Benedikt XVI. feiert gemeinsam mit 400.000 Gläubigen die Pfingstvesper

Begegnung mit den kirchlichen Gemeinschaften und neuen Bewegungen

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ROM, 6. Juni 2006 (ZENIT.org).- Am Samstagabend trafen mehr als 400.000 Mitglieder der kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften mit Papst Benedikt XVI. in Rom zusammen. Sie hatten sich intensiv auf diese Begegnung vorbereitet, sei es als Teilnehmende des zuvor organisierten Kongresses in Rocca di Papa oder einfach als Teilnehmer des Vorprogramms. Gemeinsam mit dem Papst beteten sie am Vorabend zum Pfingstfest auf dem Petersplatz um die Gnaden des Heiligen Geistes.



Als erster Redner sprach Erzbischof Stanislaw Rylko, Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien, zu den Anwesenden. Das von ihm geleitete Dikasterium hatte das Treffen organisiert. Der Erzbischof dankte den Pilgern für ihr Kommen und fügte hinzu, dass man sich nun gemeinsam mit dem Papst beim Heiligen Geist für die Gabe der Hoffnung bedanken wolle, die die kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften für die Kirche bedeuteten. Trotz aller "Gegenwinde" hätten die anwesenden Frauen und Männer die Schönheit des Christseins erkannt. Sie seien zu dieser Begegnung auf den Petersplatz gekommen, um zu sagen: "Wir sind bereit für die Mission! Die Kirche kann auf uns zählen! Der Papst und die Bischöfe können auf uns zählen!"

Anschließend wurde ein Grußwort von Chiara Lubich, Gründerin der Fokolar-Bewegung, verlesen, die aufgrund ihrer angeschlagenen Gesundheit nicht persönlich am Treffen teilnehmen konnte. In ihrem Schreiben bedankte sie sich bei Benedikt XVI. und dessen Vorgänger Johannes Paul II. Sie versicherte auch, dass die gegenseitige Zusammenarbeit unter den Gemeinschaften sowie ihre Einheit mit der Hierarchie der Kirche weiter vertieft und gestärkt würden.

Nach der Verlesung dieser Botschaft begann die Liturgie der Pfingstvespern. Auf das Gebet dreier Psalmen folgte jeweils eine Betrachtung. Die erste stammte von Andrea Riccardi, dem Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio; die zweite von Kiko Argüello, dem Gründer der Bewegung des Neokatechumenats, und die dritte von P. Julián Carrón, dem Präsidenten der Fraternität Gemeinschaft und Befreiung.

Papst Benedikt XVI. bedankte sich sowohl bei den Pilgern als auch bei allen Organisatoren. Das Thema seiner Ansprache war das Wesen und Wirken des Heiligen Geistes in der heutigen Welt. Die Spuren dieses Geistes der Liebe seien in der Schöpfung sichtbar, denn die Welt existiere nicht einfach aus sich selbst heraus, sondern gehe vom Schöpfergeist au. Pfingsten sei deshalb nicht nur die Geburtsstunde der Kirche, sondern auch ein Fest der ganzen Schöpfung. Die Welt sei dem Menschen als kostbares Geschenk anvertraut worden, fügte der Papst hinzu.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen wies er darauf hin, dass wir dank Jesus einen Blick in das Innere Gottes werfen könnten. "Das ist Pfingsten: Jesus – und durch ihn Gott selbst – kommt zu uns und zieht uns in sich hinein." Und werde uns "Leben und Freiheit" in Fülle zuteil.

Ein erfülltes, gelungenes Leben bestehe nicht darin, ohne Rücksicht auf andere das eigene Glück zu suchen. "Das Leben wird nur gefunden, indem es geschenkt wird... Das müssen wir von Christus lernen, und das lehrt uns der Heilige Geist, der reines Geschenk, die Selbstschenkung Gottes ist. Je mehr einer sein Leben für die anderen, für das Gute selbst hingibt, desto reicher strömt der Fluss des Lebens." Im Letzten bedeute das auch, in Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott zu leben. Aus dem Durst nach echtem Leben seien die kirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften geboren worden.

In Bezug auf die Freiheit erläuterte der Heilige Vater, dass Freiheit und Verantwortung zusammen gehörten. Wirkliche Freiheit stehle sich nicht aus der Verantwortung für die anderen. Indem uns der Heilige Geist zu Söhnen und Töchtern Gottes mache, "nimmt er uns in jene Verantwortung mit hinein, die Gott selbst für seine Welt und für die gesamte Menschheit besitzt. Er lehrt uns, die Welt, den anderen und uns selbst mit den Augen Gottes zu betrachten. Wir tun das Gute nicht wie Sklaven, die nicht für anderes frei sind, sondern wir tun es, weil wir persönlich die Verantwortung für das Ganze tragen; weil wir die Wahrheit und das Gute lieben, weil wir Gott selbst und somit auch seine Geschöpfe lieben. Das ist die wahre Freiheit, zu der der Heilige Geist uns führen will."

Zum Abschluss forderte Benedikt XVI. die Gläubigen auf, weiterhin Mitarbeiter des universalen apostolischen Auftrages des Papstes zu sein. Das geschehe, wenn sie die Türen für Christus öffneten.