des Willens Christi im Jahr 649 im Lateran eine Synode einberufen, weshalb er vom Kaiser von Konstantinopel zum Tod verurteilt wurde. Maximus habe des Weiteren darauf bestanden, dass es unmöglich sei zu behaupten, dass es in Jesus nur einen einzigen Willen gäbe. Das kaiserliche Gericht habe ihn zur Amputation der Hand und der Zunge verurteilt. Er war 80 Jahre alt.

Leben und Werk des Maximus seien von einem äußersten Mut erhellt gewesen, von einem Mut, der weder Schattierungen gekannt noch Kompromisse zugelassen habe. So trete hervor, wie der Gläubige auch heute noch leben müsse, um seiner Berufung zu entsprechen und mit Gott vereint zu leben.

Das Ja Christi zeige uns den rechten Ort, den wir allen anderen Werten geben müssten, wie jenen, die heute zu Recht verteidigt werden. Dazu gehöre die Toleranz. Wenn diese aber nicht mehr fähig sei, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, so werde sie „chaotisch und selbstzerstörerisch“. Gleiches gelte für die Freiheit: Respektiert sie nicht die Freiheit des anderen und findet sie kein gemeinsames Maß für unsere Freiheiten, so werde sie zur Anarchie, die die Autorität zerstört. Der Dialog, der keine Ahnung mehr davon hat, worüber er geführt werden soll, werde zu einem reinen Geschwätz, so Benedikt XVI.

Alle Werte bedürften somit eines Bezugspunktes, und dieser sei Gott. Er mache es möglich, dass wir jedem dieser Werte den ihm gebührenden Platz zuweisen, jenen Ort, an dem er seine rechte Bedeutung hat.