Benedikt XVI. ermuntert dazu, das Wort Gottes zur Mitte des Lebens zu machen

Generalaudienz im Zeichen des heiligen Hieronymus (* 347 ; † 30. September 419/420)

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ROM, 7. November 2007 (ZENIT.org).- „Was können wir vom heiligen Hieronymus lernen? Mir scheint, vor allem dies: das Wort Gottes in der Heiligen Schrift zu lieben“, erklärte Benedikt XVI. heute Vormittag vor Tausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.



„Wir dürfen nie vergessen, dass das Wort Gottes über die Zeiten hinausgeht“, bekräftigte der Papst. „Die Meinungen der Menschen kommen und gehen. Was heute sehr modern ist, wird morgen sehr alt sein. Das Wort Gottes hingegen ist Wort des ewigen Lebens, es trägt in sich die Ewigkeit - das, was für immer gilt.“

Der Heilige Vater ließ das Leben des heiligen Kirchenvaters Hieronymus aus dem vierten beziehungsweise fünften Jahrhundert wie einen Film vor dem geistigen Auge seiner Zuhörer vorbeiziehen und charakterisierte dabei den Heiligen als großen Gelehrten, päpstlichen Berater, Bibelwissenschaftler, Asket und Seelenführer, der von Natur aus allerdings auch mit einem „schwierigen und feurigen“ Naturell ausgestattet gewesen sei, was mitunter zu Spannungen führte und ihn bewegte, schließlich – im Jahr 386 – nach Bethlehem zu übersiedeln, wo er bis zu seinem Tod am 30. September 419 oder 420 intensiv weiterarbeiten sollte.

„Er kommentierte das Wort Gottes, verteidigte den Glauben und widersetzte sich kraftvoll den verschiedenen Irrlehren“, mit diesen Worten fasste Benedikt XVI. diese knapp 34 Jahre zusammen. „Er ermahnte die Mönche zur Vollkommenheit, führte seine jungen Schüler in die klassische und christliche Kultur ein und nahm die Pilger, die das Heilige Land besuchten, in pastoraler Gesinnung auf.“

Hieronymus, der für die „offizielle“ lateinische Bibelübersetzung der Kirche, die so genannte „Vulgata“, verantwortlich ist, habe die Bibel in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt und sein Tun und Denken am Wort Gottes ausgerichtet. Der Kern seiner Botschaft lässt sich nach Worten des Heiligen Vaters somit in dem bekannten Wort des Heillgen festmachen: „Die Heilige Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.“ Und Papst Benedikt fügte hinzu: „Deshalb ist es wichtig, dass jeder Christ in Berührung und in persönlichem Dialog mit dem Wort Gottes lebt, das uns in der Heiligen Schrift geschenkt ist.“

Das Gespräch mit dem Wort Gottes müsse immer zwei Dimensionen aufweisen: Einerseits gehe es um einen „wirklich persönlichen Dialog“, denn Gott spreche ja durch die Heilige Schrift auch heute noch jeden an, und für jeden habe er eine bestimmte Botschaft. „Wir dürfen die Heilige Schrift nicht als Wort der Vergangenheit lesen, sondern als Wort Gottes, das auch an uns gerichtet ist, und wir müssen versuchen zu verstehen, was uns der Herr sagen will.“ Andererseits müsse man aber auch darauf achten, „nicht dem Individualismus zu verfallen“: Das Wort Gottes sei den Menschen gerade gegeben, um Gemeinschaft zu stiften und miteinander zu verbinden. „Obwohl es also immer ein persönliches Wort ist, ist es auch ein Wort, das Gemeinschaft errichtet, das die Kirche errichtet. Deshalb müssen wir es in Gemeinschaft mit der lebendigen Kirche lesen.“

Die Liturgie ist nach Worten Benedikts XVI. der „vorzügliche Ort der Lesung und des Hörens des Wortes Gottes“, denn „durch die Feier des Wortes und die Vergegenwärtigung des Leibes Christi im Sakrament“ verwirklichten die Gläubigen das Wort in ihrem Leben und machten es unter sich gegenwärtig.

Mit dem Hinweis auf den Ewigkeitswert des Wort Gottes beschloss der Bischof von Rom seine Katechese. „Indem wir in uns das Wort Gottes tragen, tragen wir in uns das Ewige, das ewige Leben.“

Die Pilger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ermutigte Benedikt XVI., sich für „diesen großen geistlichen Schatz“, den die Bibel darstellt, zu öffnen, um in der eifrigen und gläubigen Schriftlesung dem Beispiel des heiligen Hieronymus zu folgen.