Benedikt XVI. geht auf die Medien zu

Religiöse Berichterstattung im Fernsehen

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ROM, 29. Mai 2005 (ZENIT.org).- Eine der ersten öffentlichen Amtshandlungen von Papst Benedikt XVI. war eine Ansprache vor Medienvertretern in Rom. Zunächst dankte er ihnen am 23. April für ihren Einsatz bei der Berichterstattung über den Tod seines Vorgängers, Papst Johannes Paul II., und das nachfolgende Konklave. "Die Möglichkeiten, die sich uns durch die modernen sozialen Kommunikationsmittel bieten, sind in der Tat wunderbar und außerordentlich!", sagte er zu den Tausenden von Journalisten, die sich im Vatikan eingefunden hatten.



Benedikt XVI. brachte bei dem Treffen seinen Wunsch zum Ausdruck, den von Johannes Paul II. begonnenen "fruchtbaren Dialog" mit den Massenmedien fortzusetzen. Aber er gab den Medienleuten auch einige Ratschläge. Er wies sie etwa darauf hin, dass die sozialen Kommunikationsmittel dem Gemeinwohl dienen sollten. Zudem müsse der Einfluss der Kommunikationsmittel auf die Gewissen und die Mentalität des Einzelnen verstärkt berücksichtigt werden. Den Medienvertretern empfahl der Papst deshalb, ihre ethische Verantwortung wahrzunehmen, vor allem dort, wo es um "das aufrichtige Streben nach Wahrheit und den Schutz der zentralen Stellung und der Würde der menschlichen Person" gehe.

Am 39. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, dem 8. Mai, sprach der Heilige Vater noch einmal über die Medien. In seiner Ansprache zum Mariengebet "Regina Cæli", das in der Osterzeit statt dem "Angelus" gebetet wird, hob er noch einmal die ungeheure Macht der Medien hervor und wies auf die dringende Notwendigkeit hin, dieses Potential auf verantwortliche Weise zu nutzen.

Die Berichterstattung über religiöse Themen

In einer Studie, die kurz vor dem Tod von Papst Johannes Paul II. in den USA veröffentlicht wurde, wird auf einige Mängel in der religiösen Medienberichterstattung hingewiesen. Die Studie trägt den Titel "Religion in den Fernsehnachrichten: Immer noch herrscht die reine Lehre des Säkularismus" ("Religion on TV News: Secular Orthodoxy Still Reigns") und wurde am 28. März vom "Medien-Forschungs-Zentrum" veröffentlicht.

Tim Graham und Ken Shepherd fassen in ihrer Analyse die Ergebnisse jener religiösen Nachrichtenberichte der US-Sender ABC, CBS und NBC zusammen, die sie vom 1. März 2004 bis zum 28. Februar 2005 beobachtet hatten. Insgesamt seien in diesem Zeitraum 648 religiöse Berichte ausgestrahlt worden, etwas weniger als im Vorjahr (705). Viele der Berichte sollen allerdings erst im letzten Monat gesendet worden sein, wegen der Verschlechterung des Gesundheitszustands von Papst Johannes Paul II.

Die Glaubensrichtung, über die laut Studie am meisten berichtet wurde, war die katholische Kirche. Aber die Journalisten hätten die verschiedenen religiösen Themen von einem sehr weltlichen, politischen Standpunkt aus abgehandelt, heißt es. Insbesondere bei der Frage, ob dem Präsidentschaftskandidaten John Kerry aufgrund seiner befürwortenden Abtreibungspolitik die Kommunion verweigert werden würde. Die Fernsehberichterstatter hätten es in diesem Zusammenhang nicht fertig gebracht, die kirchlichen Richtlinien über die Eucharistie angemessen zu erklären. Zitate von Bischöfen seien oft falsch wiedergegeben worden.

Außerdem, so die Studie, ignorierten die TV-Nachrichten oft jene Themen, die laut "Newswriters Association" die besten Geschichten des Jahres waren. So gut wie keine Notiz genommen hätten die genannten Fernsehstationen etwa von dem kirchlichen Disziplinarverfahren gegen zwei lesbische methodistische Pastorinnen. Und nur NBC hätte über den Erfolg einiger christlicher Geistlicher berichtet, die die Bestsellerlisten in den Vereinigten Staaten angeführt hatten.

In der Studie werden auch Wege aufgezeigt, wie die mediale Religionsberichterstattung verbessert werden könnte. Zuallererst sei es notwendig, Fachleute einzustellen. Gegenwärtig besitze nämlich keine der drei analysierten Fernsehstationen Spezialisten für religiöse Themen. Zweitens sollten, so Graham und Shepherd, religiöse Thematiken nicht von einem rein weltlichen oder politischen Standpunkt aus angegangen werden. Gerade bei religiösen Themen müsse die Auswahl der Interviewpartner objektiver sein.

Kritik an den britischen Medien

In Großbritannien wurde während der zweiten Woche des Monats Mai die Religionsberichterstattung der BBC einer internen Revision unterzogen. Konkret wurden zwei ganz moderne Untersuchungen über die Qualität der medialen Behandlung durchgeführt. Nach einem Bericht, den BBC am 9. Mai veröffentlichte, seien die religiösen Berichte auf BBS 1 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Ein jüngst veröffentlichter Bericht einer unabhängigen Kommission habe zudem festgestellt, dass einige religiöse Organisationen ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht hätten, dass "gelegentlich negative und falsche Berichterstattung" gezeigt worden sei, was von "Unwissenheit bei Kernthemen" zeuge. Kritisiert habe man auch die klischeehafte und einseitige Darstellung von Klerikern in einigen Spielfilmen (Fiktion, Drama).

Auch am 9. Mai gab der Direktor des "Katholischen Mediensekretariats", Peter Kearney, eine Erklärung heraus, in der er kritisierte, dass die britische Aufsichtsbehörde "Ofcom" ("Office of Communication") es unterlassen habe, eine BBC-Rundfunksendung vom 6. November zu verurteilen. In einer Fußballsendung mit telefonischer Publikumsbeteiligung sei nämlich ein Bericht gebracht worden, der sich "auf blasphemische und ehrfurchtslose Weise" über die Eucharistie lustig gemacht habe.

Auch die anglikanische Kirche sparte nicht mit Kritik, wie der britische "Guardian" am 28. März mitteilte. Der anglikanische Bischof Graham James von Norwich, Vorsitzender eines überkonfessionellen Ausschusses, der zur Kontrolle der BBC eingerichtet worden ist, sprach von einigen Shows, die das religiöse Empfinden der Christen verletzen würden.

Die im Januar ausgestrahlte Sendung "Jerry Springer – Die Oper" habe 50.000 Beschwerden nach sich gezogen. Und nach Aussagen des Bischofs sei die Sendung "Der Pfarrer von Dibley" sogar noch anstößiger gewesen.

Bischof James sagte gegenüber dem "Guardian", dass eine "westlich-liberale und -säkulare Geisteshaltung" die religiöse Medienberichterstattung in Großbritannien beherrsche. Er forderte die Medien dazu auf, die Qualität ihrer Programme zu verbessern. "Religion ist eines der ganz großen faszinierenden Phänomene in der Welt – für Millionen und Abermillionen von Menschen. Und da gibt es Leute, die religiöse Nachrichten so bringen, als wären sie etwas Langweiliges", so wird der anglikanische Bischof im "Guardian" zitiert. Die Zeitung weist auch darauf hin, dass ein anderer britischer TV-Sender, ITV, die Berichterstattung über religiöse Themen um die Hälfte reduziert habe.

Aber natürlich zeigen nicht alle TV-Sendungen Religion und den Glauben in einem trüben Licht oder entstellt: Eine am 3. Mai von der katholischen Kirche in Großbritannien herausgegebene Pressemitteilung lobt ausdrücklich die auf BBC 2 ausgestrahlte dreiteilige TV-Serie "The Monastery" ("Das Kloster"). Der Film, der im Kloster Worth Abbey in West Sussex gedreht worden ist, berichtet von fünf Männern, die mit 22 katholischen Mönchen zusammenleben wollten. Während ihres 40-tägigen Klosteraufenthalts bemühten sie sich, der benediktinischen Regel zu folgen. Nach einem Artikel, der am 30. April im "Telegraph" veröffentlicht wurde, war einer der fünf Teilnehmer (Tony Burke) vor dem Aufenthalt im Kloster Atheist. Nach einem religiösen Erlebnis, wie er es selbst nannte, sei er gläubig geworden und habe seinen Job als Produzent von Programmvorschauen für Sex-Talkshows aufgegeben.

Von einem zweiten Mitglied der fünfköpfigen Gruppe, Peter Gruffydd, wird berichtet, dass er wieder zu seinem Glauben zurückgefunden habe, den er während seiner Jugend verworfen hatte. Und Nick Buxton, ein Cambridge-Student, sei der Entscheidung, anglikanischer Priester zu werden, näher gekommen.

Die Botschaft in die Medien bringen

In einem Interview, das am 30. November von der britischen "Financial Times" veröffentlicht wurde, sagt Erzbischof John Foley, Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel: "Eine der größten Herausforderungen besteht heute darin, unsere Botschaft in die Massenmedien zu bringen."

Dabei wies er auch auf die Umstellung in Großbritannien und anderen Nationen zu einem voll-digitalen Rundfunksystem hin, bei dem die meisten Zuschauer Zugang zu vielen weiteren Kanälen hätten und inhaltliche Vorschriften wahrscheinlich gelockert würden. Dadurch werde es aller Voraussicht nach für die etablierten Kirchen immer schwerer, ihre Botschaften zu vermitteln. Zugleich mahnte Erzbischof Foley, die katholische Kirche müsse mit den Medien professioneller umgehen und sie besser nutzen.

In seiner Botschaft am 8. Mai sagte Papst Benedikt XVI., dass die Medien, "diese bedeutenden Kommunikationsmittel", zum gegenseitigen Verständnis und Dialog beitragen, aber auch Vorurteile und Abneigung zwischen Einzelnen und Völkern nähren könnten. "Sie können zur Verbreitung des Friedens beitragen, aber auch Gewalt schüren. Deshalb muss immer wieder an die persönliche Verantwortung appelliert werden: Alle müssen das Ihrige dazu beitragen, damit in allen Formen der Kommunikation Objektivität sichergestellt, die Würde des Menschen geachtet und das Gemeinwohl beachtet wird. Auf diese Weise trägt man dazu bei, dass die Mauern der Feindschaft, von denen die Menschheit noch immer getrennt wird, niedergerissen werden und dass die Bande der Freundschaft und der Liebe, die in der Geschichte Zeichen für das Reich Gottes sind, gefestigt werden."