Benedikt XVI.: Gebetsanliegen im Juni

Seid Priester nach dem Herzen Jesu

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ROM, Freitag 17. Juni 2011 (ZENIT.org/Radio Vatikan).- „Auf dass die Priester, dem Herzen Jesu verbunden, immer echte Zeugen der aufmerksamen und barmherzigen Liebe Gottes seien“: Dies ist die allgemeine Gebetsintention Benedikt XVI. für den Monat Juni. Der Verwurzelung des Priestertums im Herzen Jesu hat der Papst bereits vielfach Überlegungen gewidmet, besonders auch anlässlich des vergangenen Priesterjahres.  

Seid Priester „gemäß dem Herzen Jesu“: Dies ist die Ermutigung, die Benedikt XVI. unermüdlich an die Priester richtet, seit er das Amt des Nachfolgers Petri angetreten hat. Eine Aufforderung, die noch dringlicher wurde, als die Kirche von dem Skandal der Missbräuche an Minderjährigen von Mitgliedern des Klerus erschüttert wurde. Am Ende der Priesterjahres, am Fest des heiligsten Herzen Jesu, hat der Papst daran erinnert, dass die Priester den Blick auf die Seite Christi richten müssten, die von der Lanze des römischen Soldaten geöffnet worden war:

„Ja, sein Herz ist für uns und vor uns geöffnet, womit uns das Herz Gottes geöffnet ist. Die Liturgie interpretiert für uns die Sprache des Herzens Jesu, die von Gott besonders als vom Hirten der Menschen spricht und uns auf diese Weise das Priestertum Jesu zeigt, das in der Tiefe seines Herzen gegründet ist; auf diese Weise zeigt er uns das dauerhafte Fundament sowie auch das immer gültige Kriterium eines jeden Priestertums, welches immer im Herzen Jesu verankert sein und von ihm aus gelebt werden muss“ (Messe zum Abschluss des Priesterjahres, 11. Juni 2010).

Das durchbohrte Herz Jesu, fügte der Papst hinzu, werde eine Quelle: „Das Wasser und das Blut, welche daraus strömen, weisen auf die zwei grundlegenden Sakramente hin, aus denen die Kirche lebt: die Taufe und die Eucharistie“. Darum „ist das geöffnete Herz die Quelle eines neuen Strom des Lebens“:

„Jeder Christ und jeder Priester müsste ausgehend von Christus eine Quelle werden, die das Leben an die anderen kommuniziert. Wir müssten Wasser des Lebens an eine durstige Welt spenden. Herr, wir danken dir, weil du dein Herz für uns geöffnet hast; weil du in deinem Tod und in deiner Auferstehung eine Quelle des Lebens geworden bist“ (Messe zum Abschluss des Priesterjahres, 11. Juni 2010).

„Cor ad Cor loquitur“, „das Herz spricht zum Herzen“: Das Motto des seligen Newman, das vom Papst auf seiner apostolischen Reise in das Vereinigte Königreich aufgenommen wurde, unterstreicht, wie sehr die Sprache des Herzens für das Wachstum des Glaubens fruchtbar werden soll. Dies gelte noch mehr für die Priester. Der Papst betont, dass nicht von ungefähr genau am Fest des Herzens Jesu der „Tag der Heiligung der Priester“ gefeiert werde:

„Der Priester ist ein Geschenk des Herzens Christi: ein Geschenk für die Kirche und für die Welt. Aus dem Herzen des Sohnes Gottes, überströmend vor Liebe, gehen alle Güter der Kirche hervor; in besonderer Weise entstehen daraus die Berufungen jener Männer, die, erobert vom Herrn Jesus, alles zurücklassen, um sich gemäß dem Beispiel des Guten Hirten vollkommen dem Dienst an dem christlichen Volk zu widmen“ (Angelus, 13. Juni 2010).

Im Laufe der Geschichte, daran erinnerte der Papst, lebten unzählige Priester in Vereinigung mit dem Herzen Jesu und weihten ihr Leben der Kirche, manchmal bis zum Martyrium. Dies sei der Fall bei dem  jungen Pater Jerzy Popiełuszko, einem Opfer des kommunistischen Regimes in Polen. „Die Liebe des Herzen Jesu“, betonte der Papst, „brachte ihn dazu, sein Leben zu hinzugeben, und sein Zeugnis war der Same für einen neuen Frühling in der Kirche und in der Gesellschaft“:

„Wenn wir auf die Geschichte schauen, können wir sehen, wie viele Seiten echter, geistiger und sozialer Erneuerung mit dem entscheidenden Beitrag katholischer Priester geschrieben wurden, die einzig von der Leidenschaft für das Evangelium und für den Menschen, für seine wahre, religiöse und zivile Freiheit, angetrieben waren. Wie viele Initiativen ganzheitlicher menschlicher Förderung sind von der Intuition eines Priesterherzens ausgegangen!“ (Angelus, 13. Juni 2010)

Benedikt XVI. ruft also die Priester auf, sie selbst zu sein, sich Christus zu schenken und so wirklich ein Zeichen seiner Anwesenheit mitten im Volke Gottes zu werden:

„Schenkt euch Jesus, um in die Unendlichkeit seines großen Herzen einzugehen, welches das Herz seiner heiligsten Mutter und das aller Heiligen enthält, um euch in diesem Abgrund der Liebe, der Barmherzigkeit, der Demut, der Geduld, der Unterwerfung und der Heiligkeit zu verlieren“. (Generalaudienz, 19. August 2009)

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz)