Benedikt XVI.: Gott ist die große Hoffung, die die Welt vor dem Untergang rettet

Predigt am Hochfest der Erscheinung des Herrn

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ROM, 7. Januar 2008 (ZENIT.org).- Am Fest der Erscheinung des Herrn feierte Papst Benedikt XVI. das traditionelle Hochamt in der Vatikanischen Basilika. Christus, „Licht der Welt und sein Offenbarwerden von den Völkern“ standen im Mittelpunkt der Predigt des Heiligen Vaters.



Spaltungen und Machtmissbrauch zerrissen die Menschheit, und auch die Kirche sei gleichzeitig heilig und aus Sündern zusammengesetzt. Der Festtag der Erscheinung des Herrn führe hin zu den Ursprüngen der Heilsgeschichte, der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Benedikt XVI. betonte, dass Christus gekommen sei, um das Heilswerk Gottes und seinen treuen Bund mit den Menschen zur Vollendung zu führen.

Der Papst zeigte auf, wie das bescheidene Licht der verborgenen und unbekannten Geburt Christi machtvoll in den Himmel ausstrahle. Das Aufgehen des Sterns, dem die Sterndeuter folgten, habe dieses erneute Aufeinandertreffen des „Himmels und der Erde, des Kosmos und der Geschichte“ angekündigt. Die Sterndeuter, die für alle Völker stehen, hätten mit Augen des Glaubens gesehen. Das „Symbol des Lichtes“, das für die Geburt Christi verwandt wird, bringe den besonderen Segen Gottes für das Geschlecht Abrahams zum Ausdruck, „der dazu bestimmt ist, sich auf alle Völker der Welt auszuweiten“.

Der Bund Gottes mit Abraham, der den neuen universalen Bund mit Noah fortsetzen sollte, ist nach Worten des Bischofs von Rom ein Bund des Segens – der Anfang des Planes Gottes, „aus der Menschheit eine Familie zu machen“. An die Stelle der Sprachverwirrung und der Zerstreuung der Menschheit trete mit Christus die Erfüllung des Heilsplanes Gottes, der danach verlange, „in die menschliche Geschichte aufgenommen zu werden“, die immer „Geschichte der Treue seitens Gottes“ und auch „der Untreue von uns Menschen bleibt“.

Die Kirche ist „Verwahrerin des Segens Gottes“, so Benedikt XVI. Sie ist heilig, auch wenn sie sich aus Sündern zusammensetzt, „gezeichnet von der Spannung zwischen dem Schon und dem Noch-nicht“. Christus sei in der Fülle der Zeiten als „Sakrament der Treue Gottes zu seinem Heilsplan für die ganze Menschheit“ gekommen.

Die Ankunft der Sterndeuter aus dem Morgenland sei „Zeichen des Offenbarwerdens des universalen Königs vor den Völker und vor allen Menschen, die die Wahrheit suchen“. Aus Verwirrung werde Verstehen, aus Zerstreuung Versöhnung. Hier trete der innere Zusammenhang zwischen der Erscheinung des Herrn vor den Völkern und Pfingsten hervor, fuhr der Papst fort: „Wenn das Geburtsfest Christi, der das Haupt ist, auch das Geburtsfest der Kirche, seines Leibes, ist, so erkennen wir in den Sterndeutern jene Völker, die sich dem Rest Israels anschließen und das große Zeichen der ‚polyglotten Kirche’ ankündigen, das vom Heiligen Geist 50 Tage nach Ostern verwirklicht wird.“

Dieses Geheimnis des Segens für alle Menschen ist, wie der Heilige Vater erklärte, die „Hoffnung der Geschichte“. Der von den Propheten angekündigte und in Christus offenbarte Plan Gottes verwirkliche sich in der Kirche. In ihr müsse das Licht Christi aufleuchten, damit sie „für die Völker der Welt eine Hilfe auf dem Weg des Friedens und des wahren Fortschritts“ sein kann.

„Die Völker können den Weg des Heils erkennen, wenn auf dem Volk Gottes das Licht des Angesichts des Herrn leuchtet. Es wird auch hier deutlich, dass der Segen Gottes für Israel dazu bestimmt ist, neu zu werden und auf alle Völker zu fallen.“

Die universale Kirche sei „das neue Israel“, das in sich die ganze Menschheit aufnimmt. Dennoch bleibe das Dunkel, das die Völker bedeckt. In diesem Zusammenhang sprach Papst Benedikt eine ernste Warnung aus: „Man kann in der Tat nicht sagen, dass die Globalisierung ein Synonym für Weltordnung ist, im Gegenteil.“ Kriege und Konflikte um der wirtschaftlichen Vorherrschaft und des Zusammenraffens der Energie-, Wasser- und Rohstoffressourcen erschwerten die Arbeit derer, die sich um den Aufbau einer gerechten und solidarischen Welt bemühen.

Benedikt XVI. wies zudem darauf hin, dass eine größere Hoffnung notwendig sei; eine Hoffnung, die es ermögliche, „das Gemeinwohl aller dem Luxus weniger und dem Elend vieler vorzuziehen“.

Diese „große Hoffnung“, betonte der Papst mit seiner Enzyklika Spe salvi, „kann nur Gott sein… Nicht irgendein Gott, sondern der Gott, der ein menschliches Angesicht hat“ (31).

Wenn es nämlich eine große Hoffnung gib, „kann man in der Nüchternheit ausharren. Fehlt die wahre Hoffnung, so sucht man das Glück in der Trunkenheit, im Überflüssigen, in den Ausschweifungen und richtet so sich selbst und die Welt zugrunde“.

Die Mäßigung sei nicht nur eine „asketische Regel“, sondern auch „ein Weg des Heils für die Menschheit“. Nur wenn „ein nüchterner Lebensstil angenommen wird, der vom ernsthaften Einsatz für eine gerechte Verteilung der Reichtümer begleitet ist“, werde es möglich, eine „Ordnung der gerechten und tragbaren Entwicklung“ aufzubauen.