Benedikt XVI. erläutert die Kernaussagen seiner dritten Enzyklika

Generalaudienz im Zeichen von „Caritas in veritate“

| 2441 klicks

ROM, 8. Juli 2009 (ZENIT.org).- Einen Tag nach der Veröffentlichung seiner dritten Enzyklika Caritas in veritate nutzte Papst Benedikt XVI. heute, Mittwoch, die vorletzte Generalaudienz vor den Sommerferien, um die Kernaussagen seines neuen Lehrschreibens zu erläutern.



Aufgrund der großen Hitze sowie aus Sicherheitsgründen wegen der Anwesenheit einiger der „First Ladies“ der zum G8-Gipfel in Rom und L’Aquila versammelten Staats- und Regierungschefs fand die Audienz diesmal in der Audienzhalle Pauls VI. statt.

Benedikt XVI. wies gleich zu Beginn der Begegnung vor den rund 6.000 Pilgern darauf hin, dass seine Enzyklika nicht darauf abziele, „technische Lösungen für die großen sozialen Fragestellungen der heutigen Welt anzubieten – dies liegt nicht in der Kompetenz des Lehramts der Kirche“. Mit seinem Schreiben wolle er vielmehr jene wichtigen Prinzipien in Erinnerung rufen, „die für den Aufbau der menschlichen Entwicklung der nächsten Jahre unverzichtbar sind“.

Zu diesen unentbehrlichen Prinzipien gehören nach Worten Benedikts XVI. „die Aufmerksamkeit gegenüber dem Leben des Menschen; die Beachtung des Rechts auf Religionsfreiheit; die Ablehnung einer prometheischen Sicht des Seins des Menschen, die ihn für den absoluten Herrn seines Schicksal hält“.

Ein unbegrenztes Vertrauen in die Möglichkeiten der Technologie würde sich am Ende als illusorisch erweisen, hob der Papst hervor. „Ohne rechtschaffene Menschen, ohne Wirtschaftsfachleute und Politiker, die in ihrem Gewissen den Aufruf zum Gemeinwohl nachdrücklich leben, ist die Entwicklung nicht möglich“ (Caritas in veritate, 71).

Benedikt XVI. bekräftigte, dass eine bessere Zukunft für alle Menschen möglich sei, wenn diese Zukunft auf die Neuentedeckung der ethischen Grundwerte begründet werde. Es bedürfe auch einer „neuen Wirtschaftsplanung“, die die Entwicklung auf globale Weise neu konzipiere. Ihr ethisches Fundament müsse die Verantwortung vor Gott und vor dem Menschen als Gottes Geschöpf sein.

Angesichts der Nöte unserer Zeit hob der Papst hervor, wie wichtig es sei, „unsere Aufmerksamkeit auf das Drama des Hungers und der Nahrungsmittelsicherheit zu lenken“. Ein beachtlicher Teil der Menschheit sei davon betroffen, deshalb müsse dieses Problem entschlossen angegangen werden. Die strukturellen Ursachen von Hungers müssten beseitigt und die Landwirtschaft in den ärmsten Ländern angekurbelt werden.

Damit sich die ärmsten Länder der Welt besser entwickeln könnten, sei Solidarität erforderlich, so Papst Benedikt. Nur so könne ein Projekt zur Lösung der aktuellen globalen Krise erarbeitet werden.

Benedikt XVI. rief in diesem Zusammenhang dazu auf, unbedingt auch die Rolle und die politische Macht der Staaten mitzubedenken. Dies sei gerade in der heutigen Zeit notwendig, in der die nationale Souveränität aufgrund der neuen internationalen Wirtschafts-, Handels- und Finanzbeziehungen de facto beschränkt werde.

Papst Benedikt XVI. ermutigte die Bürger, sich in der nationalen und internationalen Politik zu Wort zu melden. Konkret riet er zum Engagement in Arbeitnehmervereinigungen, die die Berufung hätten, auf lokaler und internationaler Eben neue Synergien entwickeln. Ein „ernsthaftes Nachdenken über den Sinn der Wirtschaft und ihrer Zielsetzung“ sei die Voraussetzung für jeden echten Fortschritt.

„Die Wirtschaft benötigt die Ethik für ihr korrektes Funktionieren. Der Profit allein darf nicht die einzige Regel sei. Das Prinzip der Unentgeltlichkeit und der ‚Logik des Geschenks’ muss einen neuen Platz in der Marktwirtschaft bekommen.“

Darüber hinaus sei generell ein bescheidenerer Lebensstil erforderlich, was jeden Menschen angehe. In diesem neuen Lebensstil sollten sich die Pflichten gegenüber der Umwelt mit denen gegenüber der Person verbinden. Die Person sollte überhaupt neu in den Blick genommen werden.

„Die Menschheit ist eine einzige Familie, und der fruchtbare Dialog zwischen Vernunft und Glaube kann sie nur bereichern und so das Werk der Nächstenliebe im sozialen Bereich wirksamer machen“, führte Papst Benedikt aus. Leitkriterien für diese „brüderliche Interaktion“ seien Subsidiarität und Solidarität.

Die heutige Notsituation mache zudem eine „dem Recht untergeordnete politische Weltautorität“ erforderlich, die sich an die genannten Prinzipien halte und eindeutig auf die Verwirklichung des Gemeinwohls ausgerichtet sei – „unter Wahrung der großen moralischen und religiösen Traditionen der Menschheit“.

Abschließend erinnerte Benedikt XVI. die Gläubigen an das Wort aus dem Evangelium, nach dem der Mensch nicht vom Brot allein lebe. Der Durst des Herzens, so Papst Benedikt, könne nicht nur durch materielle Güter gestillt werden. „Der Horizont des Menschen ist höher und weiter! Aus diesem Grund muss jedes Entwicklungsprogramm neben dem materiellen Wachstum dem geistlichen Wachstum der Person Rechnung tragen.“

Schließlich betete Benedikt XVI. für alle Verantwortlichen der G8-Staaten, die in diesen Tagen in L’Aquila über die zukünftige Wirtschafts- und die Klimapolitik beraten. „Ich vertraue ihre großen Vorhaben der Jungfrau Maria an. Von diesem bedeutenden internationalen Gipfel können Entscheidungen und Orientierungen ausgehen, die dem wahren Fortschritt aller Völker und vor allem dem Fortschritt der ärmeren Völker dienen.“