Benedikt XVI.: „Ich komme als Pilger des Friedens zu euch”

Radio- und Fernsehbotschaft des Papstes an die Jordanier, Israelis und Palästinenser

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ROM, 6. Mai 2009 (ZENIT.org).- Zwei Tage vor seiner Pilgerreise ins Heilige Land richtete sich Papst Benedikt XVI. heute während der heutigen Generalaudienz an die Jordanier, Israelis und Palästinenser: „Ich komme als Pilger des Friedens zu euch“, so der Papst.

Ehe die Radio- und Fernsehbotschaft an diese Völker verlesen wurde, setzte der Heiligte Vater seine Katechesenreihe über die großen Gestalten der Kirche des Mittelalters fort und konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf den heiligen Johannes von Damaskus, einen „bedeutenden geistlichen Schriftsteller des Orients, der auch Augenzeuge der Umwandlung des christlichen Kulturkreises seiner Heimat durch den Islam“ gewesen sei.

In seiner Botschaft zeigte sich der Papst „geduldig“ und gespannt darauf, mit den Menschen im Heiligen Land zusammentreffen zu könne, „um mit euch eure Wünsche und Hoffnungen, aber auch eure Leiden und Kämpfe zu teilen“.

„Meine erste Absicht ist es, die Heiligen Stätten Jesu zu besuchen und dort um Frieden und Einheit für eure Familien und für alle zu beten, denen das Heilige Land und der Nahe Osten eine Heimat sind.“

„Unter den vielen religiösen und anderen Begegnungen, die im Lauf der Woche der Reise stattfinden werden, sind auch Treffen mit Vertretern der islamischen und der jüdischen Gemeinschaften, mit denen in Dialog und kulturellem Austausch große Fortschritte erreicht worden sind.“

Besonders grüßte Benedikt XVI. die Katholiken der Region. Er bat sie, mit ihm darum zu  beten, „dass die Reise für das geistliche und zivile Leben aller Einwohner des Heiligen Landes viele Früchte tragen möge“.

Am Ende seiner Grußbotschaft bekräftigte Papst Benedikt: „Lasst uns alle Menschen sein, die die Hoffnung pflegen. Bleiben wir standhaft in unserer Sehnsucht nach dem Frieden und im Wirken für ihn!“

In seinen Ausführungen über den heiligen Johannes von Damaskus sprach Benedikt XVI. über den „christlichen Optimismus“, der es gestatte, in der Natur das Schöne und das Gute zu erkennen und trotz der vom Menschen gebrachten Zerstörung die Materie nicht als verachtenswürdig zu sehen. Denn nichts von dem, was Gott geschaffen habe, sei verachtenswürdig. Materielle Elemente, die der Natur entnommen würden, könnten „Werkzeuge der Gnade“ werden, wenn der wahre Glaube bekannt und gelebt werde.

Johannes von Damaskus sei in der Geschichte der Kirche des 8. Jahrhunderts von großer Bedeutung gewesen. Benedikt XVI. rief den Gläubigen vor allem die drei Reden des Heiligen zugunsten der Heiligen Bilder in Erinnerung.

Es sei möglich, in diesen Texten erste theologische Versuche auszumachen, sich mit der Verehrung der heiligen Bilder auseinanderzusetzen. Johannes von Damaskus sei der erste gewesen, der zwischen öffentlichem und privatem Kult, zwischen Anbetung und Verehrung unterschieden hätte. Die Anbetung könne nur Gott gelten, die Verehrung könne den Bildern zuteil werden, um sich an denjenigen zu wenden, der im Bild dargestellt ist.

Johannes von Damaskus sei eine „Theologie der Materie“ zu verdanken, die noch heute von großer Aktualität sei. Damit habe er den Grund dafür erklären wollen, weswegen die Christen das alttestamentliche Bilderverbot überwunden hätten, das heute in der islamischen Welt gegeben sei. Diese akzeptiere diesen „totalen Ausschluss“ der Verehrung von Bildern.

Gott aber sei nie in Bildern dargestellt worden, weil er nicht leiblich und ohne Antlitz sei. Da er aber nun für den Menschen in die Materie eingetreten sei, verehre dieser die Materie, durch die für ihn das Heil gekommen sei.

Die Werke der Vorsehung müssten mit Erstaunen erfüllen. Dabei sei die Versuchung zu überwinden, Aspekte zu sehen, die unrecht erscheinen. Dies sei der „Optimismus, in der sichtbaren Schöpfung das Gute und Schöne zu sehen“. Dieser Optimismus aber trage der Wunde Rechnung, zu der es durch die menschliche Freiheit gekommen sei, „mit allen Folgen der Unordnung, die sich daraus ergeben haben“.

Die Natur sei, so der Papst abschließend, durch die Fleischwerdung des Sohnes Gottes gestärkt und erneuert werden. Es sei notwendig gewesen, dass der Weg zum „Meer der Liebe Gottes für den Menschen“ konkret gewiesen wurde. So sei der Sohn Gottes unter seine Diener gekommen: „Er selbst hat den Himmel herabgebeugt, indem der unter uns gekommen ist und das Neueste von allem vollbracht hat: das einzig wirklich Neue.“

In seinem Grußwort auf Deutsch wandte sich Papst Benedikt XVI zum Schluss der Audienz besonders an alle Schweizer, die zur Vereidigung der neuen Schweizergardisten am heutigen Nachmittag in den Vatikan gekommen sind.