Benedikt XVI. erlässt neue Regeln für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse

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ROM, 9. Januar 2008 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat neue Regeln für den Beginn und Ablauf der Selig- und Heiligsprechungsprozesse erlassen. Das neue Dokument, das die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse in den nächsten Tagen veröffentlichen wird, geht vom Prinzip der größeren „Strenge und Nüchternheit“ aus. Die bevorstehende Veröffentlichung des 20-seitigen Dokuments wurde heute, Mittwoch, vom Präfekten der Kongregation, Kardinal José Saraiva Martins, in einem Gespräch mit der halboffiziellen Zeitung des Vatikans, dem „Osservatore Romano“, angekündigt.

Die neuen disziplinären Normen für den Ablauf der Prozesse betreffen die diözesane Phase der Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Wie Benedikt XVI. bereits in der Audienz für die Postulatoren und Mitarbeiter der Kongregation am 17. Dezember 2007 erklärte, sind alle Mitarbeiter bei den Prozessen zu Selig- und Heiligsprechungen ausschließlich dem Dienst an der Wahrheit verpflichtet. Deshalb müsse, so der Papst während der Begegnung, in der Anfangsphase des Verfahrens, auf Bistumsebene, nicht nur das positive, sondern auch das negative Material gesammelt werden. Die Objektivität und Vollständigkeit der in der ersten Phase gesammelten Beweise müsse dann natürlich auch der Phase der „Positiones“ entsprechen, die in den Aufgabenbereich der Kongregation fällt.

Mit dem neuen Dokument fordert der Papst von Bischöfen und Postulatoren eine größere Aufmerksamkeit bei der Entscheidung, ob ein Prozess zur Selig- oder Heiligsprechung aufgenommen werden soll oder nicht. Um die neuen Normen vorzustellen, wird die Kongregation eine Reihe von Studientagen organisieren, während derer die neuen Instruktionen erklärt werden.

Das Dokument will, wie Kardinal Saraiva Martins erklärte, „den Bischöfen mehr Nüchternheit und eine größere Strenge ans Herz legen, wenn es darum geht, den Antrag für die Aufnahme eines Verfahrens zu akzeptieren“. Der Kurienkardinal wies zugleich den Verdacht zurück, dass der Heilige Vater mit den neuen Instruktionen all jenen antworte, die in den letzten Zeiten der Kirche vorgeworfen haben, eine „Heiligenfabrik“ zu sein.

„Wer von ‚Heiligenfabrik‘ spricht, verdient es nicht einmal, dass man ihm antwortet“, so Kardinal Saraiva. „Es handelt sich nur um Menschen, die die Größe der Heiligkeit nicht verstehen und somit sich wissen, dass man heilig ist und nicht dazu gemacht wird.“

Die „Instructiones“ seien notwendig geworden, um besser auf „den neuen Geist zu antworten, der von Benedikt XVI. in die Verfahren des Ritus der Seligsprechungen eingeführt worden ist“. Es handle sich um sehr wichtige Neuerungen, die darauf abzielten, auf wirksame Weise die Theologie der Ortskirche hervorzuheben.

„Die Seligsprechung eines Diener Gottes in der Kirche, der er angehört, ist etwas, das die ganze Gemeinde in kompakter Weise lebt, in einer Atmosphäre des Glaubens, die sich in eine große Freude und ein kirchliches Fest darüber verwandelt, dass einer von ihnen zu den Ehren des Altares erhoben wurde.“

Gerade aber aufgrund dieses neuen Stellenwertes sei es notwendig, mit noch größerer Vorsicht und Sorgfalt vorzugehen.

Zum Prozess für die Seligsprechung Papst Johannes Pauls II. erklärte Kardinal Saraiva Martins, dass Benedikt XVI. eine Verkürzung der vorgesehenen Zeit für die Aufnahme des diözesanen Verfahrens autorisiert hatte. Diese Phase des Prozesses sei am 2. April 2007 abgeschlossen worden. Jetzt befinde sich der Prozess in der römischen Phase, und es werde die „Positio“ ausgearbeitet, die alle Dokumente und Stellungnahmen enthält, die notwendig sind, damit die Kardinäle, Bischöfe und Theologen des Dikasteriums ihre Bewertungen vornehmen können. Nach der Fertigstellung wird die Positio von den verschiedenen Organismen der Kongregation untersucht. „Von Zeiten und Daten ist bisher nicht gesprochen worden“, so der Kardinal.