Benedikt XVI. für intensivere katholisch-jüdische Zusammenarbeit und echtes Friedensengagement im Nahen Osten

Empfang für Mitglieder der internationalen jüdischen Vereinigung „B’nai B’rith“

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ROM, 18. Dezember 2006 (ZENIT.org).- Für eine Stärkung der katholisch-jüdischen Zusammenarbeit und das geeinte Zeugnis aller Menschen guten Willens hat sich Papst Benedikt XVI. am heutigen Montagvormittag ausgesprochen, als er im Vatikan einige Mitglieder der 1843 gegründeten jüdischen Vereinigung „B’nai B’rith International“ („Söhne des Bundes International“), willkommen hieß.



„Heute begrüße ich euch und alle, die ihr repräsentiert, im Geist der Verständigung, des Respekts und der gemeinsamen Wertschätzung, der sich in unseren Gemeinschaften ausbildet“, erklärte der Heilige Vater zu Beginn der Begegnung. Er wies darauf hin, dass die Vorsitzenden von „B’nai B’rith“ den Heiligen Stuhl seit der Veröffentlichung der Konzilserklärung Nostra Aetate über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen im Jahr 1965 immer wieder besucht hätten, und würdigte die „beachtliche Umwandlung“ der gegenseitigen Beziehungen, die innerhalb der letzten vier Jahrzehnte dank der Gnade Gottes „auf der Grundlage unseres gemeinsamen geistigen Erbes“ vollzogen worden sei.

„Unsere Welt voller Probleme braucht das Zeugnis von Menschen guten Willens, die beseelt sind von der Wahrheit, die auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift offenbart wird: dass alle Männer und Frauen als Abbild Gottes geschaffen sind (vgl. Gen 1,26-27) und somit eine unveräußerliche Würde und einen unveräußerlichen Wert besitzen.“

Benedikt XVI. erinnerte seine Gäste daran, dass Juden und Christen dazu berufen seien, „zum Heil der Welt zusammenzuarbeiten“ und insbesondere die Aufgabe besäßen, „die spirituellen und moralischen Werte zu fördern, die unseren Glaubensüberzeugungen zugrunde liegen. Wenn wir ein klares Beispiel fruchtbarer Zusammenarbeit geben, wird unsere Stimme, die auf die Nöte der Menschheitsfamilie antwortet, viel überzeugender sein.“

Zum Schluss erneuerte der Heilige Vater seinen Aufruf zum Frieden im Heiligen Land. Er bekräftigte, dass er unaufhörlich für dieses Anliegen bete und von der unerschütterlichen Hoffnung erfüllt sei, dass dieser Friede auch tatsächlich möglich sei.

Allerdings könne Frieden nur dann einkehren, wenn alle – Juden, Christen und Muslime – dafür Sorge trügen. Echtes Friedensengagement müsse „in einem aufrichtigen interreligiösen Dialog und konkreten Gesten der Versöhnung“ Gestalt annehmen, forderte Papst Benedikt. „Alle Gläubige sind dazu aufgefordert, sichtbar zu machen, dass es nicht Hass und Gewalt sind, sondern Versöhnung und friedvolle Zusammenarbeit, die den Weg zu dieser Zukunft der Gerechtigkeit und des Friedens öffnen, die Gottes Verheißung und Gabe ist.“

Die jüdische Organisation „B'nai B'rith“, die nach eigenen Angaben Toleranz, Humanität und Wohlfahrt sowie die Aufklärung über das Judentum und die jüdische Erziehung fördert, wurde am 13. Oktober 1843 von Henry Jones gegründet. Gegenwärtig gehören ihr in 60 Staaten rund 500.000 Mitglieder an. Der Hauptsitz der Vereinigung ist in Washington DC. Ein Ableger von „B'nai B'rith“ ist die 1913 gegründete Anti-Defamation-League (ADL).