Benedikt XVI. gratuliert seinem Bruder Georg zum Geburstag

„So bist Du Deine Wege geführt worden und gegangen"

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ROM, 19. Januar 2009 (ZENIT.org).- Zu Ehren von Prälat Georg Ratzinger - der Bruder des Papstes feierte seinen 85. Geburtstag - gaben die Regensburger Domspatzen am Abend des 17. Januar ein Festkonzert in der Sixtinischen Kapelle. Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. im Anschluss an die musikalische Darbietung gehalten hat.

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Lieber Georg, liebe Freunde,

es sind also fast 70 Jahre, dass Du die Initiative ergriffen hast und wir miteinander nach Salzburg gefahren sind und in der herrlichen Abteikirche Sankt Peter die C-Moll-Messe von Mozart gehört haben. Obwohl ich damals noch ein ziemlich einfältiger Bub war, habe ich doch mit Dir begriffen, dass wir mehr als irgendein Konzert erlebt hatten, dass es gebetete Musik, dass es Gottesdienst war, in dem wir etwas von der Herrlichkeit und der Schönheit Gottes selbst angerührt hatten, von ihr berührt worden waren. Nach dem Krieg sind wir noch wiederholt nach Salzburg gefahren, um die c-Moll Messe zu hören, und so ist sie tief in unsere innere Biographie eingeschrieben.

Die Überlieferung erzählt, dass Mozart diese Messe in Einlösung eines Gelübdes komponiert hat: Als Dank für seine Hochzeit mit Constanze Weber. Und so erklären sich auch die groβen Sopransoli, in denen Constanze dann dazu berufen war, dem Dank und der Freude Stimme zu geben - gratias agimus Tibi propter magnam gloriam tuam - Dank für Gottes Güte, die sie berührt hatte. Vom streng liturgischen Standpunkt her kann man einwenden, dass diese groβen Soli die Nüchternheit der römischen Liturgie etwas verlassen, aber man kann auch dagegen fragen: Hören wir darin nicht die Stimme der Braut, der Kirche, wovon uns gerade Bischof Gerhard Ludwig gesprochen hat? Ist es nicht eben die Stimme der Braut, die ihre Freude über das Geliebtsein durch Christus und ihre Liebe darin zum Klingen bringt und somit uns als lebendige Kirche vor Gott hin trägt, in ihrem Dank und in ihrer Freude? Mozart hat in die alles individuelle überschreitende Größe dieser Musik und der Heiligen Messe seinen ganz personlichen Dank hineingelegt.

In dieser Stunde haben wir mit Dir Gott gedankt im Erklingen dieser Messe für die 85 Jahre Leben, die er Dir nun geschenkt hat. Professor Hummes hat in dem Programmheft eindringlich dargestellt, dass der Dank dieser Messe nicht ein oberflächlicher und leicht hingeworfener Dank eines Rokokomenschen ist, sondern dass in dieser Messe auch die ganze Tiefe seines Ringens, seines Suchens nach Vergebung, nach der Erbarmung Gottes zum Ausdruck kommt, und dann aus diesen Tiefen heraus umso strahlender sich die Freude über Gott erhebt.

Die 85 Jahre Deines Lebens sind auch nicht immer leicht gewesen. Als Du zur Welt kamst, war die Inflation kaum zu Ende und die Menschen, auch unsere Eltern, hatten alles verloren, was sie gespart hatten. Dann kam die Weltwirtschaftskrise, die Nazidiktatur, der Krieg, die Gefangenschaft. Und dann haben wir mit neuer Hoffnung und Freude in einem zerschlagenen und ausgebluteten Deutschland unseren Weg begonnen. Und auch da haben immer wieder schwierige Steilwände, dunkle Passagen nicht gefehlt, aber immer wieder war von neuem die Güte Gottes zu spüren, die Dich gerufen und geführt hat.

Von Anfang an, sehr früh, ist bei Dir diese doppelte Berufung sichtbar geworden, zur Musik und zum Priestertum, beide ineinandergreifend; und so bist Du Deine Wege geführt worden und gegangen, bis Dir die Vorsehung die Stelle in Regensburg bei den Regensburger Domspatzen geschenkt hat, in der Du priesterlich der Musik dienen konntest und der Welt und den Menschen die Freude an Gott durch die Schönheit der Musik und des Gesanges vermitteln durftest.

Auch da gab es Mühsal genug - jede Probe ist eine Mühsal, wir ahnen es und wissen es, auch andere Mühsal ... Aber dann war es immer wieder groß und schön, wenn der Chor leuchtend ertönte und in die weite Welt hinein die Freude, die Schönheit Gottes getragen hat. Dafür danken wir dem lieben, gütigen Gott heute mit Dir und danken Dir selber, dass er es so geführt hat, dass Du Deine ganze Kraft, Deine Disziplin, Deine Freude, Deine Phantasie und Deine Kreativität in diese 30 Jahre hineingelegt hast und uns so immer wieder zu Gott hin geführt hast.

Aber natürlich und vor allem freuen wir uns in dieser Stunde auch, dass dieser Chor, der seit über 1.000 Jahren ohne Unterbrechung in der Kathedrale zu Regensburg das Lob Gottes singt, obwohl er der älteste Kirchenchor der Welt ist, der ununterbrochen so besteht, auch heute jung ist und mit junger Kraft und Schönheit uns das Lob Gottes gesungen hat. Euch, liebe Domspatzen, ein herzliches „Vergelt's Gott", dem Domkapellmeister, allen, besonders auch dem Orchester und den Solisten die uns den Originalklang der Mozartzeit wieder geschenkt haben. Ein herzliches „Vergelt's Gott" Ihnen allen!

Weil menschliches Leben immer unvollendet bleibt, solange wir auf dem Wege sind, daher ist in allem menschlichen Dank auch immer wieder Erwartung, Hoffnung und Bitte enthalten; und so bitten wir heute den gütigen Gott, dass er Dir, lieber Georg, noch einige gute Jahre schenken möge in denen Dir weiterhin Freude an Gott und durch die Musik geschenkt ist und Du den Menschen als Priester dienen darfst; und wir bitten ihn, dass wir einmal alle in das himmlische Konzert hineingehen dürfen und dort endgültig Gottes Freude erfahren.

[Von Radio Vatikan veröffentlichte Niederschrift der frei gehaltenen Ansprache]