Benedikt XVI. eröffnet den Kirchenkongress der Diözese Rom

Die christliche Hoffnung, Grundlage der Gesellschaft

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ROM, 10. Juni 2008 (ZENIT.org).- „Jesus ist auferstanden: Erziehung zur Hoffnung im Gebet, im Handeln und im Leiden“: Unter diesem Thema steht der diesjährige Kirchenkongress der Diözese Rom, den Papst Benedikt XVI. am gestrigen Abend in der Lateranbasilika, der Mutter aller Kirchen der Stadt und des Weltkreises, feierlich eröffnet hat.



Die Priester, Diakone, Ordensleute, Vertreter der Bewegungen sowie die Gläubigen der Ewigen Stadt hatten die Kathedrale Roms dicht gefüllt, um den Anregungen des Papstes für die dreitägigen Arbeiten des Kongresses folgen, während derer der Pastoralplan für das kommende Jahr ausgearbeitet wird.

Benedikt XVI. rief in seiner Ansprache die Römer dazu auf, jeden Tag zur Hoffnung zu erziehen, die im Leiden zur Reife gelangt. Die Erziehung ist für den Papst unter dem Gesichtspunkt der „theologalen“ Tugend zu sehen, die sich am Glauben und am Vertrauen in Gott nährt, der sich in Jesus Christus als wahrer Freund des Menschen offenbart hat. Dies solle das pastorale Ziel der Diözese für das kommende Jahr sein.

Die Hoffnung dessen, der an Gott glaubt, richte sich nicht nur nach dem ewigen Leben aus, sondern verwandle das alltägliche Dasein. Sie gebe den kleinen Hoffnungen einen Sinn, dies in einer Gesellschaft und in einer Kultur, innerhalb derer es nicht leicht ist, im Zeichen der christlichen Hoffnung zu leben.

Der Papst wies auf den allgemein verbreiteten Eindruck hin, dass den neuen Generationen eine Zukunft der Unsicherheit und des prekären Lebens bevorsteht. Mangelndes Vertrauen, Enttäuschung und Resignation wiedersprächen jedoch der großen Hoffnung des Glaubens. „Unsere Zivilisation und unsere Kultur, die seit 2000 Jahren und dabei besonders hier in Rom Christus begegnet sind, wären ohne seine Gegenwart nicht erkennbar. Dennoch tendieren sie dazu, Gott auszuklammern, das persönliche und soziale Leben ohne ihn zu organisieren und der Meinung zu sein, dass von Gott nichts erkannt werden kann, oder gar seine Existenz zu leugnen“. Werde aber Gott beiseite gelassen, so würden alle kleinen und großen Hoffnungen auf einem Nichts basieren.

Um zur Hoffnung zu erziehen, ist es für den Bischof von Rom vor allem nötig, die Herzen, den Verstand und das ganze Leben für Gott zu öffnen.

Die Erziehung zur Hoffnung muss für den Papst durch die Erziehung zum Gebet erfolgen, das nie in Einsamkeit verrichtet wird. „Beten reinigt, befreit von den geheimen Lügen, öffnet für Gott und den Nächsten“, so Benedikt XVI.

Der Heilige Vater forderte sodann eine gemeinsame Anstrengung, um den Übeln und Problemen der Stadt Rom zu begegnen. Dazu bedürfe es der Erziehung und der Bildung der Person. Gleichermaßen erforderlich sei ein Geist der Zusammenarbeit, um den konkreten Problemen dessen entgegenzutreten, der mit ihnen lebt.

Benedikt XVI. erklärte, dass vor allem eine Kultur und eine soziale Organisation gefördert werden sollen, die familienfreundlich und für das Leben offen sind. Darüberhinaus solle es zu einer Aufwertung der alten Menschen kommen, die einen großen Teil der römischen Bevölkerung ausmachen. „Wir werden dafür arbeiten“, so der Papst, „um eine Antwort auf jene Grundbedürfnisse zu geben, die in der Arbeit und in der Wohnung bestehen“. Die gelte besonders für die jungen Menschen.

Die Katholiken würden dazu beitragen, damit die Stadt sicherer und lebbarer wird. Damit verbunden werde sich die römische Kirche dafür einsetzen, dass die Stadt für alle Menschen offen ist, besonders für die Armen. Gerade auch die Immigranten, die nach Rom kommen, um einen Lebensraum in Achtung der Gesetze zu finden, dürften aus diesem Prozess nicht ausgeschlossen werden.

Demut, großes Vertrauen, Hartnäckigkeit und Mut: dies seien die auszeichnenden Elemente dessen, der seine Hoffnung vor allem in Gott legt. Der Gläubige wisse, dass sein Leben und Wirken nie fruchtlos und sinnlos sind, dass sie in der unzerstörbaren Macht der Liebe Gottes geborgen sind.

So wird es für Benedikt XVI. verstehbar, dass die christliche Hoffnung auch im Leiden lebt und durch dieses erzogen und gestärkt wird. Da das Leiden nicht aus der Welt eliminiert werden kann, erklärte der Papst, erkläre die große christliche Wahrheit, wie der Mensch nicht durch Flucht, sondern durch die Annahme des Schmerzens und die Reifung in ihm geheilt werde, indem dessen Sinn durch die Einheit mit Christus gefunden wird.

Der Grad an Menschlichkeit bemesse sich nach der Fähigkeit, auf den Schmerz des anderen Bezug zu nehmen. Der Verdienst des Glaubens bestehe gerade darin, im Menschen die Fähigkeit erweckt zu haben, auch im eigenen Inneren das Leiden des Anderen zu teilen.

Das Wachstum in der Hoffnung geschieht für den Heiligen Vater auch durch die konkrete Hilfe und die Nähe beim Leidenden. Die Hoffnung der Gläubigen dürfe nicht bei der irdischen Welt haltmachen. Sie müsse sich nach der vollen und ewigen Gemeinschaft mit dem Herrn ausrichten.