Benedikt XVI.: Gegenseitige Kenntnis, Voraussetzung für den christlich-muslimischen Dialog

Ad-limina-Besuch der Bischöfe aus dem Tschad

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ROM, 4. Oktober 2006 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss des Ad-limina-Besuchs der Bischöfe aus dem Tschad auf die Notwendigkeit des gegenseitigen Kennenlernens von Christen und Muslimen hingewiesen. Dies sei erforderlich, um zu einer Zusammenarbeit zu gelangen, „die sich wahrhaftig auf die Achtung der Person gründet“, bekräftigte der Heilige Vater vor den Hirten des zentralafrikanischen Staates, die er am 23. September in Castel Gandolfo empfangen hatte.



Im Tschad leben 9,1 Millionen Einwohner. Knapp 50 Prozent der Gesamtbevölkerung sind muslimisch und rund 35 Prozent christlich; davon sind 25 Prozent Katholiken. Die Hälfte des Landes, im Norden, wird von der Sahara überzogen.

„Ich freue mich, dass in eurem Land die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im Allgemeinen gut sind, insbesondere dank der Suche nach einer besseren gegenseitigen Kenntnis“, sagte Benedikt XVI. zu seinen Gästen.

„Ich ermutige euch also, die Zusammenarbeit in einem aufrichtigen Geist des Dialogs und des gegenseitigen Respekts fortzusetzen, um jedem zu helfen, ein Leben zu führen, das der von Gott erhaltenen Würde entspricht – in der Sorge um eine authentische Solidarität und in der Verfolgung einer harmonischen Gesellschaftsentwicklung.

In diesen Tagen, in denen ihr euren Ad-limina-Besuch abhaltet, ist es mir eine große Freude, euch empfangen zu dürfen, euch, die der Herr erwählt hat, um das Gottesvolk im Tschad zu führen. Eure Wallfahrt nach Rom lässt euch in die Fußstapfen der Apostel Petrus und Paulus treten und erlaubt es euch, dem Nachfolger Petri und seinen Mitarbeitern zu begegnen, um eure Einheit mit der universellen Kirche zu stärken. Ich wünsche mir, dass diese Tage für euch eine Gelegenheit darstellen, euren apostolischen Eifer zu verstärken, damit eure Gemeinschaften dadurch neuen Elan bekommen.“

Angesichts der schwelenden Bürgerkriegs und der Auseinandersetzungen mit dem Sudan mahnte der Papst: „Die Konsolidierung der Brüderlichkeit zwischen den verschiedenen Gemeinschaften, aus denen sich die Nation zusammensetzt, ist eine Zielsetzung, die eine Verpflichtung aller erfordert, um das Land vor Konfrontationen zu bewahren, die nur neue Gewalt auslösen können.“

Die Würde jedes Menschen und die „Identität jeder menschlichen und religiösen Gruppe“ müssten geachtet werden. Die Religionsfreiheit, fuhr der Bischof von Rom fort, „gehört zu den gemeinsamen Werten des Friedens und der Gerechtigkeit, die von allen gefördert werden müssen“. Insbesondere gelte das für verantwortlichen Politiker.

Papst Benedikt ermutigte die Katholiken des afrikanischen Landes, das hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt, sich karitativ zu betätigen. Solche Taten seien eine „Demonstration der Liebe zum Nächsten“, die in der Liebe zu Gott wurzelten und in der Pastoral die erste Stelle einnehmen müssten.

In seinem Grußwort an den Papst hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz des Tschad, Bischof Jean-Claude Bouchard OMI von Pala, zuvor auf die „paradoxe“ Beziehung zwischen Muslimen und Christen in seinem Land hingewiesen.

Im Tschad käme es trotz des Bekenntnisses zu einem säkularen Staatsgefüge zu einer fortschreitenden Islamisierung in der Verwaltung, der Politik und in der Wirtschaft. Immer mehr Moscheen würden auch dort entstehen, wo keine Muslime lebten, beklagte er.

Außerdem werde – insbesondere gegenüber den Dorfältesten und jugendlichen Gruppenleitern – Druck ausgeübt, um die Menschen zum Übertritt zum Islam zu bewegen. Deshalb beschränke sich der Umgang mit den Muslimen auf gute Nachbarschaft und kulturelle Veranstaltungen. Aufrichtiger Dialog käme nur vereinzelt vor.