Benedikt XVI. feiert die heilige Messe für den Ratzinger-Schülerkreis

Missionarischer Eifer erwächst aus der Freude, die für Christen charakteristisch ist

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ROM, 31. August 2009 (ZENIT.org).- „Im Evangelium begegnen wir einem grundlegenden Thema der religiösen Geschichte der Menschheit: der Frage nach der Reinheit des Menschen vor Gott“. Wenn der Mensch Gott begegne, entdecke er in diesem Augenblick, dass er schmutzig sei und Gott nicht begegnen könne: „So entsteht die Frage, wie man sich reinigen soll.“



Das sagte Papst Benedikt XVI. am gestrigen Sonntag während der Eucharistiefeier für den „Ratzinger-Schülerkreis“ in der Kapelle des Apostolischen Palastes in Castel Gandolfo. Seine ehemaligen Studenten waren am Freitag, dem 28. August, in der Päpstlichen Sommerresidenz eingetroffen, um sich im Rahmen ihrer fünften Begegnung mit dem Papst Gedanken über das Thema Mission zu machen, unter anderem auch im Hinblick auf die Ökumene. Vorgestern, Samstag (29. August), hatte Benedikt XVI. persönlich an den theologischen Gesprächen teilgenommen. Die Begegnung schloss mit der Feier der heiligen Messe am Sonntag. Der Ratzinger-Schülerkreis besteht seit 1971.
 
Ausgehend von den Tageslesungen des 22. Sonntags im Jahreskreis verwies Papst Benedikt auf eine grundlegende Tatsache: „Wenn wir die Botschaft Jesu als ganze hören wollen, die Weise, in der er uns zu Gott führt, wenn wir erkennen wollen, wie sich Gott uns annähert, müssen wir sowohl das Alte als auch das Neue Testament lesen.“

In der Heiligen Schrift finde sich das Gesetz, das Gott den Menschen gegeben habe. Dieses Gesetz dürfe allerdings nicht als „ein Joch, eine Knechtschaft“ gelesen werden; es müsse vielmehr „Grund zu großer Freude“ sein. Gott schenke den Menschen Weisheit; die wahre Erkenntnis davon, wie man leben müsse und dass Gott nahe sei.

Die Weisheit, so der Papst, reinige den Menschen. „Und die Reinheit stammt von Gott selbst. Sie kommt nicht von uns, wir können sie nur empfangen.“ Der Mensch müsse dankbar dafür sein, dass Gott sich von ihm habe erkennen lassen und ihm seinen Willen gezeigt habe.

Nur wenn die Erkenntnis Gottes und sein Wille im Menschen Freude hervorrufe, werde das Christentum auch „missionarisch“, fuhr Papst Benedikt fort. „Ich glaube, diese Freude müsste in uns wieder neu aufsteigen. Wir müssten froh sein darüber, dass wir in dem Gewirr der Welt, in der Ausweglosigkeit der Philosophie und der religiösen Theorien und Meinungen das Gesicht Gottes in Christus sehen dürfen. Dass er sich uns bekannt gemacht hat und wir ihn kennen; dass wir wissen, was Gottes Wille ist, und so wissen, wie zu leben ist. Nur wenn dieses Wissen in uns Freude wird, Dankbarkeit für die Gabe, die wir nicht schaffen konnten, sondern die uns geschenkt wurde, dann wird das Christentum auch wieder missionarisch und stimulierend sein.“
 
Benedikt XVI. betonte, dass die Freude das Unterscheidungsmerkmal des Christen sein müsse, da der Christ den Willen Gottes kenne und „das Gesetz auch Ausdruck der Freundschaft Gottes ist“.
 
„Das Wort macht uns frei, gibt Kraft und reinigt“, so der Papst. In dem Maß, in dem sich der Mensch von Gott berühren lasse und mit ihm einen Dialog der Liebe und der Freundschaft führe, könne er so lieben wie er. Aus der Reinheit Gottes heraus werde der Mensch Mithandelnder und Mitliebender mit ihm. „Reinheit ist ein dialogisches Ereignis. Sie beginnt damit, dass er auf uns zugeht – er, der die Wahrheit und die Liebe ist; dass er uns an der Hand nimmt, dass er in uns eindringt.“

Es handle sich dabei um nichts anderes als das, was der heilige Augustinus mit dem folgenden Satz zum Ausdruck gebracht habe: „Gib das, was du anordnest, und ordne das an, was du willst.“ So habe er erklärt, dass Gott den Menschen durch seine Freundschaft zu jener Liebe befähige, die die seine ist.