Benedikt XVI. fordert einen Ende der Kriege in Afrika und ruft zur Hoffnung auf

Abschlussmesse in Angola wurde zum Höhepunkt seiner Pastoralreise

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ROM, 23. März 2009 (ZENIT.org).- Vor mehr als einer Million Gottesdienstbesucher lancierte Papst Benedikt XVI. während der Heiligen Messe am gestrigen Sonntagin Luanda einen eindringlichen Appell, den Kriegen ein Ende zu setzen, die den afrikanischen Kontinent mit Blut tränken, um so den Kindern Afrikas neue Hoffnung zu schenken.

 

Zu Beginn des Gottesdienstes gedachte der Papst den beiden jungen Mädchen, die am Vortag vor der Begegnung mit der Jugend Angolas im Gedränge zu Tode gekommen waren. Die beiden knapp zwanzig Jahre alten Mädchen starben, während mehr als 30.000 Jungendliche in das Stadion stürmten, wo sie der Papst empfangen sollte. 89 Jugendliche wurden mit Verletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Die angolanischen Behörden haben diesen Vorfall bis zum Samstag Abend, als das Treffen mit dem Papst bereits beendet war, nicht öffentlich bekannt gegeben. Kardinal Tarcisio Bertone betete nach der Messe am gestrigen Sonntag vor den aufgebarten Särgen der beiden jungen Frauen, von denen bisher nur eine identifiziert werden konnte.

 

Benedikt XVI. widmete die Messe besonders den beiden Verstorbenen. Er vertraute sie Gott an und brachte sein tiefes Beileid zum Ausdruck. Gleichzeitig betete der Papst für die baldige Genesung der Verletzten.

In seiner auf Portugiesisch und Englisch gehaltenen Predigt ging der Papst für seine Überlegungen von den Bibeltexten des Tages aus. Dabei stellte er fest dass, diese eine Botschaft der Hoffnung biete. Die lebhafte Beschreibung der Zerstörung und des vom Krieg verursachten Untergangs, die in der ersten Lesung zu finden sei, spiegle die persönliche Erfahrung vieler Menschen Angolas während der schrecklichen Verwüstungen des Bürgerkrieges wider. Ganz Afrika sei mit dieser Erfahrung vertraut: „der Zerstörungsmacht des Bürgerkrieges, dem Hineinstürzen in den Abgrund des Hasses und der Rache, der Verschwendung der Anstrengungen von Generationen von anständigen Menschen“.

Wenn das Wort des Herrn, das auf die Erbauung des Einzelnen, der Gemeinden und der gesamten Menschheitsfamilie abziele, vernachlässigt werde, könne das Ergebnis nur Zerstörung und Ungerechtigkeit sein.

Benedikt XVI. erinnerte dann daran, dass der gestrige Sonntag in Angola als Gebets- und Opfertag für die nationale Aussöhnung ausgerufen worden sei. Wahre Versöhnung sei allein Frucht einer Umkehr, eines Wandels des Herzens, einer neuen Denkart. Der Papst betonte, dass er nach Afrika gekommen sei, um diese Botschaft der Vergebung, der Hoffnung und des neuen Lebens in Christus zu verkündigen.

Vom Heiligen Geist hätten die Menschen Angolas die Kraft empfangen, die Erbauer eines besseren Morgen zu sein. „In der Taufe ist euch der Geist gegeben worden, um Boten des Reiches Gottes, des Reiches der Wahrheit und Lebens, der Heiligkeit und der Gnade, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens zu sein.“

Das Evangelium stärke und veredle die tiefen menschlichen Werte, die in der eingeborenen Kultur und in den Traditionen des afrikanischen Volkes gegeben seien: „Vereinte Familien, tiefen religiösen Sinn, freudvolles Feiern des Geschenks des Lebens, Wertschätzung der Weisheit der alten Menschen sowie der Bestrebungen der Jungen“.

Das Licht sei schon in die Welt gekommen. Die Menschen aber hättenn dem Licht gegenüber der Finsternis den Vorzug gegeben. Auf tragische Weise hätten „die Wolken des Bösen auch Afrika verfinstert“. Benedikt XVI. verwies diesbezüglich auf die Geißel des Krieges, die grausamen Früchte des Tribalismus und der ethnischen Rivalitäten, die Habgier, die das Herz des Menschen verdirbt, die Armen zu Sklaven macht und die kommenden Generationen der Ressourcen beraubt.

Auch der „heimtückischen Geist des Egoismus“ verschließe die Individuen in sich selbst, trenne die Familien, ersetze die großen Ideale der Großherzigkeit und der Aufopferung und führe unvermeidlich „zum Hedonismus, zum Ausweichen auf falsche Utopien durch den Gebrauch von Drogen, zur sexuellen Unverantwortlichkeit, zur Schwächung der ehelichen Bande, zur Zerstörung der Familien und zur Beseitigung von unschuldigem menschlichen durch die Abtreibung.

Gottes Wort jedoch „ist ein Wort der grenzenlosen Hoffnung“. Gott habe den Menschen in Christus Jesus dazu geschaffen, „ein rechtes Leben zu leben, ein Leben, in dem wir die guten Werke entsprechend seinem Willen zu tun“. Die Gebote Gottes seien keine Bürde, sondern „Quelle der Freiheit“: „der Freiheit, Männer und Frauen voller Weisheit zu werden, Meister der Gerechtigkeit und des Friedens, Menschen, die den anderen vertrauen und deren wahres Wohl suchen“.

Der Heilige Vater rief die Angolaner dazu auf, das Licht des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in den Familien und Gemeinden auszustrahlen und Zeugen der heiligen Wahrheit zu sein, die frei macht. Gegenüber dem plötzlichen zerstörerischen Toben des Bösen sei die Arbeit des Wideraufbaus quälend langsam und hart. Diese Arbeit müsse in den Herzen der Menschen beginnen und zur Nächstenliebe führen. „Lasst eure Pfarreien zu Gemeinschaften werden, wo das Licht der Wahrheit Gottes und die Kraft der versöhnenden Liebe Christi nicht nur gefeiert werden, sondern in konkreten Werken der Nächstenliebe zum Ausdruck kommen“, so Benedikt XVI.

Abschließend wandte sich der Papst an die Jugend und mahnte sie, in ihrer Freundschaft mit Jesus zu wachsen. So würden die jungen Menschen „weise und hochherzige Propheten der Heil bringenden Liebe Gottes werden. „Fürchtet euch nicht, großherzig auf den Ruf Gottes zu antworten, ihm sowohl als Priester, Ordensfrauen oder Ordensmänner als auch als christliche Eltern oder in vielen anderen Arten des Dienstes zu dienen, die die Kirche euch vorschlägt.“

„Steht auf! Ponde-vos a caminho! Blickt hoffnungsvoll auf die Zukunft, vertraut auf die Verheißungen Gottes und lebt in seiner Wahrheit. Auf diese Weise werdet ihr etwas aufbauen, das zur Dauer bestimmt ist, und ihr werdet den künftigen Generationen ein dauerhaftes Erbe der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens hinterlassen.“