Benedikt XVI. fordert alle Christen dazu auf, das geistliche Erbe Europas zu verteidigen

Grußbotschaft zum Ökumenischen Kongress der Geistlichen Gemeinschaften in Stuttgart 2007

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ROM/STUTTGART, 14. Mai 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. würdigt die ökumenische Initiative Miteinander für Europa als „glückliche, ökumenische Intuition“.



In einem von Kardinal-Staatssekretär unterzeichnetem Grußwort zum Kongress von 250 katholischen, evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Gruppen, Bewegungen und Gemeinschaften, der am vergangenen Samstag rund 9.500 Menschen aus 15 Ländern Europas in die Stuttgarter Schleyerhalle führte, ermutigt der Papst dazu, „im postmodernen Europa die geistliche Dimension zu bewahren“.

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Mit großer Freude übermittle ich den Organisatoren und den zahlreichen Teilnehmern an der Veranstaltung „Miteinander für Europa 2007“ am 12. Mai in Stuttgart den herzlichen Gruß des heiligen Vaters Benedikt XVI. (...).

Die Initiative „Miteinander für Europa“ ist aus einer glücklichen, ökumenischen Intuition von katholischen, evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Gruppen, Bewegungen und Gemeinschaften heraus entstanden. Sie möchte zum Ausdruck bringen, wie notwendig es ist, in einem Europa, das riskiert, die ursprünglichen Werte zu verlieren und auf die ihm eigenen christlichen Wurzeln zu verzichten, miteinander die Treue zum Evangelium zu bekräftigen.

Aktueller denn je erscheinen die Worte des verehrten Papstes Johannes Paul II.: „Ich möchte den Verlust des christlichen Gedächtnisses und Erbes anführen, der begleitet ist von einer Art praktischem Agnostizismus und religiöser Gleichgültigkeit, weshalb viele Europäer den Eindruck erwecken, als lebten sie ohne geistigen Hintergrund und wie Erben, welche die ihnen von der Geschichte übergebene Erbschaft verschleudert haben“ (Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 7).

Diese Sichtweise findet Widerhall bei Papst Benedikt XVI., der seit Beginn seines Pontifikats keine Gelegenheit auslässt, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, dass das christliche Erbe, der besondere Reichtum des europäischen Kontinents, bewahrt werden muss. Der Aufruf, das Wissen um unsere Wurzeln nicht zu verlieren, ist gleichsam eine ständige Einladung, konkret dafür zu sorgen, dass die Gläubigen der verschiedenen christlichen Konfessionen ihre Bemühungen für ein so aktuelles Anliegen vereinen. Es geht darum, ein menschliches und geistliches Erbe zu verteidigen, das unverzichtbar ist für die authentische Entwicklung Europas (...).

Der Heilige Vater wünscht der Veranstaltung „Miteinander für Europa“, sie möge den Wunsch nach Gemeinschaft verstärken, der die Bewegungen und Gemeinschaften verschiedener Kirchen beseelt; sie möge beitragen, dass Vorurteile, Nationalstolz und geschichtliche Barrieren überwunden werden; sie möge Anstoß sein für den Einsatz, im postmodernen Europa die geistliche Dimension zu bewahren.

Denn ohne den Beistand Gottes sind die menschlichen Anstrengungen nichtig: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Ps 127). Mit der Hilfe des allmächtigen Gottes kann man vertrauensvoll auf die Gegenwart und die Zukunft schauen; kann man mit Mut und Ausdauer arbeiten in dem Bewusstsein, dass der Vater im Himmel in seiner Voraussicht und Fürsorge das bescheidene Wirken seiner Kinder fruchtbar werden lässt, die seinen Willen erfüllen möchten „wie im Himmel so auf Erden“. In diesem Geist erbittet Papst Benedikt XVI. den Segen Gottes für alle Teilnehmer an diesem so beachtenswerten Ereignis. Auch ich versichere allen meine Fürbitte beim Herrn und grüße herzlich.

Kardinal Tarcisio Bertone
Staatssekretär, Vatikan

[Vom Leitungskomitee „Miteinander für Europa“ veröffentlichtes Original]