Benedikt XVI. ermutigt sardinische Jugend zu Höherem

„Jedes schöne Geschöpf verweist auf die Schönheit des Schöpfers“

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ROM, 8. September 2008 (ZENIT.org).- Begeisterte Aufnahme - dies war das Merkmal, das die Begegnung Papst Benedikts XVI. mit den Jugendlichen am gestrigen Nachmittag in Cagliari auszeichnete. Ein „kleiner Weltjugendtag, aber auf sardisch“, wie der Papst vor den Tausenden von Jugendlichen scherzend anmerkte, die ihn stürmisch empfingen. Die drei Themen, die er ihnen besonders ans Herz legte, waren Familie, Bildung und Glaube.

In seiner Ansprache betonte der Papst, dass die Jugend eine hoffnungsvolle Zukunft für die Insel repräsentiere. Er kenne ihre Probleme, aber auch ihre Begeisterung, ihre Wünsche und ihr Engagement. Arbeitslosigkeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, Emigration und das Abwandern der frischeren und unternehmenden Kräfte sowie die damit verbundenen psychologischen, moralischen und sozialen Schäden, die dies mit sich bringen könne – der Papst nahm die Sorgen der Jugend auf.

„Und was soll man dann noch sagen zu unserer heutigen Konsumgesellschaft, in der Verdienen und Erfolg die neuen Götzen geworden sind, vor denen sich alle niederwerfen?“ Die Folge davon sei, dass heute nur noch demjenigen Wert beigemessen werde, der gut verdiene und „bekannt“ geworden sei, gewiss aber nicht dem, der sich Tag für Tag mühsam mit seinem Alltag herumschlagen müsse.

„Der Besitz von materiellen Gütern und der Applaus der Leute haben jene Arbeit an sich selbst ersetzt, die dazu dient, den Geist zu formen und eine echte Persönlichkeit auszubilden“, erklärte Benedikt XVI. So laufe man Gefahr, oberflächlich zu werden und der Versuchung nachzugeben, gefährliche Abwege einzuschlagen. Die Tendenz zum Individualismus steige, was eine höhere persönliche Gebrechlichkeit mit sich bringe.

Demgegenüber schlug Benedikt XVI. eine neue Aufwertung von Familie, Bildung und Glaube vor. Vor allem die Familie müsse als „altes heiliges Erbe“ bewahrt werden, wie der Papst mit einem Wort Johannes Pauls II. bekräftigte. Damit das gelingen könne, müsse man sich angesichts der heute vorherrschenden Mentalität entsprechend vorbereiten.

Heute seien nämlich andere Formen des Zusammenlebens modern. „Manchmal benutzt man den Begriff ‚Familie’ für Partnerschaften, die in Wirklichkeit keine Familien sind.“ Der Papst beklagte darüber hinaus, dass die Ehepartner aufgrund des Einflusses der Umgebung nur mehr eingeschränkt in der Lage seien, die Familie zu verteidigen.

Benedikt XVI. rief die Jugend dazu auf, sich wieder den Wert der Familie anzueignen: „Liebt sie nicht nur aus Tradition, sondern aus einer reifen und bewussten Entscheidung heraus: Liebt eure Herkunftsfamilie, und bereitet euch vor, auch jene zu lieben, die ihr mit Hilfe Gottes selbst bilden werdet.“

Der Papst ermutigte alle zu einer ernsthaften intellektuellen und moralischen Bildung und wies dabei auf den Erziehungsnotstand hin, dem man entschieden entgegentreten müsse. Die Jugend solle zur „Freiheit der Wahrheit“ gelangen. Der moderne Nihilismus jedoch predige das Gegenteil: dass die Freiheit wahr mache – doch dadurch komme es zur Ungerechtigkeit, unterstrich der Papst.

Das materielle Brot reiche nicht aus, um voll menschlich zu leben. Dieses „Brot“ könne aber der Glaube geben, als Substanz des Lebens. Wenn nämlich das Geheimnis Gottes verloren gehe, dann gehe auch das Geheimnis von allem anderen zugrunde.

Der Glaube sei, so Papst Benedikt, eine „Weise, die Wirklichkeit zu sehen; eine Weise zu denken; eine innere Sensibilität, die das Menschsein als solches bereichert“.

Abschließend erinnerte der Heilige Vater die jungen Menschen daran, dass auch Augustinus einen schweren Weg gehabt habe und dass wie er alle die symbolische Berufung des Geschöpfs zu etwas Höherem verspürten.

„Jedes schöne Geschöpf verweist auf die Schönheit des Schöpfers“, so Benedikt XVI. Diese Schönheit finde man konzentriert im Antlitz Jesu.