Benedikt XVI.: Fehlt der Wunsch, an der Eucharistiefeier teilzunehmen, ist das Glaubensleben in Gefahr

Aufruf zur Teilnahme an der Sonntagsmesse und zum arbeitsfreien Sonntag

| 777 klicks

ROM, 13. März 2007 (ZENIT.org).- „Das Empfinden für den Sonntag als den zu heiligenden Tag des Herrn zu verlieren, ist ein Symptom für ein Abhandenkommen des eigentlichen Sinns der christlichen Freiheit, der Freiheit der Kinder Gottes“, unterstreicht Papst Benedikt XVI. in dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis („Sakrament der Liebe“), das heute, Dienstag, im Vatikan vorgestellt wurde.



Im dritten Teil des Dokuments („Eucharistie, ein Geheimnis, das man lebt“), bezeichnet der Heilige Vater die Eucharistie als das „neue Lebensprinzip“ des Christen und bekräftigt in diesem Zusammenhang, dass das Glaubensleben in Gefahr sei, „wenn der Wunsch nicht mehr empfunden wird, an der Eucharistiefeier teilzunehmen, in der man des Ostersieges gedenkt“.

Die Teilnahme an der Sonntagsmesse „wird vom christlichen Gewissen gefordert und bildet zugleich das christliche Gewissen“, fährt der Papst fort. Er verweist anschließend auf das Apostolische Schreiben Dies Domini von Papst Johannes Paul II., der die verschiedenen Dimensionen des Sonntags herausarbeitete. Der erste Tag der Woche ist demnach, wie Benedikt XVI. konstatiert, „Dies Domini in Bezug auf das Schöpfungswerk; er ist Dies Christi, weil er der Tag der neuen Schöpfung und des Geschenks des Heiligen Geistes ist, das der Auferstandene Herr macht; er ist Dies Ecclesiae als der Tag, an dem die christliche Gemeinde sich zur Feier zusammenfindet; er ist Dies hominis als Tag der Freude, der Ruhe und der Bruderliebe.“

Somit biete sich der Sonntag als „Ur-Feiertag“ an, „an dem jeder Gläubige in der Umgebung, in der er lebt, zum Verkünder und Hüter des Sinnes der Zeit werden kann. Aus diesem Tag gehen nämlich der christliche Sinn des Lebens hervor und eine neue Art, die Zeit, die Beziehungen, die Arbeit, das Leben und den Tod zu erleben. Darum ist es gut, wenn von kirchlicher Seite um die Eucharistiefeier herum eigene Veranstaltungen der christlichen Gemeinde organisiert werden: freundschaftliches Beisammensein, Initiativen zur Erziehung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Glauben, Wallfahrten, Werke der Nächstenliebe und verschiedene Zeiten des Gebetes.“ Benedikt XVI. bekräftigt, dass es gerade der Sonntag sei, „der verdient, geheiligt zu werden, damit er am Ende nicht ein Tag der ‚Gottesleere‘ wird.“

Aufruf zum arbeitsfreien Sonntag

Da die Christen im Tag des Herrn immer auch „den Tag der Ruhe von den alltäglichen Mühen“ gesehen hätten, formuliert der Bischof von Rom einen eindringlichen Appell an die Verantwortlichen der zivilen Gesellschaft. Er fordert sie dazu auf anzuerkennen, „dass der Tag des Herrn auch der Tag der Ruhe von der Arbeit ist“; ihre Aufgabe sei es, für die Möglichkeit zu sorgen, „von der beruflichen Tätigkeit frei zu sein, ohne dafür bestraft zu werden“.

Der arbeitsfreie Sonntag ist in den Augen Benedikts XVI. wichtig, da er verdeutliche, dass die Arbeit für den Menschen da sei und nicht der Mensch für die Arbeit. „Der Schutz, der dadurch dem Menschen selbst geboten wird, ist leicht zu erahnen: Auf diese Weise ist er von einer möglichen Form der Sklaverei befreit.“

Schließlich weist der Heilige Vater darauf hin, dass es der Gott geweihte Tag sei, „der dem Menschen das Verständnis für den Sinn seines Lebens und auch seiner beruflichen Tätigkeit erschließt“.

Die 49 Märtyrer von Abitene

Bei seinem Pastoralbesuch im italienischen Bari führte Papst Benedikt den Teilnehmern des XXIV. Nationalen Eucharistischen Kongresses am 29. Mai 2005 das Schicksal der 49 Märtyrer von Abitene, einer kleinen Stadt im heutigen Tunesien, vor Augen. Sie hatten einem ausdrücklichen Verbot von Kaiser Diokletian zuwidergehandelt und die Eucharistie gefeiert. Als sie dafür zum Tode verurteilt wurden, erklärten sie: „Ohne den Sonntag können wir nicht leben.“

Benedikt XVI. unterstrich damals (vgl. Predigt), dass auch wir Christen des 21. Jahrhunderts über diese Erfahrung der Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert nachdenken müssten. „Auch für uns ist es nicht leicht, als Christen zu leben, auch wenn es nicht diese kaiserlichen Verbote gibt. Aber aus geistlicher Sicht kann die Welt, in der wir leben, die oft von zügellosem Konsumismus, von religiöser Gleichgültigkeit und von einem der Transzendenz verschlossenen Säkularismus geprägt ist, wie eine Wüste erscheinen.“

Auch wir könnten nicht leben, ohne uns am Sonntag zur Feier der Eucharistie zu versammeln. „Es würden uns die Kräfte fehlen, uns den täglichen Schwierigkeiten zu stellen und nicht zu unterliegen.“

Das Sonntagsgebot sei „keine Last auf unseren Schultern“, sondern ein großer Segen: „An der sonntäglichen Messfeier teilzunehmen, sich vom eucharistischen Brot zu nähren, die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern in Christus zu erfahren, ist für den Christen ein Bedürfnis, eine Freude; so kann der Christ die nötige Kraft finden für den Weg, den wir jede Woche zurücklegen müssen. Es ist übrigens kein willkürlicher Weg: Der Weg, den Gott uns in seinem Wort weist, führt in die Richtung, die in das Wesen des Menschen selbst eingeschrieben ist.“