Benedikt XVI. grüßt die Teilnehmer des Rimini-Treffens 2009

Internationales Jahrestreffen von „Gemeinschaft und Befreiung“ vom 23. bis zum 29. August

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ROM, 24. August 2009 (ZENIT.org).- Gestern, Sonntag, wurde das diesjährige „Meeting für die Freundschaft unter den Völkern“ der katholischen Laienbewegung „Comunione e Liberazione“ (CL; Gemeinschaft und Befreiung) in Rimini eröffnet. Das 30. „Meeting“ steht unter dem Thema: „Die Erkenntnis ist stets ein Ereignis“. Zum einwöchigen Kongress werden insgesamt rund 700.000 Teilnehmer erwartet; die den verschiedenen Veranstaltungen mit rund 300 Gästen aus Kirche, Wissenschaft, Kultur und Politik folgen werden.



Nach dem Angelus-Gebet wandte sich Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer des Meetings und sprach den Wunsch aus, dass das Treffen „eine günstige Gelegenheit sei, um zu verstehen, dass ‚Erkennen nicht ein nur materieller Akt [ist]… In jeder Erkenntnis und in jeder Liebeshandlung erlebt die Seele des Menschen ein ‚Mehr‘, das sehr einer empfangenen Gabe gleicht, einer Erhabenheit, zu der wir uns erhöht fühlen“ (Caritas in veritate, 77).

Das Meeting für die Freundschaft unter den Völkern findet jedes Jahr Ende August in Rimini statt. Es entstand 1980 auf Initiative einiger Freunde. Der Grundgedanke ist, alles zu prüfen und das Gute, Wahre und Schöne zu behalten. Mittlerweile hat es sich mit über 700.000 Teilnehmenden zum größten Kulturfestival der Welt entwickelt. Ermöglicht wird das Großereignis durch die Mithilfe tausender Helfer, allen voran zahlreicher Jugendlicher, die ihre Kraft, Phantasie und Leidenschaft für etwas Größeres einbringen wollen.
 
Das diesjährige Thema der Dynamik der Erkenntnis wurde angesichts der wachsenden Verunsicherung und des zunehmenden Misstrauens gewählt. Wie der Vorstellung des Meetings zu entnehmen ist, soll deshalb vor allem folgende Frage genauer in den Blick genommen werden: Ist die Erkenntnis eine rein individuelle Interpretation und letztlich willkürlich und subjektiv? Und ist somit nur wissenschaftliche Erkenntnis objektiv möglich? Oder ist Erkenntnis mehr als das?

„Sie ist etwas, das sich ereignet, das sich aufdrängt, das geschieht: ein Ereignis! Der französische Philosoph Alain Finkielkraut bekräftigt dies: ‚Ein Ereignis ist etwas, das von außen hereinbricht. Etwas Unvorhergesehenes. Genau das ist die höchste Methode der Erkenntnis. Man muss dem Ereignis seine ontologische Dimension des Neuanfangs zurückgeben. Es ist das Einbrechen des Neuen, das die alten Mechanismen durchbricht und einen Prozess in Gang setzt.‘

In diesem Sinne ist die Entdeckung, die jedem Erkenntnisprozess zugrunde liegt – auch und vor allem in der Wissenschaft – die Begegnung mit etwas Neuem, das es zuvor nicht gab oder das zuvor schlicht nicht beachtet wurde. Da die Erkenntnis immer in Gegenwart von etwas Neuem geschieht, wird eine neue Erkenntnis immer möglich sein; eine Erkenntnis, die immer in Bewegung ist und daher immer verbesserungsfähig.

Eine andere Art und Weise der Erkenntnis ist das Zeugnis: Eine Menschlichkeit, die den eigenen Bedürfnissen entspricht und unversehens gegenwärtig wird, enthüllt für alle sichtbar den Sinn der Dinge.
 
Vernunft und Zuneigung sind dabei zutiefst vereint. Denn eine Vernunft ohne aufrichtige Bejahung der Wirklichkeit ist unfähig zu erkennen. Somit ist auch ‚die Liebe ein zentraler Aspekt der Rationalität‘ und damit der Erkenntnis, wie Jean-Luc Marion betont.“