Benedikt XVI.: Familie ist grundlegend für ein harmonisches Wachstum

Ansprache an die Regierungsvertreter von San Marino

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SAN MARINO, Montag, 20. Juni 2011 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat die Bedeutung betont, die Familie als grundlegendes Subjekt für das Heranwachsen freier und verantwortungsvoller Personen zu erkennen, in einem Kontext, in dem diese Institution in Frage gestellt wird.

Dies äußerte er in der Ansprache am vergangenen Sonntag im Staatspalast von San Marino während seines Treffens mit den Regierungsmitgliedern, dem Kongress und dem diplomatischen Korps der Republik San Marino.

„Die Kirche, die die legitime Autonomie respektiert, die der zivilen Obrigkeit zu Recht zukommt, arbeitet mit dieser im Dienste des Menschen zusammen, bei der Verteidigung seiner grundlegenden Rechte und jener ethischen Instanzen, die in seiner Natur festgelegt sind“.

„Darum bemüht sich die Kirche darum, dass die zivile Gesetzgebung immer das menschliche Leben fördere und schütze, von der Empfängnis bis zum natürlichen Ende“, fügte er hinzu. „Außerdem fordert sie für die Familie die ihr zustehende Achtung und tatsächliche Unterstützung“.

„Wir wissen nämlich sehr gut, wie in der heutigen Umgebung die Institution Familie in Frage gestellt wird. Es wird der Versuch unternommen, ihren unverzichtbaren Wert zu leugnen“, so der Papst.

„Die Folgen werden von den sozial schwächsten Schichten getragen, besonders von der jungen Generation, die einfacher verwundbar und darum leichter der Desorientierung, Situationen der Selbstausgrenzung und der Sklaverei der Abhängigkeiten ausgesetzt ist“.

In diesem Sinne stellte er fest, dass „die erzieherische Realität sich oft schwer tut, den jungen Menschen passende Antworten zu geben und diese, da die Unterstützung der Familie schwindet, von der Möglichkeit einer normalen Eingliederung in das soziale Gefüge abgeschnitten werden“.

„Auch aus diesem Grund ist es wichtig zu erkennen, dass die Familie, so wie Gott sie gegründet hat, das Hauptort dafür ist, ein harmonisches Wachstum fördern und freie sowie verantwortungsvolle Personen reifen lassen kann, die in tiefen und zeitlosen Werten gebildet sind“.

Wirtschaftskrise

In seiner Rede an die Obrigkeit des kleinen Staates unterstrich Benedikt XVI., dass „auch in der Republik von San Marino die aktuelle Krisensituation dazu drängt, den Weg neu zu planen und so die Möglichkeit birgt, neu nachzudenken“.

Diese Situation, fügte er hinzu, „setzt das gesamte soziale Gefüge vor die dringende Notwendigkeit, die Probleme mit Mut und mit Verantwortungsbewusstsein, mit Freigiebigkeit und Hingabe anzugehen und dabei auf die Freiheitsliebe zu verweisen, die euer Volk kennzeichnet“.

Im Gegenteil, soder Papst, „entstehe“, in Zeiten relativen Wohlstands, „oft eine gewisse Verirrung des christlichen Sinns des Lebens und der grundsätzlichen Werte“.

In Bezug auf die Gemeinschaft von San Marino unterstrich der Bischof von Rom, dass „sie immer noch eine gute Vitalität zeigt und ihre besten Kräfte beibehält“, wie viele karitative und ehrenamtliche Initiativen und auch die vielen Missionare von San Marino zeigten, die in anderen Ländern evangelisieren.

In Besonderem drückte der Papst die Hoffnung aus, dass „die Angelegenheit der Grenzarbeiter, die ihre Anstellung gefährdet sehen, lösen möge, indem man dem Recht auf Arbeit und dem Schutz der Familien Rechnung trage.

Freundschaft

Der Papst unterstrich, dass seine Anwesenheit in San Marino die freundschaftlichen Beziehungen, welche die Republik seit ihrer Entstehung, mit dem Heiligen Stuhl unterhalte, ausdrücke und bestätige und dass diese in letzter Zeit „verstärkt und gefestigt wurden“.

„Die Einwohner von San Marino sind immer den Werten, des christlichen Glaubens treu geblieben, indem sie in ihnen ihr friedliches Zusammenleben verankerten, gemäß den Kriterien der Demokratie und der Solidarität“, erklärte er.

„Ich erfreue mich über dieses euer Festhalten an diesem Schatz von Werten und ich fordere euch auf, ihn zu bewahren und wertzuschätzen, denn er ist der tiefe Grund eurer Identität “, fuhr er fort und unterstrich, dass dank dieser Identität „man eine Gesellschaft erbauen kann, die das wahre Wohl der menschlichen Person, seine Würde und Freiheit achtet und die in der Lage ist, das Recht eines jeden Volkes, in Frieden zu leben, zu sichern. Dies sind die Dreh- und Angelpunkte eines gesunden Laizismus“.

Auf gleiche Weise wolle er aufzeigen, dass „die Freiheit, welche die Institutionen auf sozialer Ebene zu fördern und verteidigen gerufen sind, eine größere und tiefere aufzeigt, jene Freiheit, die vom Geist Gottes belebt wird, dessen belebende Anwesenheit im Herzen des Menschen dem Willen die Fähigkeit verleiht, sich zu orientieren und auf das Gute auszurichten“.

„An euch ist es darum, geehrte Damen und Herren, eine irdische Stadt mit der gebührenden Autonomie zu und im Respekt vor jenen menschlichen und geistigen Prinzipien zu errichten, denen anzugehören jeder einzelne Bürger mit der ganzen Verantwortung seines persönlichen Gewissens gerufen ist; zugleich auch die Pflicht, weiterhin aktiv zu sein, um eine Gemeinschaft zu gründen, die auf gemeinsamen Werten fußt.“

In ihrem Gruß an den Papst erklärten die Regierungspersönlichkeiten, Maria Luisa Berti und Filippo Tamagnini, sie seien „froh und stolz, diesen Tag unter die erinnerungswürdigen Daten der antiken Republik zählen zu können“.

Da auch San Marino die Probleme „der tiefgreifenden und andauernden globalen Wirtschaftskrise“, verspüre, sei der Besuch des Papstes „ein herausragendes Ereignis“, „eine Quelle weiterer Entschiedenheit, auf dem heutigen schwierigen Weg fortzufahren in Richtung der Ziele für morgen“ und flöße der Republik „den Mut“ ein, „weiterhin im Rahmen der Nationen eine kleine, aber sichere Stimme zur Verteidigung des Friedens, der grundsätzlichen Menschenrechte, des Dialogs zwischen den Kulturen und den Religionen zu sein“.

Die Staatsoberhäupter nannten dann den Papst einen „Pilger des Friedens und Zeugen für den Weg des Menschen hin zur sozialen Gerechtigkeit, zum friedlichen Zusammenleben zwischen den Völkern und der brüderlichen Solidarität“.

Mit seinem Besuch, fügten sie hinzu, „wird San Marino einen Aufschwung der Menschlichkeit und der Hoffnung erleben, eine erneute Zuversicht darin, menschlich zu sein und für jenes Gemeinwohl handeln zu können, das die Egoismen übersteigt; stattdessen werden auch die Bereitschaft zum Teilen und zur Brüderlichkeit gestärkt werden und das Bewusstsein darüber, dass die politische Klasse ausschließlich das Amt des Dienstes innehat“.