Benedikt XVI.: Ein Angriff auf irakische Christen ist ein Angriff auf das ganze Land

Reaktion nach Terroranschlägen auf christliche Kirchen in Bagdad, Mossul und Kirkuk

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ROM, 11. Januar 2008 (ZENIT.org).- Ein Angriff auf die Christen im Irak ist ein Angriff auf das ganze Land. Das bekräftigte Benedikt XVI in einem Telegramm an Kardinal Emmanuel Delly III., dem chaldäischen Patriarch von Babylon, der in Bagdad residiert. In der Nachricht, die Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone am Donnerstag im Namen des Heiligen Vaters übermittelte, verurteilt der Bischof von Rom die Anschläge auf christliche Kirchen und Klöster am Sonntag und Mittwoch.



„Zutiefst betroffen von den Anschlägen auf christliche Einrichtungen in Bagdad, Mossul und Kirkuk bringt der Heilige Vater den Verletzten und ihren Familien gegenüber seine Verbundenheit zum Ausdruck“, heißt es in dem Telegramm.

„Er entbietet Ihnen, Seine Seligkeit, als Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz im Irak und den Erzbischöfen der betroffenen Städte seine brüderliche Zusicherung des Gebetes, in dem Unterfangen, ihrem Volk Hoffnung und Kraft zu schenken.“

In Mossul hatten die Terroristen die chaldäische Kirche vom heiligen Paulus und das Dominikanerinnenkloster ins Visier genommen, das schwer beschädigt wurde. In Bagdad richteten sich die Anschläge gegen die griechisch-orthodoxe Kirche vom heiligen Georg im Bezirk Saha Al Taharriyat, die chaldäische Kirche Mar Ghorghis in Ghadir und die chaldäische Kirche vom heiligen Paulus in Zafaraniya, die direkt neben einem Frauenkloster liegt.

Benedikt XVI. habe darum gebeten, seine „tief empfundene Solidarität mit den Oberen der religiösen Gemeinschaften, die angegriffen wurden“ den Betroffenen kundzutun. Gegenüber allen Christen im Irak wolle er „seine aufrichtigen Gefühle der Solidarität“ zum Ausdruck bringen.

„Eingedenk der Tatsache, dass solche Angriffe auch gegen das ganze irakische Volk gerichtet sind, appelliert Seine Heiligkeit an die Täter, auf diese Form von Gewalt zu verzichten, die so großes Leid unter der Zivilbevölkerung verursacht hat“, schreibt Kardinal Bertone. „Er ermutigt alle Verantwortungsträger zu erneuerten Anstrengungen mit Blick auf friedliche Verhandlungen, die auf eine gerechte Lösung der Probleme des Landes abzielen, unter Beachtung der Rechte aller Menschen.“

Papst Benedikt bete „für eine Rückkehr zur friedlichen Koexistenz der verschiedenen Gruppen, aus denen sich die Bevölkerung in diesem geliebten Land zusammensetzt“. Abschließend heißt es, dass der Papst „für alle Menschen im Irak den himmlischen Schutz unseres allmächtigen und barmherzigen Vaters“ erflehe.

Erst am Montag hatte Benedikt XVI. gegenüber den Vatikan-Botschaftern bekräftigt, dass die Versöhnung im Irak immer dringlicher werde. Am Dienstag hatte Premierminister Nuri al-Maliki gegenüber dem Apostolischen Nuntius im Irak bestätigt, dass die Regierung sich verpflichte, die Sicherheit von Christen zu gewährleisten.

Von März 2003, dem Zeitpunkt des Einmarsches der US-Streitkräfte, bis Juni 2006 sollen im Irak rund 151.000 Menschen durch Gewalt ums Leben gekommen sein, berichtete der römische „Osservatore Romano“ in seiner Tagesausgabe vom 11. Januar. Die Angaben basieren auf Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation WHO.

[Von Jesús Colina; Übersetzung aus dem Spanischen von Angela Reddemann]