Benedikt XVI.: Gott ist keine Hypothese, er ist Wirklichkeit

Generalaudienz über Aggiornamento und die Wirkung des Konzils nach 50 Jahren

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VATIKANSTADT, 10. Oktober 2012 (ZENIT.org). – In der Katechesenreihe während der Generalaudienz sprach Papst Benedikt XVI. heute über das 50jährige Jubiläum der Eröffnung des zweiten Vatikanischen Konzils, das am morgigen Tag begangen wird.

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung der Katechese:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Morgen sind es fünfzig Jahre, dass Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet hat, und an diesem Tag beginnen wir auch ein Jahr des Glaubens, um uns wieder neu in das Wollen dieses Konzils und den Willen des Herrn selbst hineinzugeben, glauben zu lernen und aus dem Glauben zu leben. Johannes XXIII. hat das Konzil einberufen aus dem Bewusstsein heraus, dass Christentum müde geworden war und nicht mehr recht in der Zeit zu stehen schien, in Sprache und Formen der Vergangenheit zugehörig schien. Und so hat er das Stichwort „Aggiornamento“ geprägt, „es wieder auf den Tag bringen“, das heißt nicht einfach irgendwie äußerliches Neu-Anstreichen, sondern es bedeutet, seine innere Gegenwart neu zu entdecken. Er wollte, daß die beständige und lebendige Gegenwärtigkeit des Glaubens wieder sichtbar wird, dass er wieder heute lebt und Menschen von heute und die Welt von heute formt.

Wenn wir zurückschauen, können wir sagen, das Wesentliche, was uns das Konzil gesagt hat, ist eigentlich sehr einfach: Gott gibt es. Er ist nicht eine Hypothese. Er ist Wirklichkeit. Und Gott ist nicht nur irgendwo fern, sondern er ist selbst Mensch geworden. Gott ist so, wie Jesus Christus ist, denn Christus ist Mensch und Gott. Und wir können Gott begegnen, auf ihn zu leben und so unser Leben und die Welt reicher und größer machen. In diese einfache Mitte des Glaubens hinein wollte und will das Konzil uns wieder führen, und wir wollen sie heute neu erlernen und so wieder heute Christen sein, damit heute Gott in die Welt hereinleuchte und so der Mensch seine Würde wieder neu entdecken kann. Denn wenn Gott wegfällt, ist auch unsere Würde dürftig geworden. Wir wollen den Herrn bitten, dass er uns hilft, dieses Jahr freudig zu begehen und neu den Glauben zu entdecken, uns von ihm entdecken zu lassen und so auf den Herrn zuzugehen und der Erneuerung der Welt zu dienen.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Ganz herzlich grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher, besonders die vielen jungen Gäste und natürlich besonders auch die Kötztinger Pfingstreiter. Christus lädt uns ein, die Freundschaft mit ihm im Gebet zu pflegen und so gemeinsam für eine bessere Zukunft zu leben. Bitten wir ihn um seinen Heiligen Geist, der die Liebe in der Welt zum Sieg führt. Der Herr geleite euch alle freudig auf seinen Wegen in dieser unserer Zeit.

[© 2012 - Libreria Editrice Vaticana]