Benedikt XVI. ermutigt brasilianische Bischöfe zu beherzter Evangelisierung

Verkündigung und Unterstützung für die Armen gehen Hand in Hand

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SAO PAOLO, 12. Mai 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. erinnerte am Freitag mehr als 400 brasilianische Bischöfe daran, dass eine mangelhafte Verkündigung der Glaubenswahrheiten in hohem Maße für den Austritt von Katholiken aus der Kirche verantwortlich sei. Deshalb ermutigte der Papst zu einer „Pastoral der Annahme“, die die gelebte Solidarität mit einschließe. Vor allem die Armen und Notleidenden müssten die Nähe der Kirche verstärkt erfahren.



Der Heilige Vater wies während des Vespergottesdienstes in der Kathedrale von São Paulo auf das Ziel der Kirche hin: „das Heil jeder einzelnen Seele“. Die Hirten des größten katholischen Landes seien angesichts dieser Vorgabe genauso wie die Hirten in allen anderen Teilen der Welt dazu aufgerufen, „die Wahrheit des Glaubens, die dringliche Notwendigkeit des sakramentalen Lebens und das Versprechen Christi zu verkünden, seiner Kirche stets beizustehen“. Konkret bedeute das, „die Menschen im Glauben und in der christlichen Moral zu unterrichten und die Sakramente zu feiern“, erklärte Papst Benedikt.

„Wo Gott und sein Wille unbekannt sind, wo der Glaube an Jesus Christus und seine sakramentale Gegenwart fehlt, dort fehlt auch das zentrale Element zur Lösung der drückenden sozialen und politischen Probleme. Die Treue zum Primat Gottes und zu seinem Willen, der in der Gemeinschaft mit Jesus Christus erkannt und gelebt wird, ist die wesentliche Gabe, die wir Bischöfe und Priester unserem Volk zu bieten haben.“

Der Heilige Vater führte in der Folge einige Herausorderungen an, die die Bischöfe zu bewältigen haben – große Orientierungslosigkeit, Angriffe auf die Heiligkeit von Ehe und Familie sowie auf die menschliche Würde, Verbrechen gegen das Leben –, um schließlich auf das Problem der Sekten und die Abwanderung von Katholiken aus der Kirche sprechen zu kommen.

Nach Informationen des Statistischen Zentralamts in Brasilien erlebten die Katholikenzahlen in den 90er-Jahren einen drastischen Rückgang: Während sich im Jahr 1991 noch 83,3 Prozent der Gesamtbevölkerung als katholisch betrachteten, waren es im Jahr 2000 nur noch 73,89 Prozent.

„Es scheint klar auf der Hand zu liegen, dass die Hauptursache für dieses Problem – unter anderem – dem Mangel an einer Evangelisierung zugeschrieben werden kann, in der Christus und seine Kirche im Mittelpunkt aller Erklärungen stehen“, erläuterte der Papst.

In den vergangenen Jahren lässt sich beim kontinuierlichen Rückgang der Katholikenzahlen in Brasilien, der seit mehr als einem Jahrhundert andauert, eine leichte Trendwende erkennen: Im Jahr 2000 stellten die Katholiken 73,89 Prozent der Gesamtbevölkerung, im Jahr 2003 immerhin 73,79 Prozent.

„Die Menschen, die für den aggressiven Proselytismus der Sekten, der zu Recht Anlass zur Sorge gibt, am verwundbarsten sind und die nicht in der Lage sind, dem Ansturm des Agnostizismus, des Relativismus und des Laizismus standzuhalten, sind im Allgemeinen jene Gläubigen, die nicht ausreichend evangelisiert wurden und leicht zu beeinflussen sind, weil ihr Glaube schwach ist und mitunter konfus, wankelmütig und naiv.“

Aus diesem Grund rief Benedikt XVI. die brasilianischen Bischöfe dazu auf, die apostolische Arbeit als eine „echte Mission im Inneren jener Herde“ anzusehen und zu verwirklichen, die die katholische Kirche bilde. Diese „methodische Evangelisierung“ müsse am „persönlichen und gemeinschaftlichen Festhalten an Christus“ orientiert sein.

Keine Mühen dürften gescheut werden, um jene Katholiken zu suchen, die sich von der Kirche entfernt hätten, und all jene, die wenig oder nichts über Jesus Christus wüssten. Diese Menschen müssten die Kirche als einen „bevorzugten Ort der Begegnung mit Gott“ kennen lernen, bekräftigte der Papst, der in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit einer Katechese verwies, die das christliche Leben begleitet und immer tiefer in den Glauben an Gott einführt.

Benedikt XVI. ermutigte die Hirten zur Entsendung von Ordensleuten oder Laienmissionaren in die Vororte der Großstädte und in das Innere des Landes; ihre Aufgabe bestehe darin, mit allen den Dialog zu suchen und dabei Verständnis und feinfühlige Liebe an den Tag zu leben.

„Wenn aber die Menschen, denen sie begegnen, in Armut leben, dann ist es notwendig, ihnen zu helfen, so wie es die ersten christlichen Gemeinden getan haben.“ Angesichts von Notlagen gelte es, Solidarität zu üben, „damit sie sich wirklich geliebt fühlen“.

Der Kirche kommt nach Worten Benedikts XVI. die Aufgabe zu, den Bedürftigen in ihrer Not zu Hilfe zu eilen, deren Rechte zu verteidigen und sich für eine Gesellschaft einzusetzen, die auf Gerechtigkeit und Frieden gründet.

Nach der Begegnung mit den brasilianischen Bischöfen wurde Papst Benedikt XVI. mit dem Helikopter nach Aparecida gebracht, zum größten Marienwallfahrtsort des Landes, wo er morgen, Sonntag, die 5. Generalversammlung des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats eröffnen wird.

Am Samstagvormittag (10.30 Uhr Ortszeit, 15.30 Uhr MEZ) besuchte der Bischof von Rom die Gemeinschaft der „Farm der Hoffnung“ in Guaratinguetá, ein Rehabilitationszentrum für Jugendliche, die mit der Drogensucht und anderen Süchten und Problemen zu kämpfen haben.

Ein Mittagessen mit den Vorsitzenden der Generalversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) sowie eine Vigil mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Diakonen in der Basilika von Aparecida vervollständigten das Samstagsprogramm des Papstes.