Benedikt XVI.: Gott will allen das „Feuer des Heiligen Geistes“ schenken

Voraussetzung ist Einmütigkeit, die eine Folge des Gebetes ist

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ROM, 1. Juni 2009 (ZENIT.org).- Am gestrigen Pfingstfest stand Papst Benedikt XVI. der Heiligen Messe im Petersdom vor, um die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Maria und die Apostel im Abendmahlssaal zu feiern. 50 Tage nach Ostern sei so das verwirklicht worden, was Jesus den Jüngern verheißen hatte: die Taufe im Heiligen Geist und die Ausgießung einer Macht, die dazu befähige, das Evangelium der ganzen Welt zu verkündigen.

In seiner Predigt zum Pontifikalhochamt konzentrierte sich der Heilige Vater auf die beiden biblischen Bilder für den Heiligen Geist: den heftigen Sturm und das Feuer.

Der Gottesdienst wurde musikalisch durch die „Harmoniemesse" von Franz Joseph Haydn gestaltet. Der Papst dankte deshalb dem Domchor und dem Kammerorchester von Köln, die für Musik und Gesang gesorgt hatten. Am 200. Todestag des Komponisten (31.5.1809) sei die Wahl in angemessener Weise auf dieses Werk gefallen, das eine „erhabene Symphonie zu Ehren Gottes" darstelle.

Der Heilige Geist ist nach Worten Benedikts XVI. das von Christus in die Welt gebrachte wahre Feuer. Christus habe es nicht den Göttern „entrissen", wie dies nach dem griechischen Mythos Prometheus getan hatte, sondern er sei selbst „zum Mittler der ‚Gabe Gottes' geworden, indem er sie für uns durch die größte Liebestat der Geschichte erlangt hat: seinen Tod am Kreuz."

Das „Feuer des Heiligen Geistes" wolle Gott allen Generationen schenken. Der Pfingstbericht mache deutlich, wie die Gemeinde sein sollte, um die Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen. Der Ort des Abendmahlsaals, an dem dass Pfingstereignis geschah, der „Sitz der entstehenden Kirche", meine dabei nicht nur den physischen Raum, sondern bezeichne in erster Linie die innere Haltung der Jünger - Einmütigkeit. „Die Einmütigkeit der Jünger also ist die Bedingung dafür, dass der Heilige Geist kommt; und die Voraussetzung der Einmütigkeit ist das Gebet."

Das Bild des Sturmes für den Heiligen Geist erinnere an die die Theophanie auf dem Sinai, so der Heilige Vater. Die antike Welt habe den Sturm als Zeichen der göttlichen Macht gesehen, angesichts derer sich der Mensch unterjocht und von Furcht ergriffen fühlte. Als weiteren Aspekt des Sturmes betonte der Papst den Aspekt der Luft, „durch die sich unser Planet von den anderen Himmelskörpern unterscheidet und die es uns gestattet, auf ihm zu leben".

„Das, was die Luft für das biologische Leben ist, ist der Heilige Geist für das geistliche Leben. Und wie es eine Luftverschmutzung gibt, die die Umwelt und die Lebewesen vergiftet, so gibt es eine Verschmutzung des Herzens und des Geistes, die das geistliche Dasein verletzt und vergiftet." Der Mensch dürfe sich nicht an die Gifte in der Luft gewöhnen. Benedikt XVI. betonte diesbezüglich, dass deshalb „das ökologische Engagement heute eine Priorität darstellt".

Allerdings müsse man sich auch um das sorgen, was den Geist verderbe: Der Papst beklagte, dass man sich problemlos an die vielen den Sinn und das Herz verschmutzenden Erzeugnisse gewöhne, die in der Gesellschaft im Umlauf seien, und erwähnte als Beispiel „Bilder, die Lust, Gewalt oder die Geringschätzung von Mann und Frau zum Spektakel machen".

Bei all diesen Dingen handle es sich nicht um Freiheit. Vielmehr müsse erkannt werden, „dass all dies vor allem die neuen Generationen verschmutzt und vergiftet und damit endet, deren Freiheit zu bedingen".

Die Metapher vom heftigen Sturm an Pfingsten lasse daran denken, wie wertvoll es sei, sowohl mit der Lunge des Leibes als auch mit dem Herzen des Geistes reine Luft zu atmen, „die heilsame Luft des Geistes, der die Liebe ist".

Das Bild vom Feuer rufe uns den Vergleich Jesu mit Prometheus in Erinnerung. Diese mythische Gestalt beinhalte einen charakteristischen Aspekt des modernen Menschen. „Nachdem er sich der Energien des Kosmos - des ‚Feuers' - bemächtigt hat, scheint sich der Mensch heute selbst als Gott zu behaupten, die Welt zu verwandeln und dabei den Schöpfer des Universums auszuschließen, beiseite zu stellen oder gar abzulehnen." Der Mensch wolle nicht mehr Ebenbild Gottes sein, sondern nur Bild seiner selbst, was eine unechte Beziehung zu Gott an den Tag lege, Folge eines falschen Gottesbildes - „wie der verlorene Sohn des Gleichnisses aus dem Evangelium, der meint, sich selbst dadurch zu verwirklichen, das er vom Haus des Vaters fortgeht".

Benedikt XVI. machte darauf aufmerksam, dass das „Feuer" und seine enorme Möglichkeiten in den Händen eines solchen Menschen, wie er ihn geschildert hatte, zur Gefahr werden und sich gegen das Leben und die Menschheit richten könne, wie es die Geschichte gezeigt habe und immer noch zeige.

Der Heilige Geist sei keine namenlose und blinde Kraft, sondern das Wirken des Geistes Gottes. Jesus habe diesen Geist der Liebe gebracht, der das Antlitz der Erde erneuere, indem er sie vom Übel reinige und von der Herrschaft des Todes befreie. Das Feuer des Heiligen Geistes sei das Feuer der Liebe und mache die Kirche zur Verlängerung des Erneuerungswerkes Christi.

Abschließend unterstrich Benedikt XVI. einen weiteren Aspekt des Kommens des Geistes: „Der Heilige Geist besiegt die Angst." Am Pfingstfest seien die Jünger, die zuvor verängstigt gewesen seien, furchtlos hinausgegangen und hätten begonnen, allen Menschen die frohe Botschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Christus zu verkündigen.

„Wo der Geist Gottes eintritt, dort verjagt er die Angst", betonte der Papst. „Er lässt uns erkennen und spüren, dass wir in den Händen einer Allmacht der Liebe sind: Geschehe, was will - seine unendliche Liebe verlässt uns nicht." Das Dasein der Kirche selbst beweise: Die Kirche durchquere trotz aller menschlicher Begrenztheit und Schuld weiter den Ozean der Geschichte.