Benedikt XVI. erklärt das Wesen des Kirchenrechts

Es ist vor allem „lex libertatis“, das heißt ein „Gesetz, das uns frei macht, um Christus anzugehören“

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ROM, 25. Januar 2008 (ZENIT.org).- „Das Wesen des kanonischen Rechts ist die Person des Christen in der Kirche“, erklärte Papst Benedikt XVI. heute, Freitag, während der Audienz für die Mitglieder des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten.

Das Gesetzbuch der katholischen Kirche (Codex Iuris Canonici, kurz CIC) feiert in diesem Jahr das 25. Jubiläum seiner Promulgation durch Papst Johannes Paul II. An der Ausarbeitung des nach dem CIC von 1917 erneuerten Gesetzbuches war auch Joseph Ratzinger als Erzbischof von München und Freising beteiligt. Wie Papst Benedikt XVI. heute erklärte, hat der Päpstliche Rat für die Interpretation von Gesetzestexten die Aufgabe, über die Vollständigkeit und die Aktualisierung der kirchlichen Gesetzgebung zu wachen und dafür zu sorgen, dass sie in sich stimmig ist.

Die Audienzteilnehmer hatten aus Anlass des Jubiläums in diesen Tagen an einer Studientagung zum Thema „Das kanonische Recht im Leben der Kirche. Forschung und Perspektiven im Zeichen der jüngsten Lehraussagen des Papstes“ teilgenommen.

Benedikt XVI. wies auf die enge Verbindung zwischen Kirchenrecht und kirchlichem Leben im Sinne Christi hin. Das kanonische Recht sei nicht nur eine Summe von Normen, die ausschließlich für das besondere Volk erlassen worden seien, das die Kirche Christi bilde. Die juridischen Richtlinien, die im CIC zusammengefasst sind, bildeten ein „bewundernswertes Mosaik“, in dem das Antlitz aller Gläubigen abgebildet werde – das der Laien genauso wie  das der Hirten und aller Gemeinschaften, von der Weltkirche bis hin zu den Teilkirchen.

Den italienischen Theologen, Philosophen und Seligen Antonio Rosmini zitierend, definierte Benedikt XVI. das Wesen des Kirchenrechts als „die Person des Christen in der Kirche“. Der CIC enthalte die vom kirchlichen Gesetzgeber erlassenen Normen zum Wohl des Menschen und der Gemeinschaften im ganzen mystischen Leib, der die Heilige Kirche sei. Die Gesetzgebung gehöre klar formuliert, und zwar immer „in Übereinstimmung mit den übrigen Gesetzen der Kirche“.

Aus diesem Grund sei es notwendig, überholte Normen abzuschaffen, zu korrigierende Normen zu modifizieren, im Licht des lebendigen Lehramts der Kirche jene Normen zu interpretieren, die Anlass zu Zweifel geben, und eventuelle „lacunae legis“ auszufüllen.

Die vielen offensichtlichen Möglichkeiten von Flexibilität sollten beachtet werden und Anwendung finden, fuhr der Papst fort. Gerade sie hätten das kanonische Recht immer ausgezeichnet.

Das Gesetz der Kirche ist nach Worten Benedikts XVI. vor allem „lex libertatis“, das heißt ein „Gesetz, das uns frei macht, um Christus anzugehören“. Aus diesem Grund sei es notwendig, allen, die dazu aufgerufen sind, das Gesetz der Kirche zu befolgen, dessen konkretes Band mit dem kirchlichen Leben zum Schutz der Interessen der göttlichen Dinge und der Rechte der Schwächsten vor Augen zu führen.